Einen Wurf seines jüngeren Bruders Magnus Grupe musste Mats Grupe im erstmaligen „Bruderduell“ nicht halten. Ein kleiner Trost für den Keeper des ThSV Eisenach. Das heiterte den 23-Jährigen nach dem schmerzhaften 27:36 (15:18) gegen HBW Balingen-Weilstetten am Donnerstag aber kaum auf. Ein Teil der Familie aus dem heimatlichen Weinheim war da, Freunde waren in die Werner-Aßmann-Halle zum Duell „Grupe gegen Grupe“ in der Handball-Bundesliga gekommen. „Das ist ein bisschen blöd für mich gelaufen. Jetzt steht es 0:1“, sagte Mats Grupe und fügte kämpferisch an: „Aber es gibt ja noch ein Rückspiel. In Balingen holen wir uns hoffentlich die zwei Punkte zurück.“
Bis zum nächsten Familienduell vergehen mehrere Monate. Das Rückspiel zwischen dem stark gestarteten Erstliga-Aufsteiger und dem ThSV Eisenach steht für Mitte April im Spielplan. Eine Kampfansage schickte Eisenachs Torwart-Neuzugang derweil Richtung HSG Wetzlar. „Dort müssen wir ein anderes Gesicht zeigen“, sagte er mit Blick auf ein nächstes Schlüsselspiel am Montagabend (19 Uhr).

ThSV Eisenach steht früh unter Druck
Die SG Flensburg-Handewitt mit dem Eisenacher Mario Grgić legte mit dem dritten Sieg nach einem Offensiv-Spektakel gegen Erlangen (38:33) vor. Der THW Kiel zog nach und an Flensburg vorbei, ehe der SC Magdeburg beim 31:30 eine nächste Balinger Überraschung in der letzten Minute verhinderte. Am entgegengesetzten Pol steht der ThSV Eisenach zum Abschluss des dritten Spieltages unter Zugzwang. Als Schlusslicht in der Bundesliga-Tabelle nach zwei Spieltagen brauchen die Männer in Blau schnell Punkte, um die Hypothek nicht anwachsen zu lassen. Für Wetzlar gilt das nach zwei Auftakt-Niederlagen allerdings ebenfalls.
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Im Gespann mit Matija Spikic hat sich Mats Gruppe für weitere Einsatzzeiten empfohlen. Im Spiel gegen Balingen glänzte er beim knapp 20-minütigen Einsatz mehrfach. Er kam auf sechs gehaltene Bälle, wehrte darunter einen Siebenmeter ab. Mit dem Blitzreflex gegen den Nahwurfkracher von Georg Pöhle lieferte das große Torwart-Talent eine spektakuläre Parade.

ThSV-Keeper trotz ansehnlicher Bilanz selbstkritisch
Zufriedener machte ihn die ansehnliche Ausbeute trotzdem nicht. „Ich bin selber nicht hundertprozentig zufrieden mit meiner Leistung. In ein paar Aktionen hätte ich besser aussehen können. So ehrlich bin ich zu mir und muss das auch sein.“ Dass der ThSV gegen Ende eingebrochen war, schmerzte über alle Mannschaftsteile hinweg. „Dann zerfallen wir in den letzten zehn, fünfzehn Minuten komplett. Das darf uns nicht passieren“, so Gruppe.
Des einen Freud, des anderen Leid: Trotz der eigenen Enttäuschung freute sich der ThSV-Keeper für seinen anderthalb Jahre jüngeren Bruder Magnus. „Er hat ein brutal gutes Spiel gemacht“, fand Mats Grupe. Er sah „Mauni“ mit seinen vielen gewonnenen Zweikämpfen in der Balinger Abwehr als einen Grund an, weshalb der Eisenacher Angriff Probleme hatte.
DHB-Pokal: Eisenach als Favorit bei Emsdetten
Der ThSV Eisenach tanzt im September auf zwei Hochzeiten. Neben dem harten Kampf um den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga lockt der DHB-Pokal. Wie in der ersten Runde beim TSV Dormagen (34:26) gehen die Thüringer auch als Favorit in das Zweitrundenspiel beim TV Emsdetten. Das Duell beim Aufsteiger in die 2. Handball-Bundesliga ist auf den 23. September (19.30 Uhr) terminiert. Die 13 Sieger der zweiten Pokalrunde ziehen ins Achtelfinale ein. Titelverteidiger Füchse Berlin, Vize-Pokalsieger Bergischer HC und der Dritte des vergangenen Final-4, der TBV Lemgo Lippe, steigen dann noch mit in den Wettbewerb ein.
Bruderduelle sind in der Bundesliga selten
Mats und Magnus Grupe stehen für eines von zwei Bruderduellen in der Handball-Bundesliga. Am Samstag standen sich in der Partie zwischen dem VfL Gummersbach und MT Melsungen (31:31) die beiden Söhne von Olympiasieger Talant Dujshebaev gegenüber: Alex (23) und Dani Dujshebaev (29). Ihr Vater schaute zu.
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Auch die Grupes sind eine Handball-Familie durch und durch. Vater Jochen Grupe spielte einst unter anderem für die SG Leutershausen und Schwabing. Er kam auf 13 Länderspieleinsätze mit der DHB‑Auswahl. Bei Leutershausen und Ketsch lenkte Mutter Meike (geb. Weber) das Spiel. Die Familie war nach Eisenach gereist, um das überhaupt erste Duell „Mats vs. Magnus“ zu sehen.

Zwei Brüder, ein gemeinsamer Handballweg
Im Nachwuchs der Rhein-Neckar Löwen spielten beide lange stets ein Jahr zusammen, um wegen des Altersunterschieds in den Juniorenklassen ein Jahr darauf immer wieder getrennt zu sein. Für beide führte der Weg per Zweitspielrecht und Ausleihe zu den Eulen Ludwigshafen weiter. Fast wäre es in der vergangenen Saison zum Duell „Grupe gegen Grupe“ in der zweiten Liga gekommen, nachdem sich „Mauni“ im März 2025 HBW Balingen angeschlossen hatte. Sein Bruder Mats war damals verletzt.
„Es ist schon etwas komisch. Aber sobald man dann auf dem Feld steht, ist es auch schon egal. Das gehört zum Ligaalltag“, will Mats Grupe das Duell gegen Magnus nicht überbewerten. Denn hinter der Rivalität steht vor allem familiärer Zusammenhalt: „Natürlich drücke ich ihm die Daumen und freue mich, wenn er eine gute Leistung abruft“, sagte Mats. Besonders groß wäre die gemeinsame Freude, wenn Balingen und Eisenach die Klasse hielten. Ein paar Bruderduelle dürfen gern noch kommen.
HSG Wetzlar - ThSV Eisenach, Montag, 7. September, 19 Uhr (im Livestream bei Dyn).




