Die Fans jubelten wie in einem Fußballstadion, als Felix Loch den Rodel-Weltcup in Oberhof gewann. Es war eine kleine Revanche, denn der Berchtesgadener drehte das Ergebnis vom vergangenen Wochenende, setzte sich vor dem Österreicher Jonas Müller durch. Auch Max Langenhan bekam als Dritter die volle Rodel-Liebe seiner Anhänger aus Friedrichroda, die durch viele Schüler vom Perthes-Gymnasium und von der Buschmann-Grundschule unterstützt wurden.
Fast 2000 Schüler an zwei Tagen an der Oberhofer Bahn
So sorgt man auch an einem ordinären Wochentag für Hochstimmung auf einer Rodelbahn. Beim zweiten Weltcup innerhalb einer Woche, den Oberhof von der noch nicht wieder befahrbaren Eisschlange am Königssee übernommen hatte, lud Thüringens Schlittenverband für zwei Tage die Schulen der Umgebung ein. Beim Nationencup und bei den Weltcup-Rennen tags darauf waren fast 2000 Kinder und ihre Lehrer Gäste an der Bahn.
Loch holt sich Weltcup-Führung mit einem Punkt zurück
Felix Loch holte sich mit einem Punkt Vorsprung die Führung im Gesamtweltcup zurück. „Das ist cool. Es wäre schön, wenn es nach den zwei Rennen nach Olympia auch so bliebe“, sagte der 36 Jahre alte Rodler, der im Sommer 1989 in Sonneberg noch vor dem Mauerfall geboren wurde. Loch agierte auf der Lieblingsbahn mit traumwandlerischer Sicherheit. „Die Starts waren besser als beim ersten Weltcup hier“, machte Loch den Unterschied zu Platz zwei sechs Tage zuvor deutlich.
Weltmeister Max Langenhan befindet sich derweil in der „Jägerrolle“. Kein Sieg, aber bei sechs von sieben Rennen stand er auf dem Podest. Der 26 Jahre alte Friedrichrodaer sucht vor Olympia noch nach dem richtigen Rezept. Doch Langenhan blieb locker, plauderte vor der Siegerehrung mit den Blumenkindern, fragte sie nach ihren Zielen. „Ihr müsst in kleinen Schritten denken“, so Langenhan vielleicht auch mit Blick auf Olympia, wo er in zwei Wochen seine besten Fahrten der Saison abliefern will.

Im Frauenrennen lag Merle Fräbel vom RT Suhl nach ihrem Überraschungserfolg vor einer Woche als Dritte wieder auf Podestkurs. Im zweiten Lauf kaufte die erst 22 Jahre alte Thüringerin dann den beiden Österreicherinnen Lisa Schulte (2.) und Hannah Prock (6.) noch den Sieg ab.
Auch interessant
„Klar habe ich noch an den Sieg geglaubt. Ich wusste, wenn ich die Startkurve richtig erwische, kann ich noch gewinnen. So soll es sein. Mit einem superguten Gefühl zu Olympia“, sagte die Sportsoldatin. Dass sie jetzt Goldfavoritin in Cortina ist, verdrängt Fräbel entschlossen. „Olympiasiegerin? Wenn andere das sagen (zuckt mit den Schultern), ich jedenfalls nicht“, lehnt die Vizeweltmeisterin die Bürde ab.
Auch interessant
Mit einem starken zweiten Lauf schoss die Wahl-Oberhoferin Julia Taubitz (Oberwiesenthal) von Rang acht noch auf Rang drei. „Ein Lauf flop, ein Lauf top. Das ärgert mich ein bisschen. Nicht das, was ich möchte. Aber mit einer Medaille rauszugehen, ist doch schön“, sagte Taubitz.
Weltcup am Samstag mit Doppel- und Mixed-Entscheidungen
Am Samstag wird der Rodel-Weltcup in Oberhof fortgesetzt. Dabei gibt es am Nachmittag (ab 13.45 Uhr) eine echte Premiere. Im Rahmen des Weltcups werden in den neuen Mixed-Wettbewerben (Einzel, Doppel) erstmals EM-Medaillen vergeben. Dabei gehen die Athleten wie in der Staffel mit Reaktionsstart in die Bahn und lösen im Ziel ein Touchpad aus. Vorher fallen die Weltcup-Entscheidungen im Doppelsitzer (9.20 Uhr Frauen/11.10 Uhr Männer).





