Die Beziehung zwischen der Gewerkschaft IG Metall und dem Management der kriselnden Elektroauto-Schmiede Tesla ist, gelinde gesagt, schwierig. Bereits in der Vergangenheit war es immer wieder zur Konfrontation gekommen. Gipfel der Auseinandersetzung war die fristlose Kündigung eines für die IG Metall im Betriebsrat sitzenden Beschäftigten durch die Werksführung im Herbst des vergangenen Jahres.

Eine Rede des Werksleiters André Thierig auf der jüngsten Betriebsversammlung dürfte nicht zur Entspannung beigetragen haben. Vor der versammelten Belegschaft hielt Thierig eine Art Wutrede und zog dabei mächtig gegen die IG Metall und deren Vorsitzende Christiane Benner vom Leder. Eine Tonaufnahme von Thierigs Rede wurde dem „Handelsblatt“ zugespielt, das zuerst über den Vorgang berichtete.

Auch interessant

Tesla Grünheide: Werksleiter geht IG-Metall-Chefin hart an

Möglicherweise hat sich der Werksleiter zu weit aus der Deckung gewagt. Sein Vorpreschen könnte rechtliche Konsequenzen haben, denn laut Betriebsverfassungsgesetz darf das Management aus Gründen der Neutralität keinerlei Einfluss auf Betriebsratswahlen nehmen. Schon der Versuch ist strafbar.

Thierig soll laut „Handelsblatt“ erklärt haben, dass Tesla ohne Gewerkschaften besser dastünde. Die IG Metall befasse sich mit Themen, „die passen nicht zu uns“, sagte Thierig demnach. Die Mitarbeiter sollten aufpassen, wo sie bei der anstehenden Betriebsratswahl ihr Kreuz machten. Zudem soll er die IG-Metall-Chefin Benner mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten aus einem Interview hart angegangen haben. Laut Thierig soll Benner gesagt haben, dass E-Fahrzeuge im Grunde nicht funktionierten.

Ein Blick auf Benners Interview in der Tageszeitung „Die Welt“ gibt dies aber nicht her. Benner hatte lediglich erklärt, dass die Ladeinfrastruktur nicht ausreiche, um in Europa ausschließlich batteriebetrieben zu fahren. Zudem machte Thierig die Gewerkschaften indirekt für die Krise der Automobilindustrie mitverantwortlich. „Das ist genau das, was wir in der restlichen Automobilindustrie sehen – wie erfolgreich die Tarifverträge sind: Überall werden Stellen abgebaut“, so Thierig.

Neuer IG Metall-Bezirksleiter will Gangart gegenüber Tesla verschäfen

Die Auseinandersetzung zwischen der Tesla-Führung in Grünheide und der IG Metall dürfte noch härter werden. Der neue Bezirksleiter der IG Metall in Berlin, Brandenburg und Sachsen, Jan Otto, hat sich bereits entsprechend geäußert. „Wir haben Tesla bisher eher zurückhaltend behandelt. Jetzt werden wir die Gangart verschärfen“, sagte Otto am Montag in Berlin.

Otto kritisierte, dass Tesla die Beschäftigten über verschiedene Wege unter Druck setze. Die Arbeit sei stark verdichtet, die Führungskultur beinhalte Bestrafung. Zudem würden Krankschreibungen infrage gestellt und gezahltes Entgelt zurückgefordert, um Beschäftigte so letztlich zu Aufhebungsverträgen zu drängen.

Ein beliebtes Mittel des Autobauers sei es zudem, Beschäftigte in der vertraglichen Probezeit wieder zu entlassen. Die Fluktuation im Werk sei hoch. Tesla-Beschäftigte, die sich bei der IG Metall engagieren oder mit der Gewerkschaft in Kontakt treten, müssten damit rechnen, in Ungnade zu fallen oder zu Einzelgesprächen eingeladen zu werden. 

„Wir werden über kurz oder lang einen Tarifvertrag bei Tesla haben“, zeigte sich Otto sicher. Zudem will die IG Metall bei den Betriebsratswahlen die Mehrheit gewinnen, „damit der Betriebsrat endlich die Interessen der Belegschaft vertritt und nicht mehr die des Managements“. 

tok mit dpa