Thomas Röhler hat sich die letzten Tage im Trainingszentrum Kienbaum auf die Leichtathletik-EM (10. bis 17. August) vorbereitet. „Den Feinschliff holen, noch ein bisschen an der Technik arbeiten“, sagte der Speerwurf-Olympiasieger von 2016 vom LC Jena vor dem Flug am Freitag nach Birmingham.

Röhler ist der Einzige mit echten Medaillenchancen von den fünf EM-Teilnehmern, die aus Thüringen stammen. „80 Meter habe ich immer drauf. Doch man wird für eine Medaille sicher ein paar Meter weiterwerfen müssen. Es gibt eine ganze Menge Kandidaten. Mein Kollege Julian Weber ist als Jahresbester mit 87,05 Metern aber sicher Favorit“, erklärt der Europameister von 2018, der zu Saisonbeginn in Nairobi auf 83,33 m kam und in Europas Bestenliste Platz acht belegt.

Das sind die deutschen Titelhoffnungen?

Neben Tokio-Olympiasiegerin Malaika Mihambo (Weitsprung) reisen Leo Neugebauer (Zehnkampf), Julian Weber (Speerwurf), Frederik Ruppert (Hindernis) und Amanal Petros (Marathon) als Goldhoffnungen an. Medaillenchancen haben aber zum Beispiel auch Paris-Olympiasiegerin Yemisi Mabry (Kugel), Dauerbrennerin Gesa Krause (Hindernis) oder Emil Agyekum (400 m Hürden) und Robert Farken (1500 m). Vor vier Jahren in München war Deutschland mit siebenmal Gold und 16 Medaillen erfolgreichste Nation. 2024 in Rom holte nur Weitspringerin Malaika Mihambo Gold, insgesamt elf Medaillen waren aber zufriedenstellend.

Welche Aussichten haben die Thüringer?

Neben Speerwerfer Röhler darf auch Marathon-Geher Karl Junghannß (Race Erfurt) auf eine vordere Platzierung hoffen. Beim bisher einzigen großen Saison-Rennen über die 42,195 km in Dudince/Slowakei war Junghannß starker Zweiter geworden. Seine Schwester Ada vom Erfurter LAC geht erstmals auf der im Gehen neuen Marathon-Distanz ins Rennen und hofft, „gut durchzukommen“. Ebenfalls nominiert wurde die für Spiridon Frankfurt startende Ex-Erfurterin Bianca Dittrich. Der fünfte Thüringer EM-Teilnehmer lebt inzwischen der Liebe wegen im estnischen Tallinn. Der gebürtige Geraer Kevin Brucha sprang als DM-Zweiter erstmals mit 8,04 m über die magische Marke und träumt nun vom Finale in Birmingham.

  • Thomas Röhler, Speerwerfen (Do. 15.35 Uhr/Qualifikation, Sa. 21 Uhr/Finale)
  • Karl Junghannß, Ada Junghannß und Bianca Dittrich, Marathon-Gehen (Sa. 8.30 Uhr, gemeinsamer Start auf allen Strecken)
  • Kevin Brucha (Mo. 11.30 Uhr/Qualifikation, Di. 21.15 Uhr/Finale)

Was passiert mit Sprinter Owen Ansah?

Der schnellste Deutsche, der im Juni den nationalen 100-m-Rekord auf 9,98 Sekunden drückte, hatte Anfang Juli „im Reisestress“ einen Dopingtest verweigert. Dem Hamburger droht eine mehrjährige Sperre. Weil Owen Ansah nicht positiv getestet wurde, ist er nicht suspendiert. Bei der EM soll Ansah beide Einzelstrecken besetzen, über 100 m ist er Europas Nummer drei. Ob bei einer Sperre rückwirkende Sanktionen greifen, ist unklar – ein Staffel-Start Ansahs somit nicht risikofrei. 

Leichtathletik - Deutsche Meisterschaft
Der Start von Owen Ansah ist wegen eines laufenden Verfahrens gegen die Dopingregeln vor allem in der Sprintstaffel offen.© Sven Hoppe/dpa | Sven Hoppe

Welche Superstars jagen EM-Gold?

Zehn Weltmeister von Tokio 2025 treten in Birmingham an, zudem sechs Olympiasieger von Paris 2024. „A-Promi“-Status tragen vor allem die Weltrekordler Armand Duplantis (Schweden/Stabhochsprung), Karsten Warholm (Norwegen/400 m Hürden) und Jaroslawa Mahutschich (Ukraine/Hochsprung) sowie Italiens Tokio-Olympiasieger Marcell Jacobs (100 m/Staffel).

Wie groß ist der Stellenwert der EM?

Sehr groß. In nichtolympischen Jahren ist die EM der Saisonhöhepunkt für Europas Elite. 2024 wurde kurz vor Olympia in Paris wie üblich in Rom ein reduziertes Programm (ohne Marathon und lange Geh-Distanz) absolviert. Die deutsche Heim-EM 2022 in München stand im Schatten der durch Corona verspätet ausgetragenen WM von Eugene. Die letzte „konkurrenzlose“ EM gab es somit 2018 in Berlin.

Was ist neu?

51 Entscheidungen bedeuten eine EM-Rekordzahl. Neu ist die 4x100-m-Mixedstaffel. Die Geher-Distanzen werden an die gängigen Laufdistanzen angeglichen: Statt 20 und 50 km feiern nun Halbmarathon (21,0975 km) und Marathon (42,195) Premiere.   

Was ist mit Russland?

In der Leichtathletik sind Russland und Belarus wegen des Angriffs auf die Ukraine weiterhin ausgeschlossen. Auch neutrale Athleten sind nicht zugelassen. Der russische Verband ist wegen zahlreicher Dopingvergehen bereits seit 2015 suspendiert.

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Wer überträgt die EM?

ARD und ZDF senden im TV und Stream im täglichen Wechsel. Auch Eurosport berichtet live im Free-TV.

dpa/dp