Kurz schaute sich Sanaa Dotson ungläubig um und zum Schiedsrichter, ob der Dresdner Block nicht doch ins Feld gesprungen war. „O mein Gott, was ist jetzt passiert“, erzählte die US-Amerikanerin aufgekratzt. Ihr Punkt zählte. 25:22. Dann lagen sich die Außenangreiferin und ihre Suhler Volleyballerinnen freudetrunken in den Armen. Der nächste Goldtraum ist wahrgeworden.

Die Damen des VfB Suhl haben ihre Traumsaison in der Volleyball-Bundesliga gekrönt. Im dritten Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den Dresdner SC holten sich die Thüringerinnen, angeführt von MVP Mackenzie Foley, am Mittwoch mit einem 3:0 (25:20, 25:16, 25:22) den dritten Sieg und feierten überschäumend das Double. Im Februar hatten sie auf famose Weise den DVV-Pokal gewonnen. Das Double war seit Einführung der gesamtdeutschen Bundesliga sechs Mannschaften gelungen. Allianz Stuttgart kam zuletzt 2022 und 2024 zu dem Doppelerfolg.

Ein historischer Tag für den VfB Suhl

Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft stellt den größten Erfolg in der 35-jährigen Geschichte des VfB Suhl nach dem Pokalsieg 2008 dar. In der vergangenen Saison war die eher als Außenseiter gehandelte Mannschaft um Cheftrainer László Hollósy bereits sensationell zu Bronze gekommen.

VOLLEYBALL DAMEN FINALE 3. SPIEL 1. BL SUHL - DRESDNER SC
Trainer László Hollósy zeigt stolz die beiden Pokale.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Der Meistercoach wollte es im ersten Augenblick gar nicht glauben. „Das ist mehr als ein Traum“, meinte László Hollósy voller Stolz, ehe es auf der noch schnell aufgebauten Bühne Gold über ihn und seine Mannschaft geregnet hatte.

Ministerpräsient Voigt grauliert aus der Ferne

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) gehörte aus der Ferne zu den ersten Gratulanten. „Was die Mannschaft in dieser Finalserie, aber auch über die gesamte Saison hinweg geleistet hat, erfüllt ganz Thüringen mit Stolz“, schrieb er. Beim Auftakterfolg der Finalserie hatte er noch vor Ort in der Wolfsgrube mitgefiebert. Innenminister Georg Maier (SPD) gratulierte am Mittwoch als Vertreter der Landesregierung vor Ort.

Dresdens Coach Alexander Waibl gratulierte. „Für Suhl ist es etwas Historisches. Schön, dass so etwas möglich ist“, erkannte er die Leistung des VfB-Teams an, während seinen Spielerinnen die eine oder andere Träne in den Augen stand.

Dresden mit vollem Risiko, Suhl souverän

Suhl hatte seiner Mannschaft einige Aufgaben mit auf den Weg gegeben, sagte Dresdens Coach Alexander Waibl, nachdem die VfB-Damen vier Tage zuvor in der Margon Arena durch den Tiebreak-Sieg eine lang anhaltende Negativserie beendet hatten. Nach 15 Jahren gewannen sie erstmals beim DSC.

VOLLEYBALL DAMEN FINALE 3. SPIEL 1. BL SUHL - DRESDNER SC
Festung Wolfsgrube: Seit 18 Spielen gab es dort für die Gäste nichts zu gewinnen.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Die vor allem mental starke Art, mit der Lara Nagels und Co. bereits die ersten beiden Finalspiele gegen den sechsmaligen Meister aus Dresden gewonnen hatten, setzte den Kontrahenten unter Druck. „Diese Energie in dieser Halle ist der Wahnsinn“, sagte Dresdens Coach vor dem Spiel. Er meinte die Riesenschlange am Eingang. In heißer Erwartung, dass das VfB-Team den ersten Matchball verwandelt, war der Andrang der Fans riesig. Die Polizei musste die Straße sperren.

Suhls Angriffspower nicht zu stoppen

Um eine Verlängerung zu erzwingen, ließ Waibl trotz personeller Sorgen alle „von der Kette“. Dresden ging volles Risiko. Und Suhl? Die Mannschaft blieb cool. Sie machte das, was sie in den vergangenen Partien am besten konnte. Selbst unter Bedrängnis lieferten Monika Brancuska, Mackenzie Foley und Co. Im Stile eines Champions setzten die Suhlerinnen in der Crunchtime des Auftaktsatzes die entscheidenden Punkte, um diesen 25:20 zu gewinnen.

VOLLEYBALL DAMEN FINALE 3. SPIEL 1. BL SUHL - DRESDNER SC
Rettungsmission: Mackenzie Foley holt den Ball noch. © FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Brancuskas brachiale Pipes wollte Dresden besser verteidigen. Doch der überragenden Tschechin im Verbund mit den beiden schlagstarken und auch cleveren Außenangreiferinnen war nicht beizukommen. Ihre Vorteile drückten die Suhlerinnen auch in den nächsten beiden Sätzen aus, ehe in der Wolfsgrube endgültig alle Dämme brachen.