Erfurt. Das Thüringer Gastgewerbe hat weiter zu kämpfen, erholt sich aber langsam.

Volle Restaurants, gut gebuchte Unterkünfte: Das ist das Bild, das sich derzeit in den größeren Thüringer Städten zeigt. „Ein Aufschwung ist festzustellen“, sagt Mark A. Kühnelt, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Thüringen. „Aber nicht überall.“ Hauptgeschäftsführer Dirk Ellinger stellt fest: „Es gibt ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land.“ Und für Thomas Günther, Vorstand der Allianz der Veranstaltungswirtschaft, sind die Eindrücke von Erfurt, Jena oder Weimar „nicht typisch“ für die Situation im gesamten Bundesland.

Das Trio bilanzierte am Montag die vergangenen Monate im Gastgewerbe und war sich einig, dass die Lage nach den Einbrüchen in den Corona-Jahren verbessert – aber längst noch nicht gut ist. Ungewiss ist nach wie vor, wie es um die detaillierte Rückzahlung von staatlichen Soforthilfen oder Überbrückungshilfen während der Pandemie bestellt ist.

Steigende Personalkosten als Problem

Laut einer Umfrage vom April werden die steigenden Personalkosten – die auch durch einen neuen Tarifabschluss entstanden sind – von 72,5 Prozent der befragten Thüringer Unternehmen als die derzeit größte Herausforderung angesehen. Gefolgt von den höheren Kosten bei Lebensmitteln und Getränken (70,6 Prozent) sowie den steigenden Energiekosten (66,1 Prozent). Auch die Inflation habe enormen Einfluss. „Wenn das Geld knapp wird“, so Kühnelt, „merkt das unsere Branche mit als erste.“

Thüringen liegt unter deutschem Schnitt

Darüber hinaus leide diese spürbar unter der Anhebung der Speisen-Mehrwertsteuer in der Gastronomie zu Jahresbeginn (65,1 Prozent). Allerdings haben – so die Umfrage – 77 Prozent der Thüringer Betriebe im Gastgewerbe in diesem Jahr die Preise angehoben (in Deutschland sind es 83,8 Prozent) und damit die Erhöhung auch an den Gast weitergegeben.

Weiterhin Kneipensterben auf dem Land

Doch das reiche nicht für ausreichenden Gewinn, so Ellinger. Gerade im ländlichen Bereich sei die Situation prekär, das Kneipensterben habe sich dort fortgesetzt. Auch, weil sich in den Familienbetrieben – der Anteil in Thüringen beträgt mehr als 80 Prozent – oft keine Nachfolger finden lassen.

Und, so Ellinger, richtig schwierige Zeiten kommen noch, „das Durchschnittsalter der gastgewerblichen Unternehmer liegt bei 57“. In einigen Jahren drohe also eine Übergabewelle, „wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht“, blickt Kühnelt voraus. Gerade in kleinen Ortschaften funktioniere die klassische Dorfkneipe immer weniger.  Und mit jeder Schließung verschwinde Lebensqualität.

Minus von 14,79 Prozent in der Pandemie

Während der Pandemie hätten insgesamt 720 gastgewerbliche Betriebe ihre Türen für immer geschlossen. Die Anzahl beträgt jetzt nur noch 4149,  ein Minus von 14,79 Prozent gegenüber 2019. Der Rückgang in der Gastronomie – 16,15 Prozent – sei dabei größer als in der Hotellerie. Von  2009 zu 2022 ist bei den gastgewerblichen Unternehmen sogar ein Rückgang von insgesamt 27,54 Prozent zu verzeichnen.

'Thüringen - Der Tag' - Post von Jan Hollitzer

TA-Chefredakteur Jan Hollitzer betrachtet Themen, die uns beschäftigt haben, es momentan tun und künftig werden in kommentierter Form.

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Ein verhaltener optimistischer Ausblick erfolgte dann dennoch, weil eine positive Tendenz spürbar ist. Und auch der Thüringer Tourismus bei Ankünften und Übernachtungen zulegt. Nicht nur in den großen Städten.