Der Handball-Landesligist SG Schnellmannshausen hat ein Wochenende erlebt, das sportlich wie organisatorisch für große Erleichterung sorgt. Zunächst verzichtete der Thüringer Handballverband (THV) auf den angedrohten Punktabzug wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls, wenig später legte die Mannschaft mit einem 23:21-Auswärtssieg beim HSV Apolda II nach. Trainer Jan Gesell kommentierte erfreut: „Damit sollte der Klassenerhalt jetzt endgültig sicher sein.“
Ein Landesliga-Trio zittert um Punkte
Dabei hätte sich die Lage im Tabellenkeller der Landesliga beinahe dramatisch zugespitzt. Neben Schnellmannshausen waren auch der Nordhäuser SV und die HSG Hörselgau/Waltershausen von möglichen Sanktionen betroffen. Punktabzüge und Geldstrafen standen im Raum – ein Szenario, das den Abstiegskampf im Saisonendspurt massiv durcheinandergewirbelt hätte. Doch der Verband ruderte inzwischen zurück.

THV-Präsident Stefan Scholz begründet die Entscheidung mit strukturellen Herausforderungen: „Wie viele andere Thüringer Sportfachverbände auch bildet der THV regelmäßig Schiedsrichter aus und weiter. Jedoch ist die Zahl der ausgebildeten und einsatzbereiten Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zu gering, um alle Spiele einer Saison so leiten zu lassen, wie sich das unsere Vereine und auch der Verband wünschen.“ Die Unterschiede zwischen den Vereinen seien dabei teils erheblich. Viele Spiele im Jugendbereich werden nur von einem Referee gepfiffen.
Auch interessant
Thüringer Handballverband setzt auf Solidarprinzip
Der Verband setzt auf das Solidarprinzip, so Scholz. Jeder Verein muss – abhängig von der Anzahl seiner gemeldeten Mannschaften – eine festgelegte Zahl an Schiedsrichtern stellen. Bei einem und zwei Teams auf Landesebene sind dies je zwei Referees, bei drei und vier Mannschaften jeweils vier Unparteiische. Wird dieses Soll unterschritten, werden Geldstrafen fällig, die wiederum vom Verband in Ausbildung und Förderung neuer Unparteiischer investiert werden. Bei wiederholten Verstößen sieht die Ordnung sogar Punktabzüge vor.

In der laufenden Saison 2025/2026 verzichtet der THV jedoch nach einstimmigem Präsidiumsbeschluss auf diese sportlichen Sanktionen. Die Geldstrafen, bei der SGS sind es 200 Euro, werden jedoch erhoben. „Sollten im nächsten Jahr Vereine erneut das Schiedsrichtersoll nicht erfüllen, wird die geltende Ordnung angewendet“, stellt Scholz klar – dann könnten Punktabzüge in der Saison 2026/2027 Realität werden.
Das grundlegende Problem bleibt zwar, jedoch hat der Verband mit dem „Schuss vor den Bug“ eine klare Botschaft formuliert: Quasi eine letzte Mahnung. Nun liegt es an den Vereinen, das Schiedsrichtermanko aktiv anzugehen.




