Für Matthias Sammer ist der Zeitpunkt längst gekommen, um Reformen in der Nachwuchsarbeit und der Neuausrichtung des deutschen Fußballs anzustoßen. „Wir brauchen kein Konzept über 400 Seiten, wir brauchen ein Konzept über eine Seite“, meinte der 59-Jährige auf der Veranstaltung mit dem Thema „Viel Talent, wenig Weltklasse – wie gut bilden wir aus? Wege aus dem Dilemma des deutschen Fußballs”.

Er selbst stünde dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Ansprechpartner weiter zur Verfügung. Allerdings müssten dafür einige Funktionäre „ihre Angst ablegen, dann können wir uns über alles unterhalten. Ich habe den entsprechenden Leuten schon gesagt, dass es nur um Inhalte geht”.

ZDF-Dokumentation «Go West! – Die letzte Elf der DDR»
Legt den Finger in die Wunde: Matthias Sammer sieht grundlegende Probleme im deutschen Fußball.© Robert Michael/dpa | Robert Michael

Sammer fordert unter anderem bessere Grundlagenarbeit, Mentalität und mehr Einsatz in den Vereinen. „Wir verkomplizieren die Situation gerade. Wir müssen einfach wieder mehr tun, mehr trainieren“, befand der externe Berater von Borussia Dortmund. „Wir sind auch nicht mehr mutig, sondern Feiglinge geworden.” Gerade auch in den Vereinen sei man gefordert. „Wer den Willen nicht mitbringt, um sich durchzusetzen, der ist ungeeignet“, stellte er klar.

„Ich warte sehnsüchtig auf Per Mertesacker”

Große Hoffnung setzt Sammer bei der Erneuerung des deutschen Fußballs auf Per Mertesacker, den designierten Sport-Geschäftsführer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Ich warte sehnsüchtig auf Per Mertesacker“, sagte der frühere Nationalspieler bei der Podiumsdiskussion „Sky Sport Impuls“ in München. „Er muss es vollenden. Er ist groß, er hat breite Schultern, er ist Weltmeister. Und jetzt muss er den Mut haben, es konzeptionell verständlich zu beschreiben – und dann muss er seine Inhalte verteidigen.”

Per Mertesacker
Per Mertesacker wird Sport-Geschäftsführer beim DFB.© Tom Weller/dpa | Tom Weller

In der Kombination mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp und Hannes Wolf, Sportdirektor für Nachwuchs und Entwicklung beim DFB, ist Sammer aber zuversichtlich. Klopp sei jemand, „der den Fußball ein Stück weit verändern will“, genauso wie Wolf „eine Etage weiter drunter“. Sammer lobte Mertesackers Sachlichkeit und Klarheit. „Ich bin sehr optimistisch, weil ich ihn als Persönlichkeit schätze.”

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Sammer selbst war von 2006 bis 2012 Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund und weiß, wie schwer es ist, sich im Verband durchzusetzen. „Die Verzweiflung ist in der Bezahlung mit drin”, meinte der Europameister von 1996. Mertesacker, Weltmeister von 2014, müsse sich „gnadenlos durchsetzen, und wenn er auf der Strecke bleibt, dann war er der Falsche“. mit dpa