Nach Olympia-Silber: Drei-Raum-Wohnung für Bärbel Struppert

Hundhaupten.  Bärbel Struppert musste verletzungsbedingt ihre sportliche Laufbahn früh abbrechen. Mit der DDR-Sprintstaffel gewann sie 1972 in München Silber.

Gut gelaunt präsentiert Bärbel Struppert die olympische Silbermedaille von 1972.

Gut gelaunt präsentiert Bärbel Struppert die olympische Silbermedaille von 1972.

Foto: Jens Lohse

Recht kurz war die leistungssportliche Laufbahn von Bärbel Struppert. Die heute 69-jährige Sprinterin musste ihre Karriere schon mit 24 Jahren beenden.

Ein Muskelfaserriss war nicht richtig verheilt und führte immer wieder zu Beschwerden und neuen Verletzungen.

Eine Olympia-Medaille holte die Leichtathletin aber trotzdem. 1972 in München stand die Jenenserin mit der 4 x 100-m-Staffel der DDR auf dem Siegerpodest. Zu Platz zwei reichte es für das favorisierte Quartett hinter den Sprinterinnen der BRD. Doppelolympiasiegerin Renate Stecher konnte sich als Schlussläuferin gegen Heide Rosendahl nicht durchsetzen.

„Wir waren trotzdem happy über den zweiten Platz. Es gab auch keine Vorwürfe von den anderen an Renate. Schließlich hatte sie schon sieben Läufe bis dahin in den Beinen, war wohl etwas müde. Silber war trotzdem ein schöner Erfolg“, sagt Bärbel Struppert, die damals gerade einmal 21 Jahre alt war.

Freilich waren die Ostdeutschen zuvor als Gold-Anwärter Nummer eins gehandelt worden. Noch im Halbfinale hatte man in Europarekordzeit von 42,88 Sekunden die Gastgeberinnen hinter sich gelassen. Eine Wiederholung gelang Evelin Kaufer (SC Einheit Dresden), Christina Heinich (SC DHfK Leipzig), Bärbel Struppert und Renate Stecher (beide SC Motor Jena) allerdings nicht.

Duell mit Annegret Richter

Bärbel Struppert, die kurz vor den Olympischen Spielen im Mai Fußballer Gerd Struppert vom FC Carl Zeiss Jena geheiratet hatte, lief in der zweiten Kurve gegen Annegret Richter, die vier Jahre später in Montreal zur 100-m-Olympiasiegerin avancierte.

„Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wir sind fast gleichauf in Richtung Zielgerade gelaufen“, erinnert sich Bärbel Struppert, die in den Staffeln vor Olympia meist als Startläuferin agierte. Für München nahmen die verantwortlichen Trainer aber eine Umstellung vor. Ehemann Gerd verfolgte den entscheidenden Lauf in Lobeda gemeinsam mit dem Gatten von Renate Stecher.

Noch heute treffen sich die Sprinterinnen von damals bis auf Evelin Kaufer in regelmäßigen Abständen. Mit Brigitte Steinhardt, der damaligen Reservistin gehört noch eine dritte Jenaerin zum engeren Staffel-Kreis.

Von Olympia schwärmt Bärbel Struppert noch heute, die gemeinsam mit ihrem Ehemann schon seit vielen Jahren in Hundhaupten im nahen Geraer Umland wohnt.

„Die Eröffnungsfeier haben wir noch am Fernseher in der Sportschule Kienbaum verfolgt. Man hat uns darauf vorbereitet, von den Zuschauern vor Ort bei den Wettkämpfen ausgebuht und angefeindet zu werden. Das war aber nicht so. Es herrschte eine sehr gastfreundliche Atmosphäre auf allen Ebenen“, weiß die 69-Jährige.

„Wir waren auch nicht eingesperrt, konnten uns in der bayerischen Metropole frei bewegen. Die olympischen Dörfer waren allerdings nach Männern und Frauen geteilt. Theater, Mensa, Kino waren allesamt im Männer-Dorf, so dass wir zwar dorthin, die Männer aber nicht zu uns durften“, erzählt die Jenaerin, als wäre es gestern gewesen.

Unter Trainer Horst-Dieter Hille hatte die Junioren-Europameisterin von 1966 ebenfalls mit der Staffel eine tolle Entwicklung genommen. In 11,1 Sekunden war sie 1972 in Potsdam persönliche Bestleistung gelaufen.

Zur Belohnung für Olympia-Silber gab es den Schlüssel für eine Drei-Raum-Wohnung und eine neue Waschmaschine. „Ohne Kind eine solch große Wohnung zu bekommen, das war zu dieser Zeit in der DDR eigentlich nicht möglich“, so Bärbel Struppert, die später als Zuschauerin noch zweimal bei Olympischen Spielen dabei war.

2004 war sie mit Tochter Anika nach Athen aufgebrochen und hatte dort unter anderem Wettkämpfe im Reiten, im Handball und natürlich in der Leichtathletik verfolgt. 2012 in London war es nicht möglich, noch Eintrittskarten zu ergattern. „Also konnten wir nur Wettbewerben wie dem Marathon beiwohnen, die quasi in der Öffentlichkeit stattfanden. Olympia hat mich nie losgelassen. Das ist eine Wahnsinnsatmosphäre, kaum zu beschreiben“, schwärmt Bärbel Struppert, die 1974 nach vielen Länderkampf-Teilnahmen in der Halle und im Freien mit dem Leistungssport aufhören musste.

Zur Leichtathletik war sie erst in der sechsten Klasse gekommen. 1962 wechselte sie an die Kinder- und Jugendsportschule nach Bad Blankenburg, legte dort auch ihr Abitur ab. Vorher war sie Turnerin gewesen.

Zur Sportschule nach Bad Blankenburg

Als sie bei einem Schulsportfest gesichtet wurde, lud ein Trainer Bärbel Struppert zum Test ein. „Mitten im Schuljahr binnen zwei Wochen ging es auf die Sportschule. Ich war von der Idee begeistert und konnte meine Eltern davon überzeugen. Dann bin ich immer zwischen dem Jenaer Paradies-Bahnhof mit dem Zug und Bad Blankenburg gependelt. Leicht war das nicht, aber ich wollte etwas erreichen“, sagt sie.

1975 folgte Bärbel Struppert ihrem Ehemann Gerd nach Gera, der als Fußballer bei Wismut angeheuert hatte. Alfred Zelt holte sie zum DTSB-Kreisvorstand.

„Das war das Beste, was mir nach meiner Laufbahn passieren konnte. Erst bin ich noch gependelt. Dann haben wir in Lusan eine Wohnung bekommen und sind in Gera heimisch geworden“, weiß die Ex-Sprinterin noch, die noch 1975 auch als Leichtathletik-Übungsleiterin in Gera begann.

Den Kontakt zum Sport hat Bärbel Struppert nie verloren. Noch heute leitet sie die Senioren-Sportgruppe des Lusaner SC 1980, die sie vor zehn Jahren selbst ins Leben gerufen hatte.

In dieser Serie stellen wir Olympiateilnehmer unserer Region vor