Als Falk Strepkowski elf Jahre alt war, hatte er das, was man falsche Freunde nennt. „Aber dann kam Hans Obst und hat mich sozusagen von der Straße geholt“, erinnert er sich an den Moment, der sein Leben veränderte. Statt auf die schiefe Bahn zu geraten, holte ihn der langjährige Nachwuchstrainer des FC Borntal Erfurt in den Verein.
Zwar wurde aus Strepkowski, den alle „Strippe“ nennen, nie ein großer Fußballer, aber er verlor sein Herz an den FC Borntal. Das blieb auch so, als er beruflich viel auf Montage musste und eine Weile weg war aus Erfurt. Als er zurückkam, suchte der Verein Helfer, die sich bei den Heimspielen engagieren. „Es gibt nicht viele, die am Wochenende zu den Spielen kommen, um ihrem Verein zu helfen“, sagt er. Aber für „Strippe“ war das Ehrensache, er wollte auch was zurückgeben für damals, als Hans Obst ihn beim Kicken ansprach.
Sein Ruf „Moin, ihr Luschen!“ darf nicht fehlen
So ist er seit Jahren der Mann für alle Fälle bei den Heimspielen der Borntaler Männer, kümmert sich um den Einlass, brät die Bratwürste, macht Ordnungsdienst, betreut die Spieler bei Verletzungen mit. Sein herzlich-rauer Ruf in die Kabine „Moin, ihr Luschen!“ kurz vor der Ansprache der Trainer gehört für die Spieler genauso zur Vorbereitung wie die Erwärmung. Auch nach dem Spiel ist er meistens noch lange dabei, wenn die Mannschaft gemeinsam ihre Siege oder Niederlagen begießt. „Strippe“ ist über die Jahre so etwas wie ihr Maskottchen geworden.
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Entsprechend einzigartig und emotional war für ihn der 25. April. An diesem Tag heiratete er seine Tzwetelina. Die verwitwete Bulgarin, die in Deutschland ein neues Glück suchen wollte, hatte er kennengelernt, als sie zusammen bei einer Großbäckerei in Leinefelde arbeiteten. „Sie hat mich drei, vier Monate abblitzen lassen, bis sie endlich mit mir einen Kaffee trinken gegangen ist“, erzählt der passionierte Karpfenangler von seinem geduldigen Werben, ehe sie sein größter Fang wurde. Sie zogen in Erfurt zusammen und schmiedeten Hochzeitspläne.
An der Feuerschale sitzen sie bis morgens um vier zusammen
Für ihn war klar: Die Feier machen wir in der Sportlerklause des FC Borntal, „hier fühle ich mich einfach zuhause“. Der Zufall wollte es, dass der vor Bekanntwerden des Spielplans ausgewählte Tag der Trauung mit einem Heimspiel seiner Borntaler zusammenfiel. So wurde es für den Frischvermählten der perfekte Tag: Sein Team gewann 4:1 gegen Großrudestedt und rief ihn nach dem Spiel zu sich, um ihren „Strippe“ zu ehren. Alle standen Spalier für ihn und ließen ihn hochleben, „obwohl ich 90 Kilo wiege“. Als die Mannschaft ihm auch noch einen großen Präsentkorb überreichte, kamen dem 51-Jährigen die Tränen. „Das war ein sehr bewegender Moment für mich.“

Auch er hatte zur Feier des Tages für „seine Jungs“ noch ein paar Kästen Bier in petto. Schließlich, als die eigentlichen Hochzeitsgäste größtenteils gegangen waren, ging die Feier mit der Mannschaft weiter. „Gegen eins haben wir ein paar Bänke und eine Feuerschale zusammengerückt und noch bis um vier zusammengesessen, bevor ich meinen ehelichen Pflichten nachgekommen bin“, erzählt der Mann mit dem grauen Zopf lachend.
Später, wenn er Rentner ist, möchte er mit seiner Frau nach Bulgarien ziehen. Einziger Wermutstropfen: Er ist dann nicht mehr bei jedem Heimspiel seines FC Borntal dabei. „Aber wenn ich in die Heimat reise, werde ich es so planen, dass ich ein Spiel sehen kann.“




