Sie hätten sich sogar unsterblich machen können. Die Männer des ThSV Eisenach konnten den THW Kiel vor dessen über 10.000 Fans zwar nicht besiegen, schrieben nach dem 30:30 (16:13) aber trotzdem Geschichte. Den ersten Auswärtspunkt in der Handball-Bundesliga beim Rekordmeister nannte Manager René Witte zu Recht „einen historischen Moment“. Und trotz der unglücklichen Schlussphase durften Thüringer am Ende eine Osterparty feiern. Dank einem festen Glauben, der in Kiel einfach Berge versetzte.
Dritte Punkteteilung des ThSV Eisenach in Folge
Es war die dritte Punkteteilung der Eisenacher in Folge (Rhein-Neckar Löwen, Leipzig, Kiel), die fünfte insgesamt. Was Moritz Ende vorm Dyn-Mikrofon grinsend zum Spruch verleitete: „Wir sind jetzt die Unentschieden-Macht“. Der sechsfache Torschütze war vor der Kamera letztlich glücklich mit dem zweiten Remis gegen THW, auch wenn Eisenach 100 Sekunden vor Schluss noch mit 30:27 geführt hatte. „Auch wenn wir zum Schluss einen Zähler verloren haben, bleibt der Punkt in Kiel eine Wahnsinnssache“, stellte Kapitän Peter Walz klar.
ThSV-Keeper Matija Spikic, der Kiel mit 15 Paraden zur Verzweiflung brachte, sagte über den Krimi zum Schluss: „In den letzten Spielminuten war Chaos angesagt. Bei uns wurde schnell auf passives Spiel entschieden. Wir kassierten in den letzten drei Minuten zwei Zeitstrafen und zwei Siebenmeter-Tore. Doch wir nahmen dem großen THW Kiel einen Punkt ab. Damit sind wir hoch zufrieden.“
„Der erste Auswärtszähler des ThSV Eisenach in Kiel überhaupt! Ein historischer Moment!
ThSV-Manager René Witte
Den THW erregte eine letztlich regelgerechte Entscheidung der Referees, die das 28:29 von Dahmke zurücknahmen. Bei einer Videoüberprüfung eines Kopf-Wischers von Eisenachs Walz, der dafür zwei Minuten bekam, entdeckten sie einen Schrittfehler des Passgebers Skipagötu.
Der ThSV hatte bis auf ein 7:7 (12.) die ganze Partie über einen Vorsprung verteidigt. „Wir haben unseren Matchplan gut umgesetzt, im Angriff geduldig auf die beste Wurfchance gewartet“, fand Max Beneke. Er und seine ThSV-Kollegen bewahrten, auch zum Schluss, immer die Ruhe. „Alles hat funktioniert. Wir haben das ganze Spiel kontrolliert“, meinte Rechtsaußen Ende. Einzig die von Kiels offensiver Abwehr häufig provozierten technischen Fehler verhinderten die Sensation der Eisenacher.

Trainer Sebastian Hinze agierte genauso cool wie sein Team, von dem er völlig begeistert war. „Wir haben 60 Minuten daran geglaubt, hier etwas holen zu können“, sagte der 46 Jahre alte Coach. „Wir sind mega-glücklich über den Punktgewinn. Wir haben eine sehr, sehr starke erste Halbzeit abgeliefert“, lobte Hinze Torhüter Spikic und die Abwehr nochmal ausdrücklich. Manager Witte meinte: „Wir sind stolz auf diesen Punkt. Dieser ist zugleich ein Beleg für die positive Entwicklung unserer Mannschaft. Ein Lob an unseren Coach, wie er seine Mannschaft eingestellt hat.“
Kiels Trainer Jicha rechnet mit Mannschaft ab
Auf der Gegenseite rechnete der unter Druck stehende THW-Coach Filip Jicha mit seiner Truppe regelrecht ab. „Das war nicht professionell. Das ist mit den Aussagen der Spieler nicht vereinbar. Dass Eisenach mit dem Glauben, hier was holen zu können, zu dieser Leistung kam, lag auch in unserer Verantwortung. Ich bin sauer. Das sind nicht die Werte, mit denen ich für diesen Verein gearbeitet habe und arbeite“, sagte der Tscheche, der seit 2019 den Verein trainiert und von 2007 bis 2015 an der Ostsee spielte.
Aktuelle Nachrichten zum ThSV Eisenach:
Der ThSV darf nun wieder in den Heimspielmodus schalten. Am kommenden Freitag (19 Uhr) wartet der TSV Hannover-Burgdorf in der Werner-Aßmann-Halle. „Wir müssen weiter einen klaren Kopf behalten“, findet Moritz Ende trotz Überraschungspunkt. In den nächsten zwei Partien gegen Hannover und beim Drittletzten in Minden (24. April) könnte Eisenach endgültig den Deckel im Kampf um den Klassenerhalt draufmachen. „Wir dürfen jetzt nicht nachlassen“, fordert Manager Witte von der „Unentschieden-Macht“ auch wieder Siege.





