„Ringen ist ein bisschen wie Schach auf der Matte“, sagt Noe Göpfert. Für ihn geht es längst nicht nur um spektakuläre Würfe oder schnelle Beinangriffe. „Es ist tatsächlich so, man muss die Aktionen des Gegners vorhersehen – seinen Kopf benutzen, strategisch denken, Techniken nicht nur beherrschen, sondern mit Kraft und Ausdauer umsetzen können.“ Der 13-Jährige weiß genau, was er will: im Sport und im Leben vorankommen. Und er ist auf einem guten Weg.

Noe Göpfert (blaues Jersey) versucht im Trainingskampf, sich aus einer misslichen Situation zu befreien. Der Trainingsalltag ist immer wieder mit taktischen Herausforderungen gespickt, nicht nur spektakulären Würfen.
Noe Göpfert (blaues Jersey) versucht im Trainingskampf, sich aus einer misslichen Situation zu befreien. Der Trainingsalltag ist immer wieder mit taktischen Herausforderungen gespickt, nicht nur spektakulären Würfen.© René Röder

Geboren wurde Noe in Toulouse, wo seine Mutter einst studierte. Aufgewachsen ist er seit seinem dritten Lebensjahr in Jena. Zum Ringen kam er eher zufällig – mit vier Jahren. Doch aus dem Zufall wurde schnell Leidenschaft.

Früh entdeckt, konsequent gefördert

Heute trainiert er vier- bis fünfmal pro Woche akribisch in der Halle neben dem Sportgymnasium. Freitags steigt er nach der Schule in den Zug nach Greiz zum Training, kehrt erst spät am Abend zurück. Ein Alltag, der Disziplin verlangt – und unterstützt wird.
Seine Mutter Ingrun ist stolz: „Noe wird, wo es geht, unterstützt, ist aber auch durch den Sport sehr selbstständig geworden.“

An der Sportschule Jena ist der Alltag klar strukturiert: spezieller Sportunterricht, ein rotierender Klassenverbund und eine um ein Jahr verlängerte Schulzeit, um die leistungssportliche Ausbildung zu ermöglichen.

Noe Göpfert (blaues Jersey) versucht im Trainingskampf an der Sportschule in Jena einen Beinangriff seines Trainingspartners.
Noe Göpfert (blaues Jersey) versucht im Trainingskampf an der Sportschule in Jena einen Beinangriff seines Trainingspartners.© René Röder

Seit 2024 startet Noe für den RSV Rotation Greiz – für ihn ein wichtiger Schritt: „Dort wird in der Bundesliga gerungen. Es gibt viele Sportler, von denen ich lernen kann.“ Besonders inspiriert ihn sein großes Vorbild: Alex Szöge, ein Ungar. „Er ist U23-Weltmeister, startet für Greiz und war auch bei Olympia am Start, so wie meine Stützpunkttrainerin Maria Selmaier hier in Jena. Von ihr hängt sogar ein Bild in der Schule. Ich bin richtig stolz, dass ich auch mit ihr trainieren darf“, schwärmt Noe Göpfert.

Energisch: Noe Göpfert (blaues Jersey) im Trainingskampf an der Sportschule in Jena.
Energisch: Noe Göpfert (blaues Jersey) im Trainingskampf an der Sportschule in Jena.© René Röder

Maria Selmaier, die 2016 in Rio bei den Olympischen Spielen bis ins Achtelfinale kam und 2020 für den KSC Motor Jena startend Vizeeuropameisterin in Rom wurde, ist heute Nachwuchstrainerin im Thüringer Ringer-Verband und da auch am Stützpunkt in Jena im Einsatz. Erstaunlich ruhig geht es in ihren Trainingsstunden zu. „Das ist normal. Es ist ja kein Anfängerkurs, wo alle noch ganz aufgeregt sind. Hier kommen die besten Ringer-Talente aus Thüringen von Greiz bis Eisenach regelmäßig zusammen. Sie wissen, worauf es ankommt, was wir von ihnen erwarten. Hauptaugenmerk liegt in diesen Einheiten auf der Technik.“

Ziele im Blick – aber Schritt für Schritt

Ihren Schützling schätzt Maria Selmaier behutsam ein. „Er kann in allen Bereichen noch zulegen, das ist in diesem Alter normal. Ich trainiere ihn nicht durchweg, kenne ihn aber als sehr ehrgeizig und lernwillig. Das ist gut. Und die internationalen Erfolge zuletzt in Tallinn werden ihm helfen, seine Ziele zu erreichen.“ Diese könne man nie hoch genug ansetzen, meint die 34-jährige Trainerin. „Sich Ziele zu setzen, etwas erreichen zu wollen – das ist für die persönliche Entwicklung essenziell – unabhängig davon, ob es dann auch zu ganz großen Titeln oder für Olympia reicht.“

Noe Göpfert bleibt bodenständig, hat sich zunächst naheliegende Ziele gesteckt. „Jetzt bei der Mitteldeutschen am 9. Mai in Jena erfolgreich sein, dann an den Deutschen Meisterschaften im Juni in Gelsenkirchen teilnehmen – das möchte ich schaffen.“

16 Matten und über 3000 Kämpfe bedeuteten ein Rekordteilnehmerfeld bei Europas  Nachwuchs-Ringerturnier. Starter aus 39 Ländern weltweit waren am Start.
16 Matten und über 3000 Kämpfe bedeuteten ein Rekordteilnehmerfeld bei Europas Nachwuchs-Ringerturnier. Starter aus 39 Ländern weltweit waren am Start. © TallinnOpen

Einen großen Traum hat er sich 2026 längst erfüllt. Ende März startete Noe Göpfert bei den Tallinn Open, dem größten Nachwuchsturnier Europas. Über 3000 Starts auf 16 Matten – ein riesiges Teilnehmerfeld.

In der Altersklasse U13 bis 59 Kilogramm dominierte er das Geschehen: Gold im Freistil, Gold im griechisch-römischen Stil – und damit der Titel eines „Grand Champion“. Eine dritte Goldmedaille gab es dafür obendrauf. In elf Kämpfen blieb er ungeschlagen. Im Freistil besiegte er im Finale den Leipziger Felix Streicher, im griechisch-römischen Stil setzte er sich gegen Volodymyr Kozlov (Ukraine) um Gold durch. „Das war ein riesiges Erlebnis und ist auch sportlich für mich sehr wertvoll.“

Unglaublicher Erfolg: Noe Göpfert gewann in Estland im griechisch-römischen Stil und im Freistil, bekam so als Doppelsieger eine dritte Goldmedaille als Grand Champion.
Unglaublicher Erfolg: Noe Göpfert gewann in Estland im griechisch-römischen Stil und im Freistil, bekam so als Doppelsieger eine dritte Goldmedaille als Grand Champion.© Ingrun Göpfert

Ringen ist nicht nur körperlich fordernd – es ist auch eine Schule des Respekts. Das zeigt sich im Gruß vor und nach dem Kampf ebenso wie im Umgang miteinander. Es fördert soziale Kompetenzen, besonders bei den Jüngeren. Noe Göpfert hat das verinnerlicht: „Wenn man mal einen Kampf verloren hat, oder von einem Gegner nicht ganz fair behandelt wurde, fällt einem das oft gar nicht so leicht. Auch das muss man lernen.“ Es ist eine Lektion, die weit über die Matte hinausgeht.