Marcel Kittel über Lieblingsstrecke und Hungerast

Peter Scholz
| Lesedauer: 4 Minuten
Der ehemalige Rad-Profi Marcel Kittel am Bachdenkmal in Arnstadt. Von seiner Geburtsstadt aus testete der 32-Jährige im vergangenen Jahr eine Rundtour durch den Thüringer Wald.

Der ehemalige Rad-Profi Marcel Kittel am Bachdenkmal in Arnstadt. Von seiner Geburtsstadt aus testete der 32-Jährige im vergangenen Jahr eine Rundtour durch den Thüringer Wald.

Foto: Adrian Seeber

Arnstadt.  Der ehemalige Radprofi stellt jetzt in einem Rad-Fachmagazin ein knappes Dutzend Radtouren in Mittelthüringen vor.

Näher dran geht fast nicht: Das Elternhaus von Marcel Kittel steht in Ichtershausen direkt am Gera-Radweg. Da ist es fast nicht verwunderlich, dass der heute 32-Jährige so gut wie nicht am Radfahren vorbeikam. Dass daraus eine überaus erfolgreiche sportliche Karriere auf dem Rad wurde, liegt dabei auch an Thüringen, am Thüringer Wald. Und daran erinnerte sich der vierfache Etappensieger bei der Tour de France wohl auch, als er vom Regionalverbund Thüringer Wald und dem Rad-Fachmagazin „Rennrad“ angesprochen wurde, ob er nicht den Freistaat als Radfahr-Mekka mit vorstellen wolle.

„Der Thüringer Wald war mein Haupttrainingsgebiet, wenn es um schwere Trainingseinheiten ging. Generell hat man hier alle Möglichkeiten, wenn man zwischen Arnstadt und Erfurt wohnt. Ich konnte flach und bergig trainieren, so wie ich es gerade brauchte“, wird er in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift zitiert. Beim Training auf die entsprechenden Höhenmeter zu kommen, sei nie das Problem gewesen, erinnert sich der Ex-Radstar, der beim RSV Arnstadt groß wurde.

Großes Wiedersehen in der Heimat

Und so musste auch Adrian Seeber vom Regionalverbund nicht lange um die Unterstützung bitten: „Er hatte und hat immer noch sehr enge Verbindungen zu Thüringen“, sagt Seeber. Und so traf man sich im vergangenen Herbst zu einer zweitägigen Tour, startete in Arnstadt und fuhr Richtung Rennsteigregion.

Dabei war der Aufenthalt in seiner Heimat – der Ex-Profi wohnt bekanntlich am Bodensee in der Schweiz – und der Start in Arnstadt wie ein großes Wiedersehen: „Am Marktplatz in Arnstadt, am Bachdenkmal, war damals gerade Markttag“, erzählt Seeber. Dort wurde Kittel gefühlt von der ganzen Stadt angesprochen, erzählt der Vertreter des Regionalverbundes, dem vor allem die sehr entspannte Tour und die sehr angenehme Art von Marcel Kittel in Erinnerung blieb: „Er ist durch und durch ein Sympathieträger“, spart er auch Monate nach dem Treffen nicht mit Lob.

Dabei war Kittel für den Regionalverbund trotz der bisherigen umfangreichen Zusammenarbeit mit Thüringer Spitzensportlern doch so etwas wie eine Premiere für den Tourismusverband: „Er war unser erster Sommersportler, mit dem wir so zusammengearbeitet haben“, sagt Seeber. Bisher lag der Fokus auf Wintersportlern, machten für den Freistaat beispielsweise Biathlet Erik Lesser, die Rennrodler Toni Eggert und Sascha Benecken oder auch Bobfahrer Alexander Rödiger Werbung.

Ein knappes Dutzend Touren

Jetzt also Kittel, der den Freistaat als perfektes Terrain für Rennrad-, aber auch Gravel-Bike-Fahrer bezeichnete. Beide Fahrradtypen zielen dabei auf den sportlich affinen Akteure ab, wobei zahlreiche Radwege als perfekte Zubringer für die ruhigeren Straßen im Thüringer Wald dienen können. Mehr noch: Es gibt fast ein Dutzend Rundtouren, die Marcel Kittel in der mehrseitigen Reportage ganz konkret beschreibt und bewertet. Klar, es gibt den Rennsteig-Radweg, aber eben auch die Tour um die Ohratalsperre („Die Straße hinauf nach Oberhof ist meine Lieblingsstrecke.“), die Bach-Goethe-Tour von Arnstadt nach Ilmenau und zurück („Diese Strecke kann man mit dem Rennrad sehr zügig zurücklegen.“) oder auch von der Ilm an den Rennsteig („Eine dicke Portion Rennsteig mit einigen Höhenmetern.“). Es geht aber auch von und nach Oberhof über die steilste Straße Thüringens in Deesbach („Für diese lange Bergstrecke sollte man sehr fit sein.“) oder über „Die großen Drei“, eine Rundtour über Oberhof, Schmalkalden, Ruhla, Bad Tabarz, den Inselsberg, Friedrichroda zurück nach Oberhof („Einen Hungerast sollte man nicht riskieren, sonst wird es schwer auf dem Weg zur Wegscheide.“). Die Distanzen liegen dabei zwischen 39 und 198 Kilometern.

Bereits im Jahr 2019 präsentierte der Tourismusverband den Freistaat als Radfahrerland, „aber wir haben danach immer überlegt, was wir konkret für Routen empfehlen können“, erinnert sich Adrian Seeber. Jetzt hat man mit dem Botschafter der Deutschland-Tour den perfekten Präsentator gefunden. „Es ist ein großes Pfund, mit dem wir wuchern können“, weiß der Tourismus-Experte.