Thüringen erleichtert die Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Künftig können damit nach Berechnung des Wirtschaftsministeriums etwa zwei Drittel aller Bau-, Dienstleistungs- oder Lieferaufträge von Land und Kommunen ohne großen bürokratischen Aufwand vergeben werden.

Jede vierte Leistung könne danach sogar als sogenannter Direktauftrag an einheimische Firmen vergeben werden. Mit der entsprechenden Verwaltungsvorschrift, die Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) dem Kabinett am Dienstag präsentierte, setzt die neue Landesregierung eine weitere Maßnahme aus dem 100-Tage-Sofortprogramm um.

„Wir machen Ernst mit dem Bürokratieabbau und verschlanken die Vergabeprozesse der öffentlichen Hand“, sagte die Ministerin. Per Verordnung werden die Wertgrenzen, unterhalb derer vereinfachte Vergabeverfahren genutzt werden können, deutlich angehoben.

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IHK: Bürokratieabbau stärkt Konjunktur

Mit diesem Thema konnten Wirtschaftsministerin Boos-John und Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) am Dienstagabend beim Jahresempfang von Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer Erfurt punkten. Die IHK-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Haase-Lerch lobte die Entscheidung der Landesregierung.

„Mit der Erhöhung der Wertgrenzen bei öffentlichen Aufträgen setzt die Thüringer Landesregierung ein wichtiges Zeichen für Bürokratieabbau und wirtschaftliche Impulse in der Region. Das ist ein richtiger Schritt, um die Konjunktur zu stärken und die Teilhabe insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen an öffentlichen Vergaben zu erleichtern. Für viele unserer Mitgliedsunternehmen können die vereinfachten Verfahren eine echte Erleichterung im Betriebsalltag bedeuten – vorausgesetzt, die Neuerungen werden auch konsequent und praxisnah umgesetzt. Wir begrüßen diesen Schritt ausdrücklich und hoffen, dass er Vorbildcharakter für weitere Entlastungen hat.“

Verband erwartet positive wirtschaftliche Impulse für die Region

Hartmut Koch, Präsident des Verbandes der Thüringer Wirtschaft, begrüßt ebenso die Änderungen bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Sie würden wirtschaftliche Impulse für die Region in Gang setzen. „Mit dieser Entscheidung setzt die Thüringer Landesregierung ein wichtiges Zeichen um Bürokratie abzubauen, insbesondere auch durch die angekündigte wesentliche Beschränkung von Dokumentationsleistungen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen können die vereinfachten Verfahren den Zugang zu öffentlichen Auftragsvergaben erleichtern. Wenn diese Veränderungen zeitnah greifen, erleichtert das den betrieblichen Alltag der Firmen deutlich“, betont Koch.

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IHK-Präsident Dieter Bauhaus forderte eine mutige Entlastung der Wirtschaft: „Bürokratie, steigende Kosten und regulatorische Hürden behindern Wachstum und Innovation. Es braucht mehr Vertrauen in marktwirtschaftliche Prinzipien und weniger Eingriffe in unternehmerische Entscheidungen. Die versprochene Unternehmenssteuerreform und Entlastungen müssen nun endlich kommen, denn die mangelnde Wettbewerbsattraktivität und die hohen Insolvenzzahlen gefährden den Wirtschaftsstandort Thüringen und Deutschland.“

Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen in Berlin forderte Bauhaus besonders Ergebnisse mit klaren und entlastenden wirtschaftspolitischen Prioritäten ein. Alles andere würde nur zur Stärkung der politischen Ränder führen.

Fachkräftesicherung für Handwerk wichtig

Für Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt, bleibt die Fachkräftesicherung eine der größten Herausforderungen. „Politik und Gesellschaft müssen konsequent in berufliche Bildung und attraktive Arbeitsbedingungen investieren, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen zu erhalten“, sagte er beim Jahresempfang. Gastredner war der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD). Unter dem Thema „Zeitenwende für den Wirtschaftsstandort Deutschland“ skizzierte er die drängendsten Herausforderungen und betonte die Notwendigkeit eines klaren wirtschaftspolitischen Kurses und strategischer Anpassung.

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Organisatorin der Thüringenausstellung ausgezeichnet

Die Industrie- und Handelskammer Erfurt ehrte Constanze Kreuser, Geschäftsführerin der RAM Regio Ausstellungs-GmbH, die unter anderem die jährliche Thüringenausstellung ausrichtet. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Frank Belkner, Geschäftsführer der Erfurt Bildungszentrum gGmbH, der zur Stärkung von Betrieben und zur Fachkräfteentwicklung in Thüringen beiträgt. Die Handwerkskammer Erfurt würdigte Tischlermeister Egbert Fiedler und Fräser Mario Kirchhof, der in der HWK-Vollversammlung langjähriges Vollversammlungsmitglied der Arbeitnehmerseite ist.