Die Bundesregierung hatte den Luftverkehrsunternehmen Entlastungen versprochen – doch passiert ist bislang nichts und deswegen verschärft Deutschlands größte Fluggesellschaft jetzt ihren Ton. „Es ist sehr enttäuschend, dass die Bundesregierung im Haushaltsentwurf für 2026 keinerlei Entlastung für Flüge ab Deutschland plant“, sagte Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter dieser Redaktion.

Ritter droht nun offen damit, weitere Flugzeuge von deutschen Airports abzuziehen: „Wenn Verbindungen unrentabel werden, sind wir gezwungen, Strecken zu reduzieren und die Flugzeuge woanders einzusetzen. Die Liste der Flughäfen, die wir aus betriebswirtschaftlicher Sicht in den Blick nehmen müssen, ist lang: Bremen, Dresden, Köln, Leipzig, Münster, Nürnberg, Stuttgart – um nur einige zu nennen“, erklärte Ritter. Keine guten Aussichten für die möglicherweise betroffenen Airports, die sich vielfach ohnehin bereits in wirtschaftlich angespannter Lage befinden: Statistiken zufolge liegt Deutschland mit Blick auf die Erholung des Luftverkehrs nach Corona auf Rang 28 von 31 europäischen Ländern.

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Die Koalition aus CDU, CSU und SPD hatte eigentlich festgehalten, den Luftverkehrsstandort in Deutschland wieder wettbewerbsfähiger machen zu wollen. „Die luftverkehrsspezifischen Steuern, Gebühren und Abgaben wollen wir reduzieren und die Erhöhung der Luftverkehrsteuer zurücknehmen“, steht im Koalitionsvertrag der drei Parteien. Tatsächlich blieb der Rückenwind für den Luftverkehr bislang allerdings aus. Lufthansa-Angaben zufolge sind seit Jahresbeginn stattdessen die An- und Abfluggebühren um 40 Prozent und die Flugsicherungsgebühr um 25 Prozent gestiegen. Kosten, die dazu führen, dass Deutschland im internationalen Vergleich als Luftverkehrsstandort weiter an Boden verliert.

Luftfahrt: Tourismus-Koordinator pocht auf Senkung der Luftverkehrssteuer

Angaben des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) zufolge sind die staatlichen Standortkosten pro Abflug von einem Airport hierzulande seit 2019 um bis zu 128 Prozent gestiegen. Spitzenreiter ist laut BDF der Airport Stuttgart. Dort liegen die staatlichen Abgaben für eine mit 150 Passagieren besetzte Maschine, die ein Ziel innerhalb der EU ansteuert, bei derzeit 5109 Euro. Danach folgen Frankfurt mit 4847 Euro staatlicher Abgabenlast (+ 83 Prozent seit 2019) und Berlin-Brandenburg mit 4238 Euro (+ 92 Prozent). In Istanbul zahlen Airlines hingegen nur 524 Euro an Steuern und Gebühren pro Abflug (+ 4 Prozent seit 2019), in Madrid sind es 687 Euro. Und selbst Brüssel, auch ein Drehkreuz, das die Lufthansa-Gruppe nutzt, liegt mit 1892 Euro Standortkosten deutlich unter dem deutschen Niveau.

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Lufthansa-CEO Ritter hält die Entwicklung für dramatisch und warnt vor den Folgen: „Ganze Wirtschaftszentren in Deutschland sind nicht mehr ausreichend an internationale Märkte angebunden. Es braucht jetzt ein rasches politisches Handeln, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Die Kosten für die hoheitlichen Aufgaben von Flugsicherung und Luftsicherheit müssen sinken, indem sich der Staat hier stärker engagiert. Zudem sollte die Luftverkehrsteuer reduziert werden“, forderte er.

Luftfahrt: Zahl der Zubringerflüge zu deutschen Drehkreuzen eingebrochen

Unterstützung bekommt Ritter jetzt auch erneut aus der Bundesregierung: Christoph Ploß (CDU), Koordinator für Tourismus, sagte dieser Redaktion, Deutschland müsse als Luftverkehrsstandort wieder attraktiver werden. „Wenn die Fluggesellschaften Flüge in Nachbarländer verlegen, weil sich diese nach und von Deutschland nicht mehr rechnen, dann müssen wir dringend gegensteuern. Konkret heißt das: runter mit der Luftverkehrsteuer. So steht es auch im Koalitionsvertrag. Die Senkung der Luftverkehrsteuer ist im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland besonders wichtig“, erklärte er gegenüber dieser Redaktion.

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Rund 300 Millionen Euro im Jahr würde es den Bund kosten, die Luftverkehrssteuer-Erhöhung aus dem vergangenen Jahr zurückzunehmen. Weitere denkbare Entlastungen wären die Übernahme der Basiskosten für die Flugsicherung (rund 300 Millionen Euro jährlich) sowie der Kosten für die Sicherheitskontrollen (gut eine Milliarde pro Jahr). Lufthansa warnt: Bleibt es weiterhin so teuer, werden Drehkreuze im Ausland attraktiver – zum Schaden der großen deutschen Standorte Frankfurt am Main und München. Lufthansa zufolge hat sich das Angebot an Zubringerflügen zu den deutschen Drehkreuzen seit 2019 bereits halbiert.