In einer Sache war sich André Bienek ziemlich sicher: „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, ich rechne nicht mit vielen Punkten“, prognostizierte der Trainer der RSB Thuringia Bulls vorm dem Achtelfinale im DRS-Pokal gegen den großen nationalen Rivalen RSV Lahn-Dill. Die Vergangenheit hatte ihn gelehrt, so zu denken, denn meistens traf genau das auf die Duelle der beiden dominierenden Teams im deutschen Rollstuhlbasketball zu. Außerdem hatte sich der Rekordmeister aus Wetzlar nach der letzten Saison deutlich verstärkt: Michael Paye kehrte als Spielertrainer zurück und zwei Kanadier kamen neu dazu, um dem Doublesieger aus Elxleben wieder besser Paroli zu bieten.

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Doch Bienek hatte die Rechnung ohne sein Team gemacht. Nach drei Kantersiegen zum Start der Bundesliga, wobei die Bulls zweimal die 100-Punkte-Marke knackten, machten sie genau da weiter. Von Augenhöhe keine Spur, schon das erste Viertel ging deutlich an die Gäste aus Thüringen (24:13). Offensiv enorm variabel und defensiv diszipliniert, ließen sie Lahn-Dill überhaupt nicht ins Spiel kommen. Nach 14 Minuten stand es 32:15, die beeindruckten Kommentatoren merkten an: „Lahn-Dill hat keine Idee, wie sie gegen dieses starke Team einen Fuß in die Tür kriegen sollen.“ Bekamen sie auch nicht, zur Pause war das vorweggenommene Finale, das diesmal schon als Achtelfinale gelost worden war, beim Stand von 50:23 für die Bulls vorentschieden.

Nur ein Punkt fehlt den Bulls zur historischen 100

So stand die zweite Halbzeit mehr unter der Frage: Würde der amtierende deutsche Meister und Pokalsieger dem Erzrivalen eine richtige Lehrstunde erteilen, die auch mental Spuren hinterlässt, und vielleicht sogar erneut die 100 Punkte knacken? Das dritte Viertel konnten die Hessen zumindest etwas ausgeglichener gestalten, auch weil die Gäste nicht mehr hundert Prozent geben mussten. Dennoch gewann das Bienek-Team auch diesen Spielabschnitt mit 20:17 und baute seinen Vorsprung auf 70:40 aus. Der Einzug ins Pokalviertelfinale war in trockenen Tüchern.

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Als die Bulls in den ersten drei Minuten im Schlussviertel elf Punkte erzielten, schien auch die 100er-Marke wieder möglich, die in diesem Duell noch nie geknackt wurde. Immer wieder spielten sie mit schnellen Passstafetten einen ihrer vielen guten Werfer frei. Es war im Duell der beiden besten deutschen Teams ein derartiger Klassenunterschied, wie es ihn in der langen Historie zwischen ihnen so noch nie gab. Viereinhalb Minuten vor Schluss versenkte Topscorer Alex Halouski (am Ende 35 Punkte) seinen vierten Dreier zum 88:47. Am Ende blieb Lahn-Dill mit 51:99 zumindest die dreistellige Schmach knapp erspart, weil Halouski mal einen Wurf nicht versenkte. Eine Demontage war es dennoch.