Die Geldstrafe ist ausgesprochen und seitens des Handball-Bundesligisten Thüringer HC akzeptiert worden. Die Frustrede von THC-Trainer Herbert Müller vom vergangenen Samstag nach dem 22:23 verlorenen Spitzenspiel gegen Ludwigsburg beherrscht weiter Foren, soziale Netzwerke und Medien.

Von Ludwigsburg kam zuletzt Kritik gegen die Handball-Bundesliga Frauen (HBF). Sportdirektor Gerit Winnen monierte das Strafmaß und kritisierte damit die HBF. „Diese geringe Geldstrafe zu verhängen ist ein Nackenschlag, vor allem für die Schiedsrichter.“ Unter anderem damit zitierte ihn die Stuttgarter Zeitung und drückte das Unverständnis Winnens aus.

HBF verzichtete auf Sperre

In ihrem Urteil hatte die spielleitende Stelle der HBF abgesehen, einen Antrag auf Sperre beim Bundessportgericht zu stellen und verhängte nach Sichtung des Videomaterials und der Stellungnahmen eine Geldbuße in vierstelliger für unsportliches Verhalten.

Spielleiter Tim Fehring hatte kurz vor den eingetroffenen Stellungnahmen eingeräumt, dass es einen Vorfall in der Form in seiner bisherigen Amtszeit bei der HBF noch nicht gegeben hätte.

„Du kannst zehnmal deutscher Meister werden – und hast nicht mal ein Zehntel der Aufmerksamkeit“, sagte Herbert Müller, der mit seinem emotionalen Ausbruch unmittelbar nach der dramatischen Partie gegen den Liga-Primus Ludwigsburg in ganz Handball-Deutschland für Aufregung gesorgt hatte. Am Mikrofon hatte er sich über die Entscheidungen der Unparteiischen echauffiert. Gerade der letzte und für die Niederlage entscheidende Siebenmeter stieß dem THC-Coach auf.

Thüringer Handball hält zusammen

Eine Menge war auf den Cheftrainer seither eingeprasselt. Andererseits hatte er viel Unterstützung erhalten, sagte er kurz vor dem Hinspiel des Euro-League-Viertelfinals gegen Valcea an diesem Samstag.

DAIKIN HBL HANDBALL HERREN 1. BL  11. SPIELTAG THSV EISENACH - MT MELSUNGEN
Für René Witte, Geschäftsführer des ThSV Eisenach, gehören Emotionen zum Handball. Er mahnt, Fehler zu akzeptieren. © FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Handball-Bundesligist ThSV Eisenach ergriff Partei. „Wenn man mit einem Tor in einem Spitzenspiel verliert, ist jede Schiedsrichterszene anders zu bewerten, als würde man mit zehn Toren verlieren. So wie Spieler Fehler machen oder Trainer müssen wir gerade auch in unseren Sport akzeptieren, dass auch Schiedsrichter die Situation anders sehen“, merkte ThSV-Manager René Witte an. „Der THC ist bekannt, ähnlich wie wir heißspornige Fans zu haben, sehr, sehr treue und loyale. Was der THC in den letzten Jahrzehnten für den Thüringer Handball geschaffen hat, sucht seinesgleichen. Insofern muss man alles betrachten. Herbert Müller hat sich entschuldigt. Damit muss es gut sein. Wir stehen an der Seite von unseren Thüringer Freunden.“

Wenn Menschlichkeit, Transparenz und Authentizität keinen Platz mehr haben, sind wir nur noch Roboter.

Misha Kaufmann, Cheftrainer des ThSV Eisenach stärkt Trainerkollege Herbert Müller

Eisenachs Coach Misha Kaufmann stützte den Trainerkollegen zusätzlich. „Für mich gehören in den Sport Emotionen“, sagte er und räumte ein, trotz der „suboptimalen“ Äußerungen Herbert Müller zu verstehen. „Ich habe das Spiel gesehen“, fügte der selbst oft emotional reagierende Coach des Erstligisten von der Wartburg an. „Es ist eine Leidenschaft, eine Form von Ehrlichkeit, die in diesem Moment herauskommt. Wenn das keinen Platz mehr im Sport hat und alles auf eine Wand gedruckt wird, ist das nicht gut. Dann machen wir nicht mehr das, was authentisch ist, sondern das, was gut bei den Medien ankommt. Jeder macht Fehler. Aber wenn Menschlichkeit, Transparenz und Authentizität keinen Platz mehr haben, sind wir nur noch Roboter.“

Herbert Müller dankte allen, die Mut gemacht hatten. Vor allem aber möchte er, dass seine Mannschaft vor allem sportlich positiv Schlagzeilen macht. Ein Sieg gegen Valcea im Hinspiel am heutigen Samstag wäre ein gelungener Einstieg und eröffnete die Chance auf einen Einzug ins Final Four.

Thüringer HC - CSM Ramnicu Valcea, Samstag, 22. März, 16 Uhr, Salza-Halle, Bad Langensalza