„Eine Katastrophe“ sei der Wohnungsmarkt seit 2022, sagt Barbara Hermle von der mobilen Wohnungshilfe Weimar, einem Angebot der Caritas. Die Lage verschlechtere sich schon seit einigen Jahren, doch so schlimm wie in den letzten zwei Jahren habe sie es noch nicht erlebt.
„Früher war es mit einem Schufa-Eintrag wegen einer nicht bezahlten Handyrechnung noch möglich, eine Wohnung zu finden. Heute ist das schon ein Ausschlussgrund für Vermieter“, sagt Hermle. Sie betreut überwiegend Obdachlose, für die es besonders schwer ist, eine Wohnung zu finden. Neu sei aber, dass mittlerweile auch besser situierte Menschen bei einem Umzug innerhalb der normalen Fristen keine Wohnung finden. „Ein halbes Jahr ist heute nichts mehr, um eine Wohnung zu finden“, sagt Hermle.
Besonders wenig Wohnungen in Erfurt, Weimar und Jena
In Thüringen ist der Wohnungsmarkt vor allem in den Städten Erfurt, Jena und Weimar angespannt. Hier werde mehr Wohnraum gebraucht, als vorhanden sei, teilt das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft mit. Verschärft wird das Problem durch den Wegfall von Sozialwohnungen und eine ansteigende Nachfrage nach Wohnraum, seit 2022 auch durch Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen, wie das Ministerium und Barbara Hermle feststellen.
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Der alleinige Grund für den Wohnungsmangel seien Flüchtlinge aber keinesfalls, sagt Hermle. Das Problem verstärke sich seit vielen Jahren durch verschiedene Faktoren wie Landflucht und eine sich verändernde Altersstruktur. „Der Hauptgrund ist, dass die Politik nicht vorausschauend genug war und zu langsam reagiert hat. Das fällt uns jetzt auf die Füße.“
Wohnungsmangel begünstigt auch Diskriminierung
Durch den wachsenden Druck auf den Wohnungsmarkt sei die Auswahl für Vermieter viel größer als früher geworden, so Hermle. Das führe einerseits dazu, dass Menschen auf Wohnungssuche mehr Einsatz zeigen müssen. Es begünstige aber auch die Diskriminierung von Menschen, die eh schon Schwierigkeiten haben eine Wohnung zu finden. Besonders für Obdachlose verschlechtere sich die Lage extrem, sagt Hermle.
Einen hohen Druck bei der Wohnungssuche spüren auch Studenten in Thüringen. „Zum Wintersemester übersteigt die bundesweite Nachfrage in den letzten Jahren immer die Zahl der verfügbaren Plätze. Die Wohnheime des Studierendenwerks Thüringen sind voll ausgelastet“, teilt Sebastian Hollnack vom Studierendenwerk mit.
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Den Rat, sich auch im Umland der Städte umzuschauen, findet Barbara Hermle prinzipiell gut. „Allerdings füllen sich auch kleinere Städte wie Apolda oder Blankenhain langsam, vor allem im Niedrigsektor. Und es kann auch eigentlich nicht sein, dass jetzt alle mit weniger Geld aufs Land ziehen müssen.“
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