Lotta Hopfgarten aus Krautheim sorgt regelmäßig für ungläubige Blicke und die anschließende Frage nach dem Alter. Und wenn Mutter Sophie dann antwortet, folgt meist Verwunderung: „Was? Sie ist erst fünf Jahre alt?“ Das junge Mädchen aus Krautheim mischt seit diesem Jahr die Motocross-Szene in Deutschland auf und fährt als jüngste Thüringerin bei der Rennserie der Deutschen Jugendförderung Motorsport (DJFM) mit. In der Klasse 1 ist sie mit einer Husqvarna TC 50 Mini unterwegs.
„Im Normalfall wird sie immer schon älter geschätzt, vor allem, weil sie schon eine so saubere Technik hat. Das ist aber auch eine Sache, auf die wir und ihr Trainer großen Wert legen“, sagt Sophie Hopfgarten, die zusammen mit ihrem Mann Tommy nicht stolzer auf ihre Tochter sein könnte. Zum großen Teil fährt die Kleine gegen Jungs, lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Zu groß ist die Leidenschaft mittlerweile für den Motocross-Sport.
Im Nova Eventis bei Leipzig beginnt die Leidenschaft für den Motocross
Die Geschichte beginnt allerdings im Nova Eventis in Leipzig, wo die kleine Lotta, damals noch drei Jahre alt, in einem Spielzeug-Laden eine elektrische Motocross-Maschine entdeckte. „Sie konnte noch nicht mal richtig Fahrradfahren, war selbst auf dem Laufrad noch etwas unsicher. Doch die Elektro-Maschine schnappte sie sich, setzte sich drauf und fuhr problemlos durch die Gegend“, erzählen beide Eltern, mit einem Lachen und in Erinnerungen schwelgend. Tatsächlich fuhr auch Vater Tommy Hopfgarten früher Motocross bis zu einem schweren Unfall. Die Familie der Mutter hatte ebenfalls Motorsport im Blut – doch Lotta wusste von alldem freilich noch nichts.

Da die junge Krautheimerin nach dem Erlebnis in Leipzig wochenlang von nichts anderem mehr sprach, überlegten die Eltern hin und her, machten eine Pro- und Contra-Liste, ehe eine Entscheidung fiel. Zu ihrem vierten Geburtstag bekam Lotta ihr erstes eigenes Elektro-Bike, eine KTM Mini mit Zwei-Takt-Motor und 49 cm³ folgte nur wenig später. „Sie war kaum zu stoppen und zeigte schnell ein echtes Talent für den Sport“, sagt Mutter Sophie. Dies bestätigte auch ihr jetziger Trainer, Stefan Ludwig von der MX³ Offroad School. Zwei- bis dreimal pro Woche steht Technik-, Strecken- oder Theorie-Training auf dem Plan – von Flaggenkunde bis Maschinenverständnis.
Lotta hat ihre ganz eigene Trainingsstrecke in Leutenthal
Und weil die wenigen Strecken in Thüringen, die es für den ganz jungen Nachwuchs gibt, fast schon zu einfach sind, hat sich die Familie auf einem Grundstück des Opas in Leutenthal eine eigene Strecke gebaut. Auch sonst ist es erwartungsgemäß keine kostengünstige Sportart, wie Papa Tommy mit einem Lächeln zugibt: „Aber was macht man nicht alles fürs Kind.“ Mal abgesehen von den Rennmaschinen brauchte es auch ein größeres Auto, einen Wohnwagen und das nötige Equipment. „Wir haben Lotta alle Protektoren gekauft, die es gibt. Aber kürzlich ist sie das erste Mal richtig gestürzt. Da ist uns erst das Herz in die Hose gerutscht, aber glücklicherweise war es nur eine kleine Prellung. Der Helm im Wert von 200 Euro war trotzdem futsch“, erzählt Sophie Hopfgarten.
All das nehmen die Eltern aber gern in Kauf. Zu stolz ist man auf die Tochter, die bereits zu den vielversprechendsten Nachwuchs-Talenten im deutschen Offroad-Sport zählt. Um an den Rennen der DJFM teilnehmen zu können, ist sie beim MSC Hamma im Landkreis Nordhausen angemeldet und sicherte sich in dieser Saison schon mehrere Podestplätze. „Für Unterstützung durch Sponsoren wären wir natürlich trotzdem sehr dankbar“, sagt Sophie Hopfgarten. Das nächste Event der Rennserie steigt am 9. August in Triptis. Aufgrund der Nähe zum Heimatort wird dann auch jede Menge Familie vor Ort sein und Lotta sicherlich mit aller Kraft anfeuern.


