Bis zum Ende des Jahrzehnts will der Elektronik-Konzern Bosch viel mehr Stellen abbauen als bisher bekannt. Es geht um weitere 13.000 Arbeitsplätze, die zu den bereits im vergangenen Jahr genannten 9.000 Job dazukommen. Vor allem in Deutschland, und hier vor allem in Baden-Württemberg und dem Saarland will das Unternehmen in seiner Mobilitätssparte Personalkosten einsparen.
„Wir müssen dringend an der Wettbewerbsfähigkeit im Mobility-Bereich arbeiten und unsere Kosten weiter dauerhaft senken“, begründet Arbeitsdirektor Stefan Grosch den personellen Aderlass. Insbesondere in Europa und Deutschland sei das bisherige hohe Beschäftigungsniveau nicht zu halten. Dennoch steht das Unternehmen Grosch zufolge zum Standort: „Deutschland ist und bleibt für Bosch zentral, auch was die Anzahl der Mitarbeitenden betrifft. Gespart werden soll nicht nur am Personal. Bosch erhofft sich auch Produktivitätszuwächse durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Fertigung und Entwicklung. Auch bei den Sachkosten wird der Rotstift angesetzt.“

Bosch will 13.000 Stellen streichen: Chef Hartung hatte Stellenabbau nicht ausgeschlossen
Das Unternehmen hatte bereits einen Stellenabbau in geringerem Umfang bekannt gegeben und begründete dies mit einer jährlichen Kostenlücke von 2,5 Milliarden Euro, die geschlossen werden müsse. Schon vor einem Jahr wollte Bosch-Chef Stefan Hartung einen weiteren Stellenabbau nicht ausschließen. Niemand könne seriös sagen, welche Produktion in fünf Jahren in welchen Bereichen benötigt werde, hatte Hartung damals gesagt. „Entsprechend ist nicht auszuschließen, dass Kapazitäten verschoben oder auch abgebaut werden müssen. Niemand baut gerne Stellen ab. Wenn es sich aber nicht vermeiden lässt, dann suchen wir gemeinsam mit unseren Arbeitnehmervertretern die sozialverträglichste Lösung.“
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Noch vor zwei Jahren hatte Bosch eine Beschäftigungsgarantie im Kerngeschäft, dem Autogeschäft, bis 2027 versprochen. In dieser Zeit sollten keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden. Die Beschäftigtenzahlen sollten anders, etwa über das Auslassen von Nachbesetzungen bei Verrentungen, gesenkt werden. Anders sei die Lage allerdings, wenn sich komplette Werke nicht mehr wirtschaftlich betrieben lassen würden, hatte Hartung gewarnt.

Kriselnde Automobilindustrie belastet Kerngeschäft
Hintergrund des Stellenabbaus ist die aktuelle Krise und der Automobilbranche. „Der weltweite Fahrzeugmarkt entwickelt sich weiterhin verhalten“, heißt es in einer Stellungnahme. Auch verzögerten fehlende Regulierungen die Etablierung neuer Technologien wie etwa beim Wasserstoff. Zusätzlich belastet Bosch die schwache Entwicklung bei E-Mobilen und die langsame beim autonomen Fahren. Trotzdem müsse das Unternehmen umfangreiche Investitionen aus eigener Kraft finanzieren. „Wir müssen aus eigener Kraft unsere Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen“, betont Markus Heyn, der die Sparte verantwortet „die Zeit drängt“.
Nun sollen möglichst sozialverträgliche Lösungen mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart werden. Letztere reagieren empört. Nach Ihren jüngsten Ankündigungen würde Robert Bosch im Grabe rotieren“, sagte Christiane Brenner, Chefin der IG Metall mit Blick auf den einstigen Gründer. Die Unternehmensleitung trete dessen Werte wie Fairness und Verantwortung mit Füßen. In den vergangenen Monaten hätten die Beschäftigten alle Kräfte vereint und als Dank würden sie nun rausgeschmissen.

Bosch: Betriebsrat warnt vor „sozialen Kahlschlag“
Der Gesamtbetriebsrat von Bosch-Mobility befürchtet einen „sozialen Kahlschlag in vielen Regionen“. Die Geschäftsführung müsse nun konstruktive Verhandlungen über die Zukunft der Standorte und Mitarbeitenden aufnehmen. Die IG-Metall in Baden-Württemberg will den Stellenabbau nicht kampflos hinnehmen. „Wir erwarten vom Unternehmen realistische Chancen für die Standorte“, sagt der Konzernbeauftragte der Metallgewerkschaft, Adrian Hermes.
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Weltweit zählt Bosch noch 230.000 Beschäftigte. Bereits im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mehr als 11.000 Jobs gestrichen. Besonders betroffen ist Baden-Württemberg im Großraum Stuttgart. Allein am Standort Feuerbach sollen bis Ende 2030 rund 3.500 Stellen abgebaut werden. Das Werk leidet unter dem Verkaufsrückgang bei Dieselfahrzeugen, für die hier vor allem produziert wird. Weitere 1.750 Jobs fallen in Schwieberdingen fort. Hier sind vor allem die Bereiche Entwicklung, Vertrieb, Einkauf und Verwaltung betroffen. Der Standort Waiblingen kommt mit 560 gestrichenen Stellen etwas besser davon. Hier ist die Auslastung der Produktion von Steckverbindern laut Unternehmen seit Jahren rückläufig. Betroffen ist auch der Standort Bühl mit 1.550 Stellen und im saarländischen Homburg, wo 1.250 Job fortfallen sollen.
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Bosch verfügt in Deutschland über 100 Standorte
Bosch verfügt allein in Deutschland über mehr als 100 Standorte. In dem 1886 gegründeten Unternehmen arbeiten allein in Deutschland knapp 130.000 Beschäftigte. In verschiedenen technischen Sparten setzte die Bosch-Gruppe im Inland rund 17 Milliarden Euro um. Die Umsätze kommen aus drei Bereichen. Da ist zum einen die Mobilitätssparte, wo Bosch vor allem als Zulieferer der Autoindustrie tätig ist. Zweiter Geschäftsbereich ist die Haushaltselektronik, wo Bosch etwa mit Kühlschränken oder Waschmaschinen Geld verdient. Schließlich verkauft das Unternehmen noch Dienstleistungen und Werkzeuge für die Industrie.
Bosch ist kein börsennotiertes Unternehmen. Vielmehr gehört die Gruppe zu mehr als 90 Prozent der Robert-Bosch-Stiftung. Zudem haben die Nachfahren des Gründers einen kleinen Teil der Geschäftsanteile.




