Kurz vor Viertel zehn explodiert die Ernestiner-Sporthalle in Gotha. Der FC Schüttorf ist im Angriff, der Schmetterball wird von Gotha geblockt und kommt zu Tim Wagner. Dieser spielt über das gesamte Spielfeld auf Ben Bierwisch, welcher den Ball mit voller Wucht auf das Parkett des Gegners donnert. 15:13, erster Matchball gleich verwandelt, Heimsieg Blue Volleys Gotha.
Rückspiel nächsten Sonntag 16 Uhr
Jetzt hält es niemanden mehr auf den Sitzen. Die Spieler samt Trainer rennen aufeinander zu und versammeln sich im Jubelkreis, während es auf den Zuschauerrängen niemanden mehr auf den Sitzen hält. Durch das 3:2 gegen starke Gäste haben die Blue Volleys in der Finalserie zur Meisterschaft in der 2. Volleyball-Bundesliga vorgelegt und gehen nun mit einem Vorteil in das Rückspiel, welches am nächsten Sonntag in Niedersachsen ausgetragen wird (16 Uhr).
Der finale Tiebreak ist für beide verdient. Gotha verschläft Satz eins und vier, rennt in diesen jeweils hohen Rückständen hinterher (0:7, 2:9), die nicht mehr aufgeholt werden können. Durchgang zwei und drei sind in überzeugender Manier, weil das Team von Robert Werner variantenreich agiert. So kommt ein 18:25, 25:20, 25:22 sowie 18:25 zustande, der Tiebreak muss über den Sieger entscheiden. Hier liegen die Hausherren 8:10 hinten, schaffen aber dank einer Dreierserie die Wende und können sich beim 13:13 die entscheidenden zwei Punkte absetzen.
Ich kann mich an kein anderes Spiel erinnern, wo wir so eine geile Atmosphäre hatten
Robert Werner
Ein Wahnsinn, der alle (positiven) Nerven kostet. „Das war halt ein echtes Finalspiel. Man hat gesehen, dass jeder in seinem Element ist. Die Stimmung war unglaublich, ich kann mich an kein anderes Spiel erinnern, wo wir so eine geile Atmosphäre haben“, sagt Werner nach dem Spiel. Das Ergebnis passt perfekt zum Abend und dem vorerst letzten Auftritt der Blue Volleys in eigener Halle, und ist dennoch nicht ungefährlich. Mindestens zwei Sätze müssen die Gothaer in Schüttorf gewinnen, um in den „Golden Set“ zu kommen. Verliert man 1:3 oder 0:3, ist die Meisterschaft futsch.

Werner weiß um die schwere, aber auch spannende Herausforderung. „Erstmal ist es ein Sieg, aber sicher ein wenig ärgerlich, dass wir im vierten Satz so schlecht reinstarten. Auf der anderen Seite muss man halt auch anerkennen, dass Schüttorf in den Sätzen, die sie gewonnen haben, phänomenal gut aufgeschlagen hat“, lobt er den Gegner.
Trio wird feierlich verabschiedet
Also heißt es nächsten Sonntag, nochmal alle Kräfte zu mobilisieren. Wie ernst der Verein die Begegnung nimmt, erklärt Präsident Marco Reimer. „Die Mannschaft fährt schon am Samstag hin, um ausgeruht ins Spiel zu gehen.“
Für Dominik Ducháč, Finn Jansen und Daniel Ridings wird es der letzte Auftritt im Gothaer Trikot sein. Das Trio wurde nach dem Spiel feierlich und mit großem Jubel verabschiedet – ein paar Tränen inklusive.



