Vor vierzig Jahren fand auf dem Suhler Friedberg zuletzt eine große WM im Schießen statt. Das unvergessene Sportereignis 1986 blieb fest in der Erinnerung. Und Thüringen möchte 2030 zurück auf die große Weltbühne des Sportschießens. Mit der Junioren-WM vom 17. bis 25. Juni macht die Waffenstadt schon mal Werbung, auch um die nötigen Investitionen.
Zweite Junioren-WM in Suhl seit 2017
Die Kreissäge kreischt, die Nagelpistole knallt – es wird gehämmert und geschraubt. Frank Wagner, der Geschäftsführer des Schießsportzentrums (SSZ) Suhl-Friedberg, meint: „Wir sind im Plan. Alles wird pünktlich fertig auf unserer 55 Jahre alten Anlage mit Patina.“ Zum zweiten Mal seit 2017 sind die inzwischen modernisierten Stände mitten im Thüringer Wald Gastgeber für die besten Nachwuchsschützen der Welt. 811 Athleten aus 66 Nationen werden über eine Woche mit Flinte, Gewehr und Pistole um insgesamt 41 WM-Titel kämpfen.
Arne Schallus kam nach Autogramm vom Olympiasieger zum Pistolenschießen
Einer der immerhin elf Thüringer ist Arne Schallus. Der 19 Jahre alte Pistolenschütze vom SSZ FV Suhl hofft vor allem mit dem Team auf eine Medaille, wie bei der EM vor Kurzem in Osijek. „Alles ist möglich, wenn man ins Finale kommt“, sagte der Polizist, der für eine Laufbahn im höheren Dienst studiert. Schallus begann mit Fußball in Dietzhausen, ehe die Vergangenheit der Mutter, die mal DDR-Meisterin war, durchschlug. Nachdem Arne nach der Messe Reiten-Fischen-Jagen ein Autogramm von Olympiasieger Christian Reitz bekommen hatte, war klar, was er wirklich wollte. Schallus wurde Pistolenschütze.
Pistolenschütze mit App für Mentaltraining auf dem Handy
Viermal in der Woche trainiert der Youngster inzwischen auf der Anlage. Tausende Schüsse hat er abgegeben. Für die so wichtige mentale Stärke arbeitet Schallus mit einem Psychologen zusammen. „Ich habe mir sogar eine App für Mentaltraining heruntergeladen“, berichtet er. Nach Platz 18 bei der EM im Einzel will er sich trotz gutem Ringe-Ergebnis weiter steigern. „Allerdings habe ich keinen Heimvorteil. Die Konkurrenz kennt die Stände wegen des Weltcups hier gut. Aber ich kann zu Hause schlafen. Das ist vielleicht ein Vorteil“, grinst Schallus.

Für die Junioren-WM war Suhl mit seinen guten Bedingungen klarer Favorit. Für eine große WM, die zuletzt in Deutschland 2010 in München stattfand, ist die Konkurrenz viel größer, weiß Michael Gohritz, Geschäftsführer des Thüringer Schützenbundes. „Wir wollen uns um die WM 2030 bewerben. Dafür brauchen wir aber die Hilfe von Land und Bund“, sagt Gohritz, der durch die Junioren-WM schon mal auf einen „kleinen Hype“ für den Thüringer Nachwuchs hofft.
Noch keine Klarheit über Investitionssumme für WM 2030
Stefan Rinke, Vizepräsident Jugend des Deutschen Schützenbundes, kennt die stetig wachsenden Anforderungen einer Sportart, die um das olympische Überleben kämpft. „Die Bewerbungsfrist beginnt 2027/28. Suhl wäre mit weiteren Investitionen ein hervorragender Standort“, so Rinke. „Ein fünfter Flintenstand und 30 Pistolen-Stände müssten gebaut werden“, so SSZ-Chef Wagner. Über die nötige Summe herrscht noch keine Klarheit. Die Experten rechnen gerade. Suhls Oberbürgermeister André Knapp meint mit skeptischem Blick auf europäische Ausschreibungen: „Es wird knapp für die Bewerbung für 2030.“ Immerhin sei der Friedberg für die Bundesförderung der energetischen Modernisierung der Erich-Krempel-Halle ausgewählt worden.
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55 Sportler aus Russland und Weißrussland unter neutraler Flagge
Doch zunächst freut sich „die Wiege des Schießsports in Europa“ auf den friedlichen Wettstreit der Jugend aus aller Welt. Darunter sind auch 55 russische und weißrussische Sportler, die aber im Sportschießen weiterhin unter neutraler Flagge antreten und nicht zur Armee ihrer Länder gehören dürfen.




