Fast hatte es den Anschein, als wäre das Korbnetz für Arie Twigt eine größere Herausforderung gewesen als die Gegner in dieser Saison. Hochgestemmt von Fans und Mitstreitern, brauchte der niederländische Nationalspieler eine gefühlte Ewigkeit, bis er das Objekt der Begierde endlich in den Händen hielt. Umso größer war seine Freude, sich ein Andenken an die erneute Meisterschaft mit den RSB Thuringia Bulls gesichert zu haben. Mit dem 72:67 über den RSV Lahn-Dill hatten die Elxlebener am Freitagabend auch das zweite Spiel der Finalserie gewonnen und mit dem Titel eine fast perfekte Saison gekrönt.
Thuringia Bulls gewinnen 33 von 34 Saisonspielen
33 Siege in 34 Partien – das ist die beeindruckende Bilanz der Rollstuhlbasketballer im abgelaufenen Spieljahr. Lediglich das Finale im europäischen Champions Cup gegen Madrid war verloren gegangen. Doch das spielte im Freudentaumel nach dem achten Meisterschaftsgewinn seit 2016 keine Rolle mehr. „Es ist eine große Ehre, hier zu sein und das erleben zu dürfen. Ich bin so stolz auf das Team“, sagt Kapitän Lukas Gloßner, nachdem er die Trophäe unter lautstarkem Jubel in die Höhe gestreckt hatte. Wenige Wochen nach dem DRS-Pokalsieg stand das erneute Double fest.

Während sich Marie Kier und ihre Mitspieler in den Armen lagen und anschließend mit den Fans für Erinnerungsfotos posierten, nahm Lutz Leßmann einen kräftigen Schluck aus der Bierflasche. Der Hals war nicht nur aufgrund der tropischen Temperaturen im „Bullenstall“ trocken. Die Anfeuerungen des Bulls-Gründers in der dramatischen Neuauflage des Clasicos hatten ihren Tribut gefordert. „Unglaublich, wir haben Lahn-Dill jetzt zum achten Mal hintereinander geschlagen. Wenn mir das vor zehn Jahren einer gesagt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagt der 72-Jährige.
Gelebte Inklusion und nachhaltige Strategien
Bis 2016 waren die Hessen das Nonplusultra des deutschen Rollstuhlbasketballs und sammelten reihenweise die Titel ein. Mittlerweile sind sie von den Protagonisten aus dem 2300-Seelen-Dorf vor den Toren Erfurts abgelöst worden. Acht Meisterschaften, fünf Pokal- und zwei Champions-Cup-Siege schlagen bei den Bulls zu Buche. Eine Erfolgsgeschichte, die über die sportlichen Grenzen hinaus wirkt. Längst ist die Mannschaft ein Aushängeschild für gelebte Inklusion und nachhaltige Strategien wie die Nachwuchsförderung und die Schultour. Ein verdienter Lohn für den gesamten Verein: 2025 wurden die Elxlebener zur „Thüringer Mannschaft des Jahres“ gewählt.
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Teamgeist, harte Arbeit und ein Zukunftskonzept
Hinter den Triumphen steckt allerdings harte Arbeit. „Manche Trainingseinheiten sind intensiver als die Spiele“, lobt Leßmann seinen Coach André Bienek. Der frühere Nationalspieler versteht es, die Motivation aufrechtzuerhalten und aus der eingespielten Mannschaft noch ein paar Prozente herauszukitzeln. Zugute kommt ihm dabei der ausgeprägte Teamgeist. Es gibt niemanden, der eine Sonderrolle für sich einfordert oder fehlende Einsatzzeiten moniert. Top-Scorer Alex Halouski steht exemplarisch für das Miteinander. Trotz aller Abschlussqualitäten setzt er noch immer am liebsten seine Teamkollegen in Szene.
Die Fotos zur Meisterschaft: Die Thuringia Bulls holen zum achten Mal den Titel
Im Kern bleibt der Doublesieger auch im nächsten Jahr zusammen. Abseits des Spielfeldes wird jedoch schon der Boden für die Zukunft bereitet. Elxleben soll als Nachwuchsleistungszentrum etabliert werden, in dem die größten deutschen Rollstuhlbasketball-Talente ganzheitlich gefördert werden. Die Bedingungen dafür sind ideal: Im „Fit In“ können die Sportler trainieren und wohnen, haben eine ganztägige Betreuung sowie kurze Wege zur Schule und einen Fahrdienst. Und nicht zuletzt sind sie ihren Vorbildern wie Halouski ganz nah.
Die Erfolgsgeschichte scheint noch einige Kapitel bereitzuhalten.






























