Der nächste Ball ist unterwegs. Im Battersea Park in London, wo vor mehr als 160 Jahren das erste Fußballspiel nach offiziellen Regeln der Football Association (FA) stattgefunden hat, wurde das Leder am Samstag ins Rollen gebracht. Seine Reise wird lang sein. Länger als gewohnt, wenn der Erfurter Verein „Spirit of Football“ (SoF) im Zuge der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaften „The Ball“ als Sprachrohr für Toleranz und Weltoffenheit auf seine Mission zu den WM-Gastgebern schickt. Die Reise 2026/27 führt über mehrere Kontinente und dauert anderthalb Jahre. Die Vorfreude auf die Begegnungen ist groß. Aktuell versetzt die Mitglieder um Spirit-of-Football-Gründer Andrew Aris jedoch ein rätselhafter Verlust in Aufregung.
Der „Ball“ der letzten Reise, der im Zuge der Frauen-WM in Australien und Neuseeland bis ans Ende der Welt geführt hat, ist verschwunden. Der Schock bei den Mitgliedern in der Spirit-of-Football-Zentrale in der Erfurter Marktstraße sitzt tief.

Mehr als ein Ball: Ein Symbol für Völkerverständigung
Andrew Aris mag es sich nicht ausmalen, was passiert, wenn der Ball von 2022/23 nicht wieder auftaucht. Es ist, als würde ein Teil der 21-jährigen Vereinsgeschichte herausgeschnitten. Entsprechend appellieren er und seine Mitstreiter, dass der Ball zurückkommt – egal auf welchem Weg.
Er stammt aus einer Fair-Trade-Herstellung in Kenia. Materiell ist er kaum etwas wert. Doch ideell ist er für Spirit of Football unschätzbar wertvoll. Auf seiner Reise von Erfurt bis an die Datumsgrenze nach Kiribati „rollte“ er innerhalb von 15 Monaten durch 21 Länder. Mehr als 13.000 Menschen haben sich auf dem völkerverbindenden Ball verewigt.
Ein Appell an die Gemeinschaft: Wer hat den Ball gesehen?
„Er ist ein Symbol für alles, wofür wir stehen, wofür Spirit of Football steht“, macht Joaquin Ñáñez klar. Der Argentinier ist seit 2018 fester Teil des Erfurter Vereins, von dem ein globales Netzwerk ausgeht. Den Zeitraum, wann der oft bei Workshops präsentierte Ball verschwunden sein muss, grenzt er auf den 12. bis 27. Februar ein.
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„Wir wissen nicht, ob ihn jemand aus Versehen eingesteckt oder einfach genommen hat. Ich denke nicht, dass den Ball jemand stehlen wollte“, meint Joaquin Ñáñez und hofft, dass sich der Ball auffindet. Für jeden Hinweis sind er und die Mitarbeiter dankbar.

Von London nach Erfurt: Die Wurzeln einer globalen Idee
Die Geschichte des Vereins spiegelt sich vor allem in den Ballreisen wider, seit Andrew Aris den Verein 2005 nach dem Vorbild eines gleichnamigen Clubs in England in Erfurt ins Leben gerufen hat. Durch Phil Wake, Christian Wach sowie Richard Hamilton existierte Spirit of Football in London. Ihre Idee, einen Spielball zur WM-Endrunde nach Südkorea zu schicken, inspirierte den Fußballfan Aris. Gemeinsam ging es 2006 quer durch Deutschland, ehe Aris mit einer Vielzahl an Mitarbeitern eigene Projekte und Ballreisen vorantrieb.
Die ersten beiden Bälle haben Phiel Wake udn Christian wach. Der Ball von 2010 liegt in Erfurt, der von 2014 inzwischen im FIFA-Museum in Zürich und der von 2018 ebenfalls in der SoF-Zentrale.
Von dort spannt sich inzwischen ein Netzwerk in die Welt. Workshops, kulturelle, inklusive und generationsübergreifende Angebote schafft der Verein, um Menschen zusammenzubringen. Herzstück bildet der Fußball als verbindende Kraft. „The Ball“ verkörpert diese und wird auf seiner Mission 2026/27 nicht nur Nordamerika besuchen, wenn dort ab dem 11. Juni die 23. WM-Endrunde beginnt. Später führt der Weg 2027 zur Frauen-WM nach Brasilien und anschließend zu den Weltspielen von Special Olympics nach Santiago (Chile).



