„Es war ein bisschen wie zuhause auf dem Rennsteig, ich habe so viele bekannte Gesichter gesehen und mit Zielsprecher René Pfeuffer war auch die Stimme des Rennsteiglaufs zu hören“, freute sich Holger Sakuth im Ziel des Erfurter Nachtlaufs. Der 63-jährige Steuerberater aus Eisenach war einer von insgesamt rund 2000 Teilnehmern am Samstagabend auf seiner Runde durch die Erfurter Altstadt. „Ich habe hier zehn Jahre gearbeitet, aber manche Stellen der abwechslungsreichen Strecke kannte ich noch nicht.“

So wie ihm ging es vielen Teilnehmern, die Stimmung und Atmosphäre an der Strecke und im Ziel lobten. Der Erfurter Nachtlauf wurde erstmals in Regie des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins ausgerichtet. Der MTV Erfurt und der Skisportverein unterstützten mit Streckenposten, der USV stellte die Radbegleiter. Die hatten gut zu tun, um den Spitzenläufern einen Weg durch die vielen Besucher in der Innenstadt zu bahnen. Besonders rund um die Krämerbrücke und den Fischmarkt wurde es auf dem 5,3 Kilometer langen Rundkurs eng.

„Letztlich klappte alles bestens“, schätzte Gesamtleiter Christopher Gellert ein, der sich besonders über das Engagement der Helfer der beteiligten Vereine freute. „Die waren alle mit Herzblut dabei.“ Auch Erfurts OB Andreas Horn war im Ziel des Lobes voll über die professionelle Zusammenarbeit der Organisatoren mit den Ämtern im Vorfeld der Veranstaltung.

Bräutigam bei Doppelstart Erster und Zweiter

Als Erste waren um 19 Uhr die Fünf-Kilometer-Läufer auf ihre Runde gestartet. Marcel Bräutigam sorgte in 16:43 Minuten für einen Gastgebersieg. Schnellste Frau war die Sömmerdaerin Elin Sachse, die nach 19:51 min die Ziellinie am Theaterplatz überquerte. Um 20 Uhr startete der Halbmarathon. Hier musste der Rundkurs insgesamt viermal durchlaufen werden. Der Leipziger Dominik Skandera setzte sich vom Start weg an die Spitze und gewann in 1:14:39 min mit großem Vorsprung von fünf Minuten auf den Bad Liebensteiner Leon Frank und den in Erfurt lebenden Italiener Carlo Poli. Der Sieger wäre normalerweise über die 10 km gestartet, wollte aber den beiden Rennsteiglaufsiegern ausweichen und meldete deshalb für die 21 km.

Erfurter Nachtlauf
Jubel beim SV Sömmerda: Elin Sachse gewann die 5 km der Frauen.© Theo Willing

Noch elf Sekunden vor dem zweitschnellsten Mann kam Gloria Herold in fabelhaften 1:19:30 min ins Ziel. Das 16-jährige Talent vom Erfurter LAC gewann mit mehr als zehn Minuten Vorsprung.

Zwischenzeitlich waren um 21 Uhr die Teilnehmer beim Zehn-Kilometer-Lauf gestartet. Dabei kam es zum erwarteten Duell von Halbmarathonspezialist Roman Freitag und Marcel Bräutigam. Der Erfurter Bauingenieur-Student Freitag setzte sich von Start weg etwas ab, hatte aber während des gesamten Rennens den 37-jährigen Polizeikommissar im Nacken. „Viel schneller wäre es wohl auf dem Kopfsteinpflaster der Altstadt nicht gegangen, da waren einige knifflige Stellen dabei“, sagte der Sieger im Ziel. 33:17 min waren angesichts des anspruchsvollen Kurses eine starke Zeit und auch Marcel Bräutigam, der 26 Sekunden danach die Ziellinie überquerte, war mit Platz zwei sehr zufrieden. Rang drei schnappte sich der Schmiedefelder Christoph Weigel, Präsidiumsmitglied des Rennsteiglaufvereins.

Ein Sieg geht in Erfurts Partnerstadt Mainz

Auch dessen Vizepräsident Uwe Albus wäre gern mitgelaufen, aber er hatte schon lange vor der Terminfestlegung die Feier zu seinem 50. Geburtstag geplant. Der laufverrückte Erfurter hatte aber dafür gesorgt, dass 21 seiner Gäste – darunter seine Schwester, die zum ersten Mal einem Wettkampf lief – beim Nachtlauf unter dem Teamnamen „Anjas Erster“ an den Start gingen.

Der Sieg über die 10 km bei den Frauen ging in Erfurts Partnerstadt Mainz. Elisabeth Schmidt gewann in 43:06 min vor Sina Müller vom ELAC (45:36 min). Für die ehemalige Studentin, die nach Beendigung ihres Studiums Erfurt verlässt, war es ein „schöner Abschluss und gelungener Abschied von meinem Studienort“.

Vielleicht kommt sie ja im nächsten Jahr wieder, denn darin waren sich der Oberbürgermeister und der Rennsteiglaufpräsident Jürgen Lange einig: Nach dem gelungenen und in relativ kurzer Zeit organisierten Erfurter Nachtlauf 2025 soll es im nächsten Jahr eine Neuauflage geben.

red