„Die Hölle von Q“ wartet. Für Philipp Widmann besitzt sie paradiesische Züge. Was Strapazen beim Triathlon in Quedlinburg am kommenden Sonntag verheißt, ist für den Triathleten aus Meiningen Musik in den Ohren und Spaß für die Beine. Mit höllisch anstrengenden Wegen zum Ziel kennt sich der 38-Jährige aus. Für einen wie den dreimaligen Hawaii-Teilnehmer fühlt sich der 38. Erfurt-Triathlon in Stotternheim wie ein Sprint an. Genossen hat er ihn trotz ungewohnt kurzer Strecken.
„Es ist ein schöner See. Die Wechselzone ist gut, die Stimmung auch. Weil es so viele Runden sind, passiert vom Schwimmen bis zum Lauf immer etwas. Man kann überall schauen. Einfach gut organisiert. Alles liegt dicht beieinander. Die kurzen Wege hat man sonst so nicht“, zählte Widmann am vergangenen Sonntag auf, was er am Triathlon des LTV Erfurt schätzt. Ein erfolgreiches Pflaster ist der Erfurt-Triathlon für den Langstreckenfan außerdem.

Angemeldet auf den letzten Drücker
Spät erst hat sich der in Südthüringen sesshaft gewordene Stuttgarter angemeldet. Einen Tag vor Online-Meldeschluss. Zu schnell für manchen Triathlon-Besucher im Strandbad Stotternheim lief er ins Ziel. Vor Altmeister Henry Beck (Team Weimarer Ingenieure) und dem Vereinskameraden Philip Morgenweck (TV Barchfeld) wiederholte er seinen Vorjahreserfolg über die olympische Distanz. In 1:58,45 Stunden war er nach 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometern auf dem Rad und 10 Kilometern Laufen mehr als eine Minute schneller als beim Streckenrekord im Vorjahr. Gerechnet hatte er damit nicht.
Lange Strecken und Extrem-Triathlons sind sein Metier. Beim Ironman Klagenfurt wurde er im Juni Zweiter seiner Altersklasse. Ungewohnt war das Tempo in Stotternheim.
Die Entscheidung fällt in der Wechselzone
„Ich hatte nicht gewusst, auf welchem Platz ich bin“, erzählte der Sieger. Zwei, drei Staffel-Läufer hatte er noch vor sich erwartet, nachdem er Henry Beck nach dessen starkem Schwimmen wie im Jahr zuvor eingeholt hatte. „Ich habe echt kämpfen müssen, dass ich herankomme“, sagte der Meininger. In der Wechselzone war es so weit.
Von Widmann überholt zu werden kratzte den langjährigen Profi trotz großen Siegeswillens kaum. Mit dem „Triathlon Alpe d’Huez“ erfüllte sich Beck Ende Juli einen großen Wunsch. Wie es ist, beim Erfurt-Triathlon zu gewinnen, das weiß der 41-Jährige ohnehin bestens. Vor 21 Jahren gewann er ihn zum ersten Mal, damals noch am Stausee Hohenfelden. Vier weitere Siege folgten dort.
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Emilia Görlichs erster Gesamtsieg
Für Emilia Görlich ist das Gefühl völlig neu gewesen. „Mein erster Gesamtsieg“, freute sie sich. Mit Goldglitter auf den Wangen als Inspiration und Gänsehaut im Nacken kam sie gut acht Minuten vor Anna-Lena Klee (Mellrichstadt) und Clara Kintzel (LTV Erfurt) ins Ziel. Die perfekte Einstimmung auf das große Highlight. Seit dem Herbst freut sie sich darauf. In drei Wochen geht es zur 70.3-Weltmeisterschaft nach Nizza.
Für die Studentin passte der Erfurt-Triathlon ebenso gut wie für Widmann vor der am Sonntag wartenden „Hölle von Q“ in die Vorbereitung. Für viele andere ist er Wettkampf-Herausforderung, Titelkampf und Treff von Jung und Alt zugleich. Das breit angelegte Event lieferte zudem den Beleg, dass Triathlon in Thüringen wächst. Mehr als 900 Anmeldungen lagen vor. Rund 850 Finisher-Medaillen wurden überreicht – so viele wie nie. Passend zum 40. Geburtstag.

