Stürmische Zeiten im Karnevalstrubel: Von Schaulustigen und abgesagten Umzügen

Erfurt/Wasungen.  Am Wochenende war Thüringen im Karnevalstrubel: Zehntausende Schaulustige säumten die Straßen in Erfurt oder Wasungen. Es wurden allerdings auch zahlreiche Umzüge wegen Orkanböen abgesagt.

Narren ziehen beim Festumzug unter dem Motto „Die Fötz honn Egge“ (Die Fürze haben Ecken) durch Wasungen, den Ort mit der längsten Karnevalstradition in Thüringen. In mehr als 90 Umzugsbildern halten bis zu 2000 Mitwirkende von der CO2-Steuer über lokale Aufreger bis zu den Thüringer Chaostagen der Politik wieder humorvoll den Spiegel vor.

Narren ziehen beim Festumzug unter dem Motto „Die Fötz honn Egge“ (Die Fürze haben Ecken) durch Wasungen, den Ort mit der längsten Karnevalstradition in Thüringen. In mehr als 90 Umzugsbildern halten bis zu 2000 Mitwirkende von der CO2-Steuer über lokale Aufreger bis zu den Thüringer Chaostagen der Politik wieder humorvoll den Spiegel vor.

Foto: Michael Reichel/dpa

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Thüringens Narren haben sich vielerorts ihre Stimmung durch Sturmtief „Yulia“ nicht

vermiesen lassen. So rollte trotz Wind, Regen und grauem Himmel am Sonntag in Erfurt Thüringens größter Karnevalsumzug mit Helau-Rufen und Party-Musik durch die Landeshauptstadt. Der bunte Tross unter der Regie der Gemeinschaft Erfurter Carneval (GEC) umfasste in diesem Jahr neben Kapellen und bunt kostümierten Fußgruppen 63 Festwagen. Mit Narrenspott auf die Politik hielten sich die Karnevalisten auf der fast vier Kilometer langen Strecke zurück - sie feierten mit Bonbonregen und guter Laune vor allem auch ihre Vereine. Der 45. Umzug, dem etwa 20.000 Besucher am Straßenrand beiwohnten, stand unter dem Motto „Alle Sorgen sind passé, gefeiert wird bei der GEC“.

Die politischen Chaostage in Thüringen hatten sich auch auf den GEC ausgewirkt - ihr bisheriger Präsident Thomas Kemmerich ließ sein Karnevalsamt ruhen, nachdem seine Wahl zum Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD ein politisches Beben ausgelöst hatte. 2500 Aktive gestalteten den Festumzug, „Erfordia hellau“ lautete wie immer der Schlachtruf.

Thüringer nahmen Politik wieder kräftig auf die Schippe

In Wasungen hatten am Samstag etwa 9000 Schaulustige den Umzug verfolgt. Ob Klimawandel, Thüringer Regierungskrise oder der Bundestag als Würfelbude: Die Narren nahmen wieder die Politik kräftig auf die Schippe - aber feierten vor allem auch sich selbst. Die Tradition des Wasunger Straßenkarnevals ist mit inzwischen 485 Jahren älter als die in den großen deutschen Karnevalshochburgen wie Köln oder Mainz. Das belegt eine historische Quittung aus dem Jahr 1535. Damals hatte der Bürgermeister den Jecken ein halbes Fass Freibier spendiert.

Der Tross zog in diesem Jahr unter dem Motto „Die Fötz honn Egge“ („Die Fürze haben Ecken“) durch die südthüringische Stadt. Er wurde von rund 2000 Mitwirkenden gestaltetet, die in aufwendig gefertigten Kostümen marschierten - etwa als Geldesel, Schachfigur oder Mauerspecht. Der Präsident des Wasunger Carneval Clubs, Martin Krieg, sprach von „Jubel, Trubel, Heiterkeit.“

Traurigkeit herrschte dafür in manchen Orten, wo am Sonntag wegen gefürchteter Sturmböen aus Sicherheitsgründen einige traditionelle Straßenumzüge abgesagt worden. So in Heiligenstadt, Niederorschel im Eichsfeld, in Ilmenau und Diedorf im Unstrut-Hainich-Kreis. Auch in Rüdersdorf bei Gera gab es wegen des stürmischen und regnerischen Wetters laut Polizei keinen Kinderumzug. Der große Umzug am Rosenmontag in Sondershausen soll wie geplant stattfinden - da eine Wetterberuhigung angekündigt ist.

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