Lothar Kurbjuweit geht es gut. „Dem Alter und den Umständen entsprechend“, sagt er und lacht. Seinen 75. Geburtstag an diesem Donnerstag feiert er mit der Familie zu Hause in Berlin. Seit neun Jahren lebt er in Pankow, hält sich mit Radtouren und Golf spielen fit. Drei seiner vier Enkel spielen Fußball, „da bin ich auf den Berliner Fußballplätzen unterwegs.“
Tobias Kurbjuweit trainiert die Hertha-Fußballerinnen
Sein Sohn Tobias trainiert die Hertha-Fußballerinnen, die in der Regionalliga spielen. „Und da geht es gegen den FC Carl Zeiss Jena zwei, das ist doch mal eine Ansage“, meint er und der Bezug nach Thüringen ist hergestellt. 1970 war Lothar Kurbjuweit von der BSG Stahl Riesa nach Jena gekommen. „Dass mich der FC Carl Zeiss haben wollte, war schon etwas Besonderes. Zu der Zeit wären alle Nationalspieler zu Fuß nach Jena gelaufen, um hier zu spielen“, sagt er.
In der Mannschaft standen zwölf Nationalspieler. Georg Buschner war Trainer des Clubs wie auch der Nationalmannschaft. Doch der Neue in Jena fragte sich zunächst: „Was mache ich eigentlich hier?“ Buschner gab die Antwort: „Du spielst hier ein Jahr in jedem Spiel und danach entscheiden wir.“ Eine gute Lösung. „Lothar war eine Kämpfernatur, ein Spieler mit eisernen Nerven und hellem Köpfchen“, urteilte Buschner später über ihn.

Mit Manschette und einigen Mullbinden
Kämpfer Kurbjuweit. Wer hätte schon mit einer genagelten Hand gespielt? Auf einem Auswahllehrgang in den 70er-Jahren passierte es. Die Feldspieler mussten auch mal ins Tor. „Ich habe es in meinem jugendlichen Leichtsinn getan, habe einen Ball wegfausten wollen und mir das Kahnbein gebrochen.“ Die Operation erfolgte in Eisenberg, ein Nagel wurde eingesetzt. Mit einer klobigen Manschette und jeder Menge Mullbinden darüber, es durfte ja keiner wissen, was passiert war, lief er über ein halbes Jahr auf den Rasen.
EC-Finale größter Erfolg und größte Niederlage
Lothar Kurbjuweit hat mit Jena und der Nationalmannschaft ein herausragendes Fußballkapitel mitgeschrieben, er war Olympiadritter 1972 in München, Olympiasieger 1976 in Montreal, er spielte bei der WM 1974, erlebte mit dem Finale im Europacup der Pokalsieger gegen Tiflis (1:2) den größten Erfolg der Jenaer Vereinsgeschichte – und zugleich die größte Niederlage. „Die Chance, Europacupsieger zu werden, bekommst du nur einmal.“ Inzwischen sei er ein paar Mal in Georgien gewesen und hat erfahren, „wie man dort mit diesem Finalspiel dort umgeht und was wir aus der Hand gegeben haben.“

Torerfolg im Europapokal bei Real Madrid
In der Spielzeit danach spielten die Jenaer im Europapokal 2:3 bei Real Madrid, das Rückspiel ging 0:0 aus. „Wir hatten Real im Griff. Wir haben einfach nicht das 1:0 gemacht. Unglaublich, wo wir als FC Carl Zeiss mal waren, gegen wen wir gespielt haben“, sagt er. Später als junger Trainer übernahm er den FC Carl Zeiss, einmal Platz drei und das Pokalfinale 1988 fallen in diese Zeit.
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Als Trainer mit Rot-Weiß Erfurt im Europapokal
1989 dann die Entlassung. Kurbjuweit folgte einem Angebot aus Erfurt, rückte zum Cheftrainer auf und erreichte mit dem FC Rot-Weiß in der letzten Oberligasaison Platz drei und damit die Qualifikation für die 2. Bundesliga und den Uefa-Cup. Doch, wie konnte es anders sein: Kurbjuweit landete danach wieder in Jena. Er hat beim FC Carl Zeiss zwar nicht alles, aber vieles gemacht, er war Präsident, sportlicher Leiter und auch wieder Trainer. Als er gebraucht wurde, sagte er niemals nein. Das 5:0 im Landespokalfinale gegen den FC Rot-Weiß Erfurt im Mai 2014 wird den Zeiss-Fans in Erinnerung bleiben. Als Scout blieb er dem Verein danach erhalten. Und denkt er an Jena, dann freut er sich über die neue Arena und hofft, dass der Aufstieg, zumindest in die 3. Liga gelingt.






