Besser hätte man es in einem Drehbuch kaum schreiben können. Platz eins in der Landesklasse, der mögliche Aufstieg in Thüringens Oberhaus steht kurz bevor und am Wochenende wird der Fußball in Walschleben 100 Jahre alt. Mit einem Festwochenende wartet der SV Empor auf.
Die aktuelle Situation ist das Ergebnis jahrelanger guter Arbeit, vor allem im Nachwuchs. Und einer Arbeit, die beweist, dass man in Walschleben stets auf dem Teppich geblieben ist.
Pudelwohl fühlt sich Lukas Mitulla
Stellvertretend dafür strahlte am Montagabend Lukas Mitulla über beide Ohren. Der Flügelflitzer, der beim 4:0-Sieg bei Erfurt Nord traf, ist ein Sinnbild des SV Empor Walschleben. Von klein auf trägt er das Empor-Trikot, hat alle Nachwuchsmannschaften durchlaufen und nie den Verein gewechselt.

„Das wird auch nicht passieren. Ich fühle mich hier pudelwohl. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass ich mit meinen Freunden Fußball spiele. Was kann es Besseres geben? Es ist zudem nicht selbstverständlich, dass alle Nachwuchsmannschaften besetzt sind und auch ich in meiner Jugend nichts überspringen musste“, beschreibt es der 26-Jährige. Mitulla hat sich mittlerweile zur festen Größe in der aktuellen Mannschaft etabliert. Stammspieler ist er und die Formkurve zeigt stetig nach oben.
Mit sieben Jahren kam er zu Empor. Der Klassiker: einfach mal mit Kumpels zum Fußball gehen. So war es vom ersten Tag an um ihn geschehen.
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Ihm an der Seite sitzt zum geschichtlichen Gespräch Gerhard Gutwasser. Ein Urgestein des Walschleber Fußballs. Der heute 73-Jährige ist ebenfalls ein Mann der wahren Treue. Sein gesamtes Leben war er für den Fußball in dem kleinen Dörfchen am Rande von Erfurt aktiv. Zunächst als Spieler, dann als Trainer und schließlich als Vorsitzender. Stolze 30 Jahre führte er die Geschicke bei Empor, so lang wie kein anderer. Direkt nach der Wende, 1990, ging es für ihn los, ehe 2020 Schluss war. Heute ist er weiterhin auf dem Sportplatz zu finden, schaut sich die Spiele mehrerer Teams an und blickt mit viel Stolz auf die Vergangenheit und die Gegenwart.

„Dieser Verein hat eine große Bedeutung für mich und wird es immer haben. Die heutige Zeit ist mit damals gar nicht zu vergleichen und die Jungs sind heute technisch alle viel besser und schneller. Die Bedingungen sind ganz andere. Außerdem trainieren schon die Kleinen zweimal pro Woche“, sagt er und beobachtet nebenbei eine Nachwuchsmannschaft, die gerade trainiert.
Er plaudert gerne aus dem Nähkästchen und erinnert sich noch gut an seine Anfänge. Wie aus der Pistole kommt die Antwort auf seinen ersten Tag bei der damaligen BSG in Walschleben. „Das war am 1. August 1963. Da war ich zehn Jahre alt. Im Gegensatz zu Lukas (Anm. d. R. Mitulla) bin ich nicht so freiwillig zum Fußball gegangen“, schmunzelt er. Sein auch heute noch drei Jahre älterer Freund Dieter Bärwolf habe ihn auf der Straße angesprochen: „Gerhard, morgen geht’s zum Fußballtraining – ohne Widerrede.“ Und auf Dieter Bärwolf wurde schon damals gehört.

Verein geht aus einem Turnverein hervor
Auf die Frage, welches einschneidende fußballerische Erlebnis er in seiner Karriere erlebt hat, hat der ehemalige Vorsitzende eine schnelle Antwort: „Das war der Aufstieg in die Bezirksliga 1977. Wir waren punktgleich mit Mühlhausen, aber um ein Tor besser. Da war was los.“
Dieses mannschaftliche Gefüge hier ist bemerkenswert
Lukas Mitulla, Spieler in Walschleben, über den Zusammenhalt beim SV Empor
Diese Frage kann Mitulla selbst aber nicht 100-prozentig beantworten. Der Aufstieg aus der Kreisoberliga, auch wenn dieser aufgrund der Corona-Krise mit einer abgebrochenen Saison und ohne Meisterfeier vonstatten ging, sei aber solch ein Moment gewesen. „Oder eben das gute Gefühl, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Tag für Tag. Es ist so bemerkenswert, dass hier keiner auf den anderen neidisch oder missgünstig ist. Das hat sich von Beginn an so durchgezogen und zeigt, was wir hier für ein mannschaftliches Gefüge haben“, schwärmt Mitulla vom Zusammenhalt.

Auch wenn schon vor 1926 in Walschleben Sport getrieben und ein Turnverein gegründet wurde, ging es nach Recherchen eben vor 100 Jahren mit der Sportart Nummer eins los.
Im Jahre 1948 wurde der Sportverein Vorwärts Walschleben aufgelöst. Von da an sollte der Verein „Fortuna Walschleben“ heißen. Aber es kam erneut anders und plötzlich wurde die BSG Empor Walschleben gegründet. Dazu gehörten Fußball, Handball, Leichtathletik, Pferdesport, Radsport sowie Wintersport. Bis zur Wende hieß der Verein so. Dann, 1990, wurde aus der BSG ein SV.
Zweimal Kreismeister in den 50er- und 60er Jahren
Den ersten großen Meilenstein schaffte Walschleben 1954 als Kreismeister Erfurt-Land. Die dazugehörigen Aufstiegsspiele aber wurden nicht geschafft. 1966 gelang als erneuter Kreismeister der Aufstieg in die Bezirksklasse. Den größten Erfolg gab es aber 1977, als Empor in die dritthöchste Liga, die Bezirksliga, aufstieg.
Für Gutwasser hatte Walschleben immer einen entscheidenden Vorteil: „Die Stärke in Walschleben war schon immer das Traineramt. Alle haben wir über Jahrzehnte einen hervorragenden Job gemacht. Das hat sich herumgesprochen, Jahr für Jahr.“ So kam es auch, dass die Spielerdichte immer dicker wurde und Walschleben sich um Nachwuchs kaum Sorgen machen musste.

Disco am Samstagabend
Am Wochenende soll nun das Erlebte groß gefeiert werden. Los geht es am Feiertag, dem 1. Mai, mit dem Ligaspiel gegen Borntal Erfurt. Direkt danach wird es ein „Empor-Klassentreffen“ geben mit einem Freizeit-Legendenturnier. Am Wochenende folgen dann mehrere Nachwuchsspiele mit großem Rahmenprogramm und eine Disco sowie Schwelgen in Erinnerungen.




