Alles auf null: Hürdensprinter Fleischhauer will in Thüringen an seine alten Zeiten anknüpfen

400-Meter-Hürdenläufer Georg Fleischhauer unternimmt bei Trainer Falk Balzer in Bad Lobenstein einen neuen Anlauf.

Georg Fleischhauer, WM-Halbfinalist über 400 m Hürden von 2011, trainiert seit drei Wochen in Bad Lobenstein bei Falk Balzer. Der 30 Jahre alte Dresdner will an seine alten Zeiten anknüpfen.

Georg Fleischhauer, WM-Halbfinalist über 400 m Hürden von 2011, trainiert seit drei Wochen in Bad Lobenstein bei Falk Balzer. Der 30 Jahre alte Dresdner will an seine alten Zeiten anknüpfen.

Foto: Andreas Rabel

Ihr neuer Trainer Falk Balzer hat in seiner flapsigen Art gemeint, der Georg, der ist so ein Kerl, da muss doch was gehen.

Ging ja auch schon. Und da will ich wieder hin, dran will ich anknüpfen. Meine Bestzeit steht bei 48,72 Sekunden aus dem Jahr 2011.

Doch in den vergangenen zwei, drei Jahren ging es nicht mehr vorwärts.

Überhaupt nicht. Ich bin extra von Dresden nach Frankfurt gewechselt, habe beim Bundestrainer Volker Beck trainiert.

Der gebürtige Nordhäuser war 1980 Olympiasieger über die lange Hürde ....

... wir sind super klargekommen, aber leider hat es irgendwie nicht funktioniert. Ich bin nicht vorwärts gekommen, habe mich nicht verbessert, habe viel trainiert, fühlte mich müde und war in dieser Saison weit weg von einer Qualifikation für die Leichtathletik-EM in Berlin

Im Olympiastadion waren Sie dennoch.

Ja, aber nur auf der Tribüne. Meine Arbeitskollegen hatten den Besuch im Olympiastadion mit dem jährlich stattfindenden Teamevent verbunden, wollten mich eigentlich laufen sehen, doch ich hatte die Qualifikation für die EM verpasst.

Wo arbeiten Sie?

Ich bin Wirtschaftsingenieur, habe nach meinem Studium bei der Firma PWC in der Beratung angefangen – für zwanzig Stunden die Woche. Da bin da sehr flexibel, bleibe von Montag bis Donnerstag in Bad Lobenstein, um zu trainieren. Freitag habe ich meinen Bürotag und am Sonnabend trainiere ich für mich.

Wie war Ihnen zumute beim Zuschauen in Berlin?

Meinen Kollegen hat es gefallen . Das war ja auch Leichtathletik vom Feinsten, wo hast du so etwas sonst noch in Deutschland. Aber das Ding ist. Ich hab mich so geärgert, dass ich nicht unten auf der Bahn stand und wie 2011 bei der WM oder 2012 bei der EM. Da habe ich gemerkt, das Feuer für den Sport ist noch da. Aber mir war auch klar, ich muss mit 30 was ändern, alles auf null setzen und einen neuen Anlauf. Ich habe mich mit meinem Trainer zusammen gesetzt und er hat mir gesagt, er habe für alles Verständnis, wenn ich nach der langen Durststrecke aufhöre, würde er das verstehen und wenn ich einen neuen Anlauf wage, dann begrüßt er das und unterstützt mich. Das fand ich sehr korrekt, wir verstehen uns nach wie vor gut.

Da kam dann der Falk Balzer, früher ein Top-Hürdensprinter, ins Spiel.

Wenn man so will. Wir kennen uns über die Jahre, habe verfolgt wie er Zuzana Hejnova in kurzer Zeit in Form gebracht hat. Ich bin jetzt die dritte Woche zum Training in Bad Lobenstein und merke schon, da wird anders trainiert, da werden neue Reize gesetzt. Ich habe ja über viele Jahre hart trainiert, aber irgendwie doch immer nach dem gleichen Schema.

Da schleichen sich Dinge ein, die nicht gut sind für die Leistungsentwicklung, der Körper duckt sich ab, ohne dass man es merkt, begibt sich in die Komfortzone.

Ja, so ungefähr. Ich komme ja aus dem Sprintbereich, vom Hürdensprint, habe eine gute Technik. Da ist einiges liegen geblieben. Wir machen in Bad Lobenstein vom Umfang her weniger, aber dafür viel intensiver. Der Körper wehrt sich gegen Neues, so ist er gebaut, doch da muss ich drüber über diese Schwelle, auch wenn es weh tut. Wir müssen meinen Körper wieder wecken, in Gang bringen, es geht um die Sauerstoffaufnahme, um Stoffwechselvorgänge. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, deshalb ist die Hallensaison nicht der Gradmesser, doch in der Freiluftsaison möchte ich wieder angreifen, an alte Zeiten anknüpfen.

Falk Balzer, 44 Jahre, Trainer A-Lizenz, geboren in Leipzig, früher Hürdensprinter, Erfolge: EM-Zweiter 1998 über 110 m Hürden, Hallen-WM-Dritter 1999 über 60 m Hürden. Verein: TuS Jena, Falk Balzer wurde von seiner Mutter Karin Balzer trainiert, die 1964 in Tokio Olympiasiegerin im Hürdensprint war.