Trainer Herbert Müller tigerte vor der Bank des Thüringer HC auf und ab, dirigierte, ballte die Faust, er flehte, er klatschte Beifall, um sogleich wieder wild zu toben. Er fieberte mit und litt.

Ein jeder Wurf, eine jede Aktion hätte die Hoffnung zerstören, aber auch viel Energie entfachen können. Das Duell zwischen seinen THC-Handballerinnen und Norwegens Spitzenreiter Larvik HK war längst zum Thriller geworden – und mündete in einem roten Jubelmeer.

Torhüter Kuske packt die Rechte aus, Kuczora feuert hinterher

Soeben schien Larvik auf dem Weg, die Spannung auf ein noch dramatischeres Level zu heben. Dann packte Laura Kuske die Rechte aus und sogleich nochmal die Linke. Zwischen den beiden Glanztaten feuerte Csenge Kuczora den Ball 70 Sekunden vor Schluss zum 35:33 ins Netz. Jana Scheib machte den Deckel drauf.

HANDBALL EHF EUROPEAN LEAGUE WOMEN 2025/2026 THC - LARVIK
Laura Kuske macht sich ganz breit, um den Wurf von Sara Berg abwehren zu können.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Die Fans sangen. Die Hoffnung auf das Viertelfinale in der European League Handball lebt. Nach der schmerzhaften Niederlage zum Auftakt der Gruppenphase bei Mosonmagyarovar feierten die Handballerinnen des Thüringer HC am Sonntag mit dem 36:33 (19:16) gegen Larvik HK einen eminent wichtigen Sieg in der schweren Gruppe A. Nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel liegt Baia Mare in Front. Die ersten beiden ziehen in die K.o.-Runde ein.

Die Rumäninnen sind am kommenden Samstag der nächste Gegner in der Salza-Halle (20 Uhr). Zuvor ist am Mittwoch die HSG Blomberg-Lippe zum Spitzenspiel in der Handball-Bundesliga Frauen zu Gast (19.30 Uhr).

Mentale Stärke macht einen Unterschied

„Wenn du nicht alle drei Heimspiele gewinnst, hast du keine Chance auf ein Weiterkommen“, strahlte Herbert Müller im Anschluss. Er freute sich für die 1150 Fans, die „ein fantastisches Handballspiel“ gesehen hatten, aber vor allem auch für sein Team. Das kam nun in der Gruppe an. „Die mentale Stärke war super“, nannte er einen entscheidenden Aspekt, nachdem beim 27:23 (44.) schon eine Vorentscheidung verpasst worden war.

Fast genau ein Jahr ist es her, dass der THC gegen eben jene starken Norwegerinnen mit einem Angriffsfeuerwerk (43:35) das Tor fürs Weiterkommen und den späteren, sensationellen Titelgewinn weit aufgestoßen hatte. Johanna Reichert ragte damals mit 14 Treffern heraus.

Trotz Sonderbewachung zehn Tore: Top-Schützin Reichert schockt Gäste erneut

Mit Julie Hulleberg verordnete Larviks Coach der nach einer Krankheitspause zurückgekehrten THC-Torgarantin eine Sonderbewacherin. Dass ihr Larviks Rückraumspielerin am Trikotzipfel hing, konnte die Österreicherin dennoch nicht abhalten, den Gast erneut vor Probleme zu stellen. Bis zur Pause hatte sie sechsmal getroffen, dreimal davon von der Siebenmeterlinie. Am Ende standen zehn Tore in der Liste.

Dass ihr THC-Team in einem äußerst engen Match mit einem Drei-Tore-Plus in die Kabine ging, lag jedoch nicht nur an einer deutlich besseren Chancenverwertung als noch beim Arbeitssieg drei Tage zuvor gegen Buxtehude. Eine Zwei-Minuten-Strafe nutzten Luca Farago und Jana Scheib zum wertvollen 16:12 (27.).

Aktuelle Nachrichten zum Thüringer HC:

Die Abwehr des Thüringer HC wirkte aggressiver, auch wenn 16 Tore zugelassen werden mussten. Kuske parierte wichtige Würfe. Dennoch schmerzte es, dass Larviks Top-Torschützin Maja Furu Sæteren Sekunden vor Schluss der ersten Hälfte ungehindert auf 16:19 verkürzte.

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THC-Trainer Herbert Müller fieberte mit und litt zuweilen.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Larvik macht es mit Kampfgeist extrem spannend

Ein einziges Tor hätte in diesem Spiel den Unterschied ausmachen können. Bitter, dass Farago mit Wiederbeginn die Riesenchance verpasste, auf plus vier zu stellen. Und ebenso, dass Reichert die nächsten Würfe an den Pfosten pfefferte.

Larvik rückte bedrohlich nahe heran, ehe eine weitere Zwei-Minuten-Überzahl dem THC zu einer erneuten Vier-Tore-Führung verhalf (27:23/44.). Doch das Polster schmolz. Spätestens beim 30:30 (52.) war alles wieder offen – und der erbitterte Kampf um jeden Zentimeter auch eine nervliche Belastungsprobe. Eine mit Thüringer Happy End.