Marcel Kittel: Etappen einer Karriere

Erfurt  Von Arnstadt auf den Champs Élysées: Der Weg des Thüringer Radprofis Marcel Kittel zum vierzehnfachen Etappensieger der Tour de France.

Ausflug ins Grüne: Marcel Kittel bejubelt in Bergerac seinen Triumph auf der 10. Etappe der Tour de France 2017. Seit jenem Tag ist er deutscher Rekord-Etappensieger.

Ausflug ins Grüne: Marcel Kittel bejubelt in Bergerac seinen Triumph auf der 10. Etappe der Tour de France 2017. Seit jenem Tag ist er deutscher Rekord-Etappensieger.

Foto: Christophe Ena/dpa

Der Sport steckt in seinen Genen. Mutter Elke eine talentierte Hochspringerin, Vater Matthias ein sehr passabler Sprinter auf dem Rad. Da überrascht der sportliche Weg von Sohn Marcel nicht. Bis zu seinem 13. Lebensjahr trainierte er bei den Leichtathleten von Motor Arnstadt. Dann wollte der Junior bei einem Urlaub in den Bergen unbedingt ein Rennrad haben. Nach seiner ersten 30-Kilometer-Ausfahrt im Sattel stand für ihn fest: Das ist mein Sport.

Er wechselte von Motor zum RSV Adler Arnstadt, fuhr dort unter Erwin Erdmann seine ersten Erfolge ein – bei kleinen Kriterien, bei Thüringer Meisterschaften. Nach dem Wechsel auf das Sportgymnasium in Erfurt ging es steil bergauf. 2005, mit gerade 17, streifte er sich das Regenbogentrikot des Junioren-Weltmeisters über. Ein Jahr später wiederholte er diesen Erfolg, für ihn bis heute der schönste Moment.

Traumjahr 2011

Im Thüringer Energie Team sammelte der Arnstädter dann die entscheidenden Erfahrungen auf dem Weg zum Profi.

Ab der Saison 2011 fuhr Kittel für das Team Skil-Shimano – eine Debütsaison der Superlative! Nach dem Gesamttriumph bei der Delta Tour Zeeland und vier Etappensiegen bei der Po­len-Rundfahrt feierte er schließlich bei der Vuelta seinen ersten Etappensieg bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt.

Am Ende der Saison standen sage und schreibe 17 Siege zu Buche, womit der Thüringer hinter dem Belgier Philippe Gilbert der Fahrer mit den zweitmeisten Siegen des Jahres wurde. Und nicht nur das. Sein Traumjahr 2011 war zugleich die erfolgreichste Saison eines Neuprofis in der Geschichte des Radsports.

Sieg auf den Champs-Élysées

Nur zwei Jahre später schrieb Kittel das erste Kapitel seines ganz persönlichen Frankreich-Märchens – mit den ersten vier Etappensiegen auf der großen Schleife. Dass ihm dabei auch der Triumph bei der prestigeträchtigen Schlussankunft in Paris gelang, berührt ihn besonders: „Ein Sieg auf den Champs-Élysées ist der absolute Wahnsinn. Ein Traum war für mich in Erfüllung gegangen.“

Ein Gänsehautmoment, den er 2014 tatsächlich wiederholen konnte. Wieder vier Etappensiege bei der Tour, wieder war Paris dabei. Ein Jahr später die Enttäuschung. Nach einer hartnäckigen Virus-Erkrankung und der zu frühen Rückkehr in den Rennsattel kam er nicht in Schwung. Sein Team Giant-Alpecin nominierte ihn nicht für die Tour. Im Oktober wurde der Vertrag einvernehmlich aufgelöst.

2016, jetzt für die Farben von Etixx-Quick Step startend, gewann Kittel zum vierten Mal den Scheldeprijs, was ihn vor keinem Geringeren als dem britischen Kraftpaket Mark Cavendish zum Rekordhalter dieses Rennens stempelte.

„il bello in rosa“

Kurz darauf gewann der Thüringer erneut zwei Etappen des Giro und übernahm damit das Maglia Rosa, das rosa Trikot des Gesamtführenden. Italiens Presse feierte ihn als „il bello in rosa“, den Schönen in Rosa.

2017 war sein Jahr. Erst räumte er erneut beim Scheldeprijs und bei der Dubai-Rundfahrt ab. Bei der Tour gewann er gleich die erste Etappe. Doch das war erst der Anfang. Mit fünf Tagessiegen stieg Kittel zum alleinigen deutschen Rekordhalter auf.

Ein ungebremster Höhenflug, dem der jähe Stopp folgte. Nach einem Sturz musste er als Träger des grünen Trikots aufgeben. Dann: Noch einmal ein Wechsel (zu Katusha), noch einmal zurück zur Tour. Doch 2018 ging der Seriensieger der Vorjahre leer aus, auf der 11. Etappe überschritt er die Karenzzeit.

In diesem Frühjahr schließlich Vertragsauflösung, Rennpause. Ein sportliches Sabbatical, das nun in ein Finale gemündet ist: das Ende einer großen Karriere.

Deutsche Etappensieger

Siege / Name:

  • 14 / Marcel Kittel
  • 12 / Erik Zabel
  • 11 / André Greipel
  • 8 / Rudi Altig
  • 7 / Jan Ullrich
  • 6 / Dietrich Thurau
  • 5 / Tony Martin
  • 3 / Olaf Ludwig
  • 2 / Stefan Schumacher (2008 bei der Tour positiv auf Epo getestet)
  • 2 / Jens Voigt
  • 2 / Rolf Gölz
  • 2 / Klaus-Peter Thaler
  • 2 / Rolf Wolfshohl
  • 2 / Otto Weckerling
  • 2 / Erich Bautz
  • 1 / John Degenkolb und zehn weitere Fahrer

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