Dajana Eitberger ballte die Fäuste und schrie ihre Freude lautstark heraus. Mit ihrer ganzen Erfahrung hatte die Pilotin des Frauen-Doppelsitzers der deutschen Teamstaffel am Donnerstagabend den Olympiasieg beschert und gleichzeitig ihre zu Ende gehende Karriere gekrönt. Gemeinsam mit den Olympiasiegern Julia Taubitz und Max Langenhan sowie dem Männer-Doppel Tobias Wendl/Tobias Arlt verwies Deutschland mit Bahnrekord die Österreicher und Italien auf die weiteren Plätze.

Vierter olympischer Staffeltriumph in Folge

Bei der emotionalen Siegerehrung am „Cortina Sliding Centre“ flossen die Freudentränen. Später schalteten die Olympiasieger in den Feiermodus: „Reißt die Hütte ab“, sangen sie lautstark und tanzten im Kreis. Mit dem überlegenen Triumph bestätigte das deutsche Rodelteam einmal mehr seinen Ruf als Medaillengarant. In jedem der fünf olympischen Rennen gab es eine Medaille. Mit dem vierten Triumph in Folge setzte die Staffel gleichzeitig ihre beeindruckende Serie fort. Seit der Olympia-Premiere 2014 hat Deutschland den Wettbewerb stets gewonnen. Das Besondere: Im Mixed kommt es nicht nur auf fahrerisches Gefühl an, sondern auch auf Reaktionsschnelligkeit. Bei der Zielankunft müssen die jeweiligen Piloten ein über der Bahn angebrachtes „Touchpad“ berühren. Erst wenn dies geschehen ist, öffnet sich das Tor für den nächsten Rodler am Starthaus.

MILANO CORTINA 2026 - OLYMPISCHE WINTERSPIELE - CORTINA D’AMPEZZO - RODELN - TEAM-STAFFEL
Grenzenloser Jubel beim deutschen Team im Ziel.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Taubitz strapazierte trotz einer tollen Fahrt ungewollt die Nerven ihrer Teamkollegen und der deutschen Fans. Sie berührte die Wechselmarke im letzten Moment nur ganz knapp und dachte selbst, sie hätte es verpatzt: „Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht“, gestand die 29-Jährige später. „Ich wollte so lange wie möglich liegenbleiben. Aber das war echt grenzwertig.“ Zudem nahm sie intuitiv die linke Hand zum Abklatschen, obwohl es sonst stets die rechte ist. Der Druck auf dem Rand des „Touchpads“ reichte glücklicherweise aus. Wendl/Arlt konnten loslegen.

Wendl/Art bejubeln siebtes Olympia-Gold

Der Bayern-Express hatte tags zuvor seine Bronzemedaille gefeiert, als wenn es Gold gewesen wäre. Die gesamte Woche über haderte das Doppel mit dem Material. Der Schlitten erreichte nicht die maximale Geschwindigkeit. Doch dank einer Nachtschicht und neu polierter Schienen vergrößerten sie im Staffelrennen den Vorsprung und schafften Historisches. Mit ihrem siebten Olympia-Gold stiegen Wendl/Arlt zu Deutschlands erfolgreichsten Winterolympioniken auf. „Sie haben sich das super verdient und können mega stolz sein auf das, was sie erreicht haben“, sagte die bisherige Rekordhalterin Natalie Geisenberger.

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Max Langenhan mit Mutter Susanne und Vater Uwe.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Auch Max Langenhan freute sich für die beiden Frohnaturen aus Bayern. „Dass wir ihnen diesen Rekord mit dem Team schenken konnten, macht mich stolz und glücklich“, sagte er. Der Einsitzer-Olympiasieger aus Thüringen kämpfte zwar immer noch mit einem steifen Hals, glitt jedoch einmal fehlerlos die Bahn hinunter und gab Dajana Eitberger/Magdalena Matschina einen Vorsprung von fast einer halben Sekunde mit. Dieses Polster verteidigte das Frauen-Doppel souverän. Im Ziel gab es dann kein Halten mehr. Jubelnd lagen sich die sechs Rodler in den Armen. Und Bundestrainer Patric Leitner konnte nur Komplimente verteilen: „Das waren die besten Läufe der ganzen Woche. Besser geht es nicht.“

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Unbändige Freude bei Dajana Eitberger, die ihre Karriere beenden wird.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Eitbergers Umstieg auf Doppelsitzer zahlt sich aus

Eitberger hatte sich schon 24 Stunden zuvor ihren Medaillentraum erfüllt. Gemeinsam mit ihrer 15 Jahre jüngeren Partnerin Magdalena Matschina war sie zu Silber gerast. „Wir haben so unfassbar gekämpft, um uns gegen die starke Konkurrenz – auch in der eigenen Mannschaft – durchzuboxen. Es ist einfach unbeschreiblich, es geschafft zu haben.“ Für Eitberger war es das zweite olympische Silber nach ihrem zweiten Platz 2018 – damals noch im Einsitzer. Vor drei Jahren war die Ilmenauerin auf den Doppelsitzer umgestiegen. Bundestrainer Leitner hatte sie damals regelrecht bekniet. Zunächst lehnte sie den Wechsel rigoros ab. Doch dann reizte sie die neue Herausforderung und die Chance, bei der olympischen Premiere der neuen Disziplin dabei zu sein.

Am Donnerstag hatten sich alle Mühen ausgezahlt.