Am Sonntagabend hatte sich der Präsident des ThSV Eisenach bei den Fans entschuldigt. Nicht für das 33:40 gegen Hamburg, das nach dem längst gesicherten Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga die Feierlichkeiten nicht groß störte. Shpetim Alaj bat um Vergebung wegen der Streitigkeiten, der letzten zwei Jahre, die nicht dem familiären Verein, wie er ihn seit 32 Jahren kenne, entsprächen. „Keiner steht über dem Verein. Auch ich nicht“, sagte der Unternehmer, der die Anhänger auf ein „ganz hartes nächstes Jahr“ vorbereitete.

ThSV Eisenach hofft auf Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Hauptsponsor Mantos

Einen Tag später erklärten Gesellschafter Günter Oßwald, Vizepräsident Peter Krauß und Trainer Sebastian Hinze in einer Pressekonferenz, wie der ThSV Eisenach künftig aussehen wird. Nach der Trennung von Geschäftsführer René Witte und einem Kassensturz erklärte Krauß: „Der ThSV Eisenach ist nicht in Insolvenzgefahr.“ Man hätte kaufmännische Probleme, die aber lösbar seien, so der Vize, der Großsponsor beim ThSV bleiben wird. Aktuell begleichen die beiden Interimsgeschäftsführer nach und nach offene Forderungen von Geschäftspartnern des Vereins.

Mitgliederversammlung soll neue Strategie beschließen

Auch der Zwist zwischen Gesellschaftern und dem Stammverein sei ausgeräumt, betonte Oßwald. Der ThSV e.V. behält die 51 Prozent der Anteile. Für wichtige Entscheidungen ist allerdings nun eine Mehrheit von 75 Prozent nötig. „Damit müssen wir immer gemeinsame Lösungen finden“, erklärte Oßwald. Bis Ende Juli soll eine Mitgliederversammlung die neue strategische Ausrichtung beschließen. Auch die Präsidiumswahlen stehen an. Ob sich Shpetim Alaj noch einmal stellt, bleibt offen.

Die wegen der Streitigkeiten zuletzt ins Wackeln geratene Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor Mantos besteht fort. „Wir haben keine Kündigung erhalten. Wir werden mit Ralf (d.A. Weber) eine vernünftige Lösung finden“, sagte Krauß. Weber, der wohl Thüringens größter Sportssponsor ist (VfB Suhl, Thüringer HC, Radsport German Junior Racing), trägt einen großen Teil des Bundesliga-Etats des ThSV.

Zukunft von Heinevetter lässt der Verein offen

Oßwald verteidigte noch einmal die Trennung von Manager Witte vor wenigen Wochen. „René ist Genie und Wahnsinn. Genie in der Organisation, aber man kann nur ausgeben, was man hat, und nicht Rechnungen von Lieferanten ignorieren“, meinte Oßwald. Das ThSV-Café Timeout, ein Projekt Wittes, sei wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen worden. Ein neuer Geschäftsführer solle bis Ende Juli gefunden sein. „Ex-Manager Karsten Wöhler wird es nicht sein“, sucht Oßwald eher einen Finanzexperten. Für die Handball-Expertise habe man den Sportlichen Leiter, Maik Nowak, so Oßwald.

07.06.2026, GER, Handball, Maenner, Saison 25/26, Daikin 1.Bl, 34.Spieltag, ThSV Eisenach - HSV Hamburg (Handball Sport Verein Hamburg)
Trainer Sebastian Hinze (mitte rechts) wird seine verrückte junge Truppe (von links Alexandar Capric, Gian Attenhofer, Stephan Seitz) weiter durch die Handball-Bundesliga führen.© Christian Heilwagen

Der sportliche Triumph des Liga-Außenseiters aus Thüringen war in dieser Spielzeit eng mit dem Namen Sebastian Hinzes verbunden. Der Trainer, der von den Rhein-Neckar Löwen kam, nannte die Zeit in Eisenach eines seiner persönlich erfolgreichsten Jahre. Die Mannschaft habe sich nach der nicht optimalen Vorbereitung „für den Verein zerrissen“. Hinze freut sich, dass der eingespielte Rückraum zusammenbleibt. Den Weggang von Abwehrchef Philipp Meyer wolle man im System kompensieren, so der Coach. „Wir haben zuletzt gesehen, was wir auf Topniveau leisten können. Aber auch, wie weit wir weg sind, wenn wir das nicht schaffen“, so Hinze. .

07.06.2026, GER, Handball, Maenner, Saison 25/26, Daikin 1.Bl, 34.Spieltag, ThSV Eisenach - HSV Hamburg (Handball Sport Verein Hamburg)
Vincent Büchner (ThSV Eisenach) wurde in dieser Saison zum Nationalspieler und verabschiedet sich nun zum THW Kiel. © Christian Heilwagen

Trainingslager in Südtirol, Sparkassencup in Eisenach

In den nächsten Tagen kündigte der 47-Jährige „im Rahmen der Möglichkeiten“ weitere Verpflichtungen an. „Die Mannschaft wird noch deutlich jünger werden“, sagte Hinze. Man werde die bestmögliche Mannschaft bilden, die den Klassenerhalt schafft. „Wir können alle beruhigt in den Urlaub fahren“, so der Thüringen-Liebhaber. Die Zukunft von Torwart Silvio Heinevetter, der noch einen Vertrag mit dem ThSV hat, ließ Hinze offen. „Stand jetzt, gehört er zum Kader.“ Doch vor dem Hintergrund des Sparkurses stehen die Zeichen wohl eher auf Abschied.

Am 13. Juli treffen sich die Spieler zum Auftakt der Saisonvorbereitung. Nach drei Testspielen (Gegner noch offen) geht es vom 1. bis 8. August ins einwöchige Trainingslager wieder in Südtirol. Höhepunkt wird danach der Sparkassencup in Eisenach vom 14. bis 16. August. Die Saison beginnt eine Woche später mit der 1. DHB-Pokalrunde.