Es ist ja gewiss nicht so, dass die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nur sparsam eine Laola-Welle losschwappen lassen, man sieht sie in den Stadien recht inflationär, selbst bei müden Kicks. Am Sonntagabend in Mainz aber war sie absolut angemessen ob des Auftritts der DFB-Elf. Das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann verabschiedete sich im vorletzten WM-Test mit einem hochverdienten und überzeugenden 4:0 (1:0)-Sieg gegen Finnland vom heimischen Publikum, wobei die Skandinavier auch ein dankbarer Gegner waren, um sich in den Turnier-Rhythmus zu schießen. Nach Toren von Deniz Undav (34./57.), Florian Wirtz (48.) und Jamal Musiala (63.) kann die Mannschaft dennoch selbstbewusst am Dienstag in den Flieger nach Chicago steigen, wo am Samstag gegen die USA die WM-Generalprobe stattfindet.

Deniz Undav (hinten links) bejubelt sein Tor zum 1:0.
Deniz Undav (hinten links) bejubelt sein Tor zum 1:0. © Tom Weller/dpa | Tom Weller

Nagelsmann hatte rund eine Stunde vor Anpfiff im Interview beim ZDF eine „interessante erste Elf“ angekündigt. Und man konnte diese Analyse aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Da war einmal die Wiedervereinigung des magischen Duos Jamal Musiala und Florian Wirtz nach über einem Jahr. Zwar hatten die beiden Hochbegabten ihre Päckchen mit durch die Saison geschleppt, gelten aber als WM-Hoffnungsträger. Ergänzen sollte die beiden Lennart Karl, der der Nationalelf „jugendliche Frische“ schenken sollte. „Er kann ein sehr wichtiger Spieler sein, der aber noch jung ist. Wir wollen nicht alle Last auf seinen Schultern haben“, sagte Nagelsmann. Etwas überraschend für die Öffentlichkeit begann zudem Nathaniel Brown anstelle von David Raum. Der Grund: Raum klagte zuletzt über leichte Beschwerden.

Viel Kreativität mit Wirtz und Musiala

Dass sich da also eine Menge Kreativität auf dem Rasen tummelte, sah man schon nach wenigen Minuten. Felix Nmecha trieb an, Aleksandar Pavlovic leitete weiter zu Florian Wirtz. Er schickte Brown, der fand in der Mitte Kai-Havertz-Vertreter Deniz Undav, der den langjährigen Bundesliga-Keeper Lukas Hradecky zu einem Mega-Reflex zwang (8.). Später scheiterte der Stuttgarter nach perfektem Steckpass von Musiala erneut an Hradecky (29.). Wirtz‘ Schuss wurde geblockt, nachdem ihm Nmecha den Ball in den Lauf gestreichelt hatte (34.).

Deutschland - Finnland
Ein echter Torjäger: Deniz Undav schiebt zum 3:0 ein.© dpa | Charisius

Nach zwei eher zähen Auftritten im März in der Schweiz (4:3) und gegen Ghana (2:1) zeigte sich die DFB-Elf gegen zugegebenermaßen limitierte Finnen spielerisch verbessert. Vor allem der freche Karl auf dem rechten Flügel brachte Schwung. Nur ein Tor aus dem Spiel heraus fehlte – das sollte dann nach einem Eckstoß fallen. Karl schaltete schnell und führte kurz aus zu Kapitän Joshua Kimmich, der punktgenau auf Undav flankte, der im dritten Versuch das 1:0 köpfte (34.). Die Finnen kamen nur einmal vor das Tor von Oliver Baumann, der wie geplant Manuel Neuer ersetzte. Dafür aber gleich gefährlich. Erst klärte Kimmich vor der Linie, den Nachschuss blockte Nico Schlotterbeck (29.).

Undav sammelt weiter Argumente, muss aber raus

Die Fans schenkten zur Pause großen Applaus für die deutsche Darbietung. Und kurz nach Wiederanpfiff durften die 25.122 Zuschauerinnen und Zuschauer in Mainz erneut jubeln. Die DFB-Elf presste hoch, Undav stibitzte ein katastrophales Zuspiel von Adam Markhiyev und passte grätschend zu Wirtz, der nur noch zum 2:0 einschieben musste (48.).

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Erstes DFB-Tor seit über einem Jahr: Jamal Musiala.© dpa | Gambarini

So rasant ging es weiter, allerdings dank finnischer Mithilfe. Nmecha fing einen Pass ab, schickte sofort Karl, der wiederum Undav bediente. Abgezockt wie eh und je wartete der Stürmer, bis der Ball auf dem linken Fuß lag und erzielte das 3:0 (57.). Der 29-Jährige sammelte damit nach der hitzigen Debatte um seine Rolle im Frühjahr weiter Pluspunkte. Bitter daher: Undav blieb kurz darauf angeschlagen auf dem Feld liegen und musste raus. Für ihn kam Maximilian Beier. Das Undav-Aus hielt die Deutschen aber nicht vom Toreschießen ab. Musiala zog ab und traf mit links – das 4:0 war nach langer Verletzungspause sein erstes Länderspieltor seit März 2025 (63.). Nagelsmann wechselte nun, um weitere Spieler zu testen. Leroy Sané, Nadiem Amiri und Nick Woltemade kamen für Wirtz, Nmecha und Karl, der als einer der Gewinner des Abends nun als Startelf-Favorit auf dem rechten Flügel in die zweite Vorbereitungsphase geht.