Der pinke Teppich war ausgelegt. Glamour umzog die „Zentralheize“. Passend für einen in Gold getauchten Abend. Thüringen feierte am Freitag seine Besten. Die Rennrodler um Doppel-Olympiasieger Max Langenhan warfen bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo Glanzlichter auf den Thüringer Sport. Der Perfektionist aus dem Eiskanal und die Schlittensportler haben allen voran geliefert – und stehen nun am Beginn eines neuen Zyklus: Kurs französische Alpen 2030. Für die Sommersportarten geht der Blick nach Los Angeles 2028. Der Weg bringt für den Thüringer Sport Herausforderungen mit sich. Und er ist auch von Sorgen begleitet.
Vor zwei Monaten schreckte ein Insiderbericht den deutschen Sport auf. Demnach denke das IOC über Olympia ohne Bob, Rodeln und Skeleton nach. Verbandsvertreter machten im Sportausschuss deutlich, dass an der Meldung über ein mögliches Aus der Kufensportarten nichts dran sei. Die Diskussion im IOC sei Teil einer normalen Evaluierung, hieß es. Es geht um Kosten, Energieressourcen und Umweltverträglichkeit.

Wegfall der Kufensportarten zunächst vom Tisch, Nordische Kombination kämpft
„Man sollte es dennoch ernst nehmen“, meinte Bernd Neudert, während er vor der „Goldenen Nacht des Thüringer Sports“ Bilanz zog. Für den Geschäftsführer Leistungssport im Landessportbund Thüringen (LSB) berechtigen die Zukunftsfragen zu Sorgen. Die Nordische Kombination kämpft ums olympische Überleben. Im Mai soll eine Entscheidung fallen.
Ein Wegfall von Bob, Rodeln und Skeleton wäre für Thüringen ein Albtraum. Ohne die Kufensportarten sähe es düster aus. Sechs der sieben Medaillen entsprangen in Cortina der Jagd um Millisekunden. „Die Ergebnisse im Rodeln sind kein Zufall“, so Neudert. Dass hingegen erstmals kein Thüringer in einem olympischen Bob saß und kein Kombinierer aus dem Freistaat am Start war, stimmte unzufrieden. Die Zahl der vierten bis achten Plätze stieg wie der Altersdurchschnitt. Im Vergleich zu 1992 waren die Thüringer bei den Olympischen Spielen 2026 mit 28,9 Jahren rund fünf Jahre älter.
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Spitzensportagentur bringt Veränderung
Der Leistungssport steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Der Entwurf des Sportfördergesetzes ist vom Bundeskabinett beschlossen. Eine Spitzensportagentur kommt. Sie soll über die Verteilung der Förderung bestimmen. Ziel ist, den Abwärtstrend der Erfolge zu stoppen.
Bernd Neudert fürchtet, dass damit Fragen nach der Zentralisierung von Stützpunkten einhergehen könnten. Im vergangenen Jahr wurde durch die aktuell von Vorwürfen belastete Führung der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) der Eisschnelllauf-Stützpunkt in Erfurt trotz der meisten Erfolge infrage gestellt. Aktuell dreht sich die Sorge eher um die Absicherung, die Bundeskaderathleten auf dem Eis betreuen zu können.

Neben der Spitzensportförderung, dem Stärken des Ehrenamtes und der Nachwuchsentwicklung gehört die Infrastruktur der Sportlandschaft nach wie vor zu den Kernfragen, die den Landesportbund bewegen. Durch die wachsenden Mitgliederzahlen auf ein neues Allzeithoch sieht der LSB weiter eine große Herausforderung darin, die Basis für Sport zu erhalten und zu modernisieren.
So schön war die Goldene Nacht des Thüringer Sports in der Erfurter „Zentralheize“
Acht Millionen Euro vom Bund: Wo Thüringen profitiert
Drei Vorhaben können nun umgesetzt werden. Für die Sanierung und Erweiterung der Eissporthalle Erfurt steuert die Bundesregierung rund 3,4 Millionen Euro bei. In die Sanierung der Radrennbahn Gera fließen knapp 4,2 Millionen Euro und in die Sanierung der Sportfreianlage der Gemeinschaftsschule Triptis (Saale-Orla-Kreis) zudem knapp 383.000 Euro. Rund eine Milliarde Euro stellt das Land aus dem Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ bereit. Für den Herbst ist eine zweite Förderrunde vorgesehen.

Im Wunsch, für die Sanierung der Westtribüne im Steigerwaldstadion Mittel aus der „Bundesmilliarde“ zu bekommen, ging Erfurt derweil leer aus. Der Plan des Landes, „Die Finals“ nach Thüringen zu holen, gestaltet sich dadurch womöglich schwieriger. Das Stadion bildet ein zentrales Element in der Ausrichtung.
Der LSB ist froh, durch die Förderzusage drei wichtige Projekte angehen zu können, auch wenn es als Tropfen auf den heißen Stein erscheint. „Wichtig ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung“, hob LSB-Hauptgeschäftsführer Thomas Zirkel angesichts des Sanierungsstaus hervor. Gemeinsam mit der Landespolitik soll ein „Zukunftsplan Sportland Thüringen“ erarbeitet werden. Thomas Zirkel: „Wenn man über langfristige Pläne spricht, braucht es eine langfristige Finanzierungsabsicherung.“





























