Damit hatte in Nordhausen niemand gerechnet: Bei den Deutschen Meisterschaften der U15 im brandenburgischen Lindow holten die Nachwuchsboxer Eliyan Ivailov und Rayan Farris von der BSG Altstadt Gold und Bronze. Ein Deutscher Meistertitel geht somit in die Rolandstadt.

Die beiden 14-Jährigen sind mindestens viermal pro Woche in der Trainingshalle. Da ist ein 12-Stunden-Tag keine Seltenheit. Erst Schule, dann direkt zum Training und ab nach Hause. Da werden Hausaufgaben auch schon mal gerne bei Freunden zu Hause gemacht.

Lausbub Eliyan

Eliyan, der vor gut zehn Jahren aus Bulgarien nach Deutschland kam, wirkt entschlossen, fokussiert, aber auch wie ein kleiner Lausbub, der immer einen Spruch auf Lager hat. „So muss man sein, wenn man Titel holen möchte. Das ist alles vollkommen richtig so“, sagte sein Trainer Andreas Dietrich-Scherfling, der sich seit 43 Jahren dem Boxsport in Nordhausen widmet.

Neuer deutscher Meister im Boxen aus Nordhausen

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    Den deutschen Meistertitel habe sich der 14-Jährige verdient, und er stelle auch für den Trainer eine Besonderheit dar. „Von den 28 Titeln, die ich als Trainer mitgeholt habe, ist dieser was anderes. Denn es kam so unerwartet und es war eine so stabile Leistung. Unser Ziel war es, irgendwie eine Medaille zu holen. Bronze, das wär’s. Jetzt wurden es zwei Medaillen und ein nationaler Titel. Mehr geht eigentlich gar nicht“, kann es Andreas Dietrich-Scherfling noch immer kaum glauben.

    Mit dem Boxhandschuh über die Glatze

    Dabei hat Eliyan zu keiner Sekunde gezweifelt. Vor dem Kampf beobachtete Teamkollege Rayan, wie er mit dem Boxhandschuh über den Kopf, genauer gesagt die Glatze, seines Trainers streifte, und sagte: „Trainer, deutscher Meister, das holen wir uns!“ Seinem Gegner aus Baden-Württemberg ließ er keine Chance und gewann klar nach Punkten. Die drei Runden à 90 Sekunden gehörten dem Nordhäuser.

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    Handschuhe an und los geht’s: Das Boxen ist allgegenwärtig für die beiden. © Sebastian Fernschild

    „Ich wusste, dass ich es schaffe. So bin ich auch in den Kampf gegangen“, sagte Eliyan selbstbewusst und fügte über seinen Trainer an: „Er ist schon ein harter Kerl, aber auch ein echt guter.“ Für den Erfolg stehen er und seine Freunde, die es mittlerweile sind, bis zu fünfmal in der Woche in der Halle. Laufen gehört ebenso zu den Grundlagen und eine genau abgestimmte Ernährung. Viel Disziplin vorausgesetzt.

    Verdienst vom gesamten Verein

    Sein Teamkollege Rayan Farris, der vor elf Jahren aus dem Irak in die Rolandstadt kam, musste sich im Halbfinale geschlagen geben, holte dennoch überzeugend den dritten Platz, was sein Trainer ebenfalls als absolute Bestleistung heraushob.

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    „Das ist der Verdienst von uns allen im Verein. Angefangen bei meinem Trainerkollegen Mathias Scherfling, der allen Nachwuchsboxern vor Jahren die Basics mitgegeben hat. Ohne so etwas geht gar nichts“, gibt Dietrich-Scherfling das Lob gerne weiter.

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    Trainer Andreas Dietrich-Scherfling freut sich sehr für die beiden. © Sebastian Fernschild

    Dass die beiden Nachwuchstalente überhaupt bei den nationalen Titeln mitkämpfen konnten, stand lange nicht fest. Rayan war aufgrund seines Thüringer Meistertitels nahezu gesetzt, aber ein Kampf gegen den Sachsenmeister und eine weitere Sichtung durch einen Sportwart waren Pflicht. So auch für Eliyan, der „nur“ Vizelandesmeister war, es aber über die Sichtung dennoch schaffte.

    Neue Trainingsstätte ist neues Zuhause

    Insgesamt traten neun Thüringer bei den nationalen Kämpfen an – zwei davon kamen aus Nordhausen. Eine Quote, auf die Trainer Dietrich-Scherfling besonders stolz ist.

    Dass die Erfolge gerade jetzt kommen, ist kein Zufall: Der Verein kämpfte nicht nur im Ring, sondern auch für eine neue Trainingsstätte, und hat diese seit Oktober 2025 gefunden und fühlt sich mit seinen rund 40 Sportlern aus drei Trainingsgruppen sehr wohl. Ein schwerer Akt, wie Dietrich-Scherfling berichtete. Aber jetzt sind alle zufrieden, und was gute Voraussetzungen ausmachen, hat man jüngst beweisen können.

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    „Nun haben wir ein neues Zuhause. So können wir besser planen und arbeiten sicherer. Im Boxen ist der Kopf entscheidend und dafür muss alles drumherum stimmen“, weiß der erfahrene Trainer, der im Anschluss an das Gespräch mit sechs seiner Sportler sofort ins Training überging.