Goldenes Finale in neuem Format
Die Premiere kam gut an – und vergoldete das Heimspiel für das Thüringer Regionalliga-Team der Frauen. Im letzten Wettkampf trumpften die Triathletinnen des LTV Erfurt am Sonntag groß auf. Muriel Oberländer als Schnellste im neuen Format sowie Siiri Kuntze (3.), Emi Hiegemann (6.) und Maja Gießmann (12.) setzten mit dem Tagessieg einen glänzenden Schlusspunkt hinter die Saison in der Regionalliga Ost. Dadurch kletterte die zweite Mannschaft des Thüringer Frauen-Teams in der Abschlusstabelle auf den zweiten Platz, punktgleich mit Cottbus, und erreichte nach dem Bronzeplatz im vergangenen Jahr ihr bestes Ergebnis.
Für die Männer vom „McDonalds 3athlon Team“ des LTV erzielte Christian Hossfeld als 13. vor Philipp Heinz (17.), Florian Mayer (19.) und Georg Arndt (38.) die beste Einzelplatzierung.
Probleme gab es bei der Auswertung der Zeiten. Doch die Abwandlung der Reihenfolge fand Anklang. Über ein Einzelzeitfahren bei Schwerborn ging es nach einer Pause im Stotternheimer Strandbad weiter. Anhand des Abstandes schloss sich ein spannender Swim&Run per Jagdstartmodus an. Über die Zeitmessmatte ging es Schlag für Schlag in den Kiessee.
„Es hat funktioniert“, freute sich Impulsgeberin Andrea Gießmann vom LTV, dass das ungewohnte Format bei den Sportlern ankam. Umso schöner war die am Ende silberne Zugabe. So erfolgreich waren die Thüringer Frauen in der Regionalliga noch nicht. Die erste Mannschaft kann als Vierte in der 1. Triathlon-Bundesliga die Saison in zwei Wochen in Hannover zusätzlich krönen.
Vom „A3K“ zum Massenevent
Am 16. August 1986 erlebte der Erfurter Ausdauerdreikampf „A3K“ am Nordstrand seine Premiere. Damals durfte er nicht Triathlon heißen. Drei Jahre später wurde der Begriff in der DDR anerkannt. Die drei guten Dinge waren für 181 Ausdauerfans damals 600 Meter Schwimmen, 51 Kilometer Radfahren und 15 Kilometer Laufen.
Rund 120 Starter versuchten sich 40 Jahre später allein über die olympische Distanz. Bei der 30. Ausgabe 2016 waren es rund 70. Gut 450 Finisher standen im Protokoll. Der Sprint war diesmal komplett ausgebucht. Mit Lisa-Sophie Richter (AC Apolda) und Johann Müller (Weimar) gingen die Sprint-Siege an Talente aus der A-Jugend.

Familien-Event: Stotternheim kommt gut an
Als Anlaufpunkt für Klein und Groß sieht Widmann den Erfurt-Triathlon. „Für Familien ist es ein schönes Event, wenn der Papa die große Distanz macht und der Kleine einen Schüler-Triathlon.“ Der LTV habe „auf jeden Fall ein gutes Event auf die Beine gestellt“.
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„Dass es den Erfurt-Triathlon schon so lange gibt, ist schon der Hammer“, sagte Dominik Neiss. Lob hörte der LTV-Präsident und Gesamtleiter gern. Die Organisation bedeutet stets einen Riesenaufwand. Rund 100 Helfer sicherten die Wettkämpfe vom Schüler-Rennen bis zu den Staffeln ab. Wenn die Resonanz der Sportler dann so gut ist wie auch in diesem Jahr, freut es den LTV-Chef umso mehr. Der Landespolizei dankte er besonders – sie sicherte die Radstrecke. Zu verbessern gibt es dennoch immer etwas: „Für die nächsten Jahre haben wir ein paar Ideen.“
Ende August 2027, so der Wunsch, wird der 39. Erfurt-Triathlon in Stotternheim steigen. Vielleicht erneut auch mit Philipp Widmann. Aller guten Dinge sind drei. Das gilt im Triathlon besonders. Für Siege erst recht.




