Mögliche Spätfröste machen den Thüringer Obstbauern in diesem Jahr besondere Sorgen. „Wir hoffen natürlich, dass es zu keinem Spätfrostereignis kommt wie im vergangenen Jahr“, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands Gartenbau, Joachim Lissner. Der Schutz vor Frost sei nicht nur technisch schwierig, sondern von den Betrieben auch finanziell nicht zu stemmen.

Vorbereitungen zum Frostschutz gestalten sich schwierig

Auch Michael Bley, Vorstandsmitglied bei Fahner Obst in Thüringen, zeigt sich angesichts der Vorbereitung eines möglichen Frostschutzes besorgt. So seien Frostschutzberegnungen, wie beim Obsthof in Großmonra, derzeit noch nicht möglich, weil das Wasser dafür fehle. Man sei aber in Gesprächen mit den Stadtwerken, um eine Lösung zu finden.

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Bereits im vergangenen Jahr hatten die Thüringer Bauern mit beträchtlichen Einbußen zu kämpfen. Schuld daran waren heftige Regenfälle, Hagel und auch Frostnächte im April. Das hat den Beständen auf den Feldern geschadet. Insgesamt wurden rund 2,2 Millionen Tonnen Getreide geerntet. Neun Prozent weniger als im langjährigen Mittel.

Land Thüringen leistete Soforthilfe

Auch damals habe es kaum Möglichkeiten für Schutz gegeben, sagte Lissner. Er berichtete von einem Süßkirschenbetrieb, der seine Bäume komplett in Folie gehüllt und mit Heizkanonen gearbeitet habe. „Selbst das hat nicht geholfen.“ Den Landwirten war so ein Schaden von insgesamt 8,7 Millionen Euro entstanden. Thüringens damalige Agrarministerin Susanna Karawanskij (Linke) sprach von enttäuschenden Erträgen.

Sie verwies darauf, dass gerade die Obstbauern vom Frost im April schwer getroffen wurden. Das Land hatte daraufhin Soforthilfen in Höhe von zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Auszahlungen fanden im November und Dezember statt und wurden vollständig geleistet. „Mit den Hilfen letztes Jahr haben sie gerade einmal die Kosten für die Ernteausfälle tragen können“, sagte Lissner. Die Landeshilfen haben nur etwa ein Viertel des Gesamtschadens der Betriebe abgedeckt. Thüringer Landwirte können jedoch auf weitere Gelder von der EU hoffen.

Aktuell ist die Situation etwas anders gelagert als im Vorjahr

04/05/2019-Erfurt: CDU Thüringen / Landesvertreterversammlung /  im Foto: CDU-Kandidat fuer die Landagswahl 2019, Marcus Malsch (CDU, Wartburgkreis)     (Foto: Sascha Fromm / Thueringer Allgemeine)
Marcus Malsch , Staatssekretär im Thüringer Landwirtschaftsministerium

Aktuell sehen die Obstbauern noch keine Gefahr

„Aktuell ist die Situation etwas anders gelagert als im Vorjahr“, sagt Marcus Malsch, Staatssekretär im Thüringer Landwirtschaftsministerium. Die Vegetation sei noch nicht so weit fortgeschritten und verfrüht. „Das lässt hoffen, dass auch bei noch zu erwartenden Frostgeschehen nicht wieder solche Schadensdimension auftreten“. Zudem fördere das Land weiterhin anteilig die Versicherungsbeiträge gegen Frostschäden in Höhe von 50 Prozent. Er hoffe, dass die Betriebe des letzten Jahres diese Möglichkeit annehmen.

Die Frostnächte der vergangenen Tage machen den Obstbauern hingegen noch keine Sorgen. „Im Moment ist das noch keine akute Gefahr für die Obstbau-Ernte“, sagte Lissner. Allerdings könne besonders strenger Frost auch aktuell schon Schäden anrichten. „Minus acht Grad halten die Bäume aus. Minus 15 Grad wäre schlimmer gewesen.“

Auch Bley rechnet zu diesem Zeitpunkt noch mit keinen größeren Ernteausfällen. „Die Bäume waren letztes Jahr in der Entwicklung viel weiter fortgeschritten, dadurch dass der Januar und Februar deutlich wärmer war“, sagt Bley. Dieses Jahr sei alles ein wenig ruhiger und kälter, weshalb die Bäume in ihrer Blüte noch nicht so weit seien.

mit dpa