Eine spürbare Erholung der Wirtschaft in Thüringen bleibt aus. Das zeigt die jüngste Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt für den Herbst 2025. Wie die Kammer weiter informierte, beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage zwar noch etwas positiver als im Frühjahr, doch die Aussichten für die kommenden Monate bleiben verhalten. Der Konjunkturklimaindex sinkt um fünf Punkte auf 78 Zähler – weit entfernt vom langjährigen Durchschnitt von 102 Punkten.

Besonders belasten die Unternehmen die stark gestiegenen Kosten, bürokratische Hürden und anhaltende wirtschaftspolitische Unsicherheiten. „Für einen Wachstums- und Innovationsschub braucht es deutlich bessere Standortbedingungen“, betont Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt.

Unternehmen fordern verlässliche Perspektiven

Nur 22 Prozent der Unternehmer bewerten ihre Geschäftslage positiv, während 36 Prozent sie weiterhin als schlecht einschätzen. Damit ergibt sich eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Frühjahr. Was die Zukunft betrifft, überwiegt jedoch Skepsis: Lediglich 9 Prozent erwarten eine bessere Entwicklung, 38 Prozent gehen von Rückgängen aus. Immerhin 53 Prozent rechnen mit einer stabilen Geschäftslage. Insgesamt bleibt die Hoffnung auf eine spürbare wirtschaftliche Belebung gering.

Verteidigung
Erfurts IHK-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Haase-Lerch fordert deutlich bessere Bedingungen für die Wirtschaft. © Funkemedien Thüringen | Bernd Jentsch

Zu den größten Risiken zählen aus Sicht der Unternehmen hohe Energie- und Rohstoffpreise (70 Prozent), steigende Arbeitskosten (67 Prozent) sowie problematische wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (63 Prozent). Auch die Nachfrageschwäche im Inland bleibt ein kritisches Thema (61 Prozent). Positiv: Der Fachkräftemangel verliert leicht an Bedeutung, beschäftigt aber nach wie vor 43 Prozent der befragten Unternehmen.

Stimmung immer gedämpft

Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt machen sich bereits bemerkbar. Nur sechs Prozent der Unternehmen planen, neue Mitarbeitende einzustellen, während 29 Prozent einen Stellenabbau erwarten. Die Investitionsbereitschaft bleibt ebenfalls zurückhaltend. Obwohl etwas mehr Unternehmensinvestitionen geplant sind, liegt der Schwerpunkt weiterhin auf Ersatzbeschaffungen (85 Prozent) und Rationalisierungen (26 Prozent). Besonders belastet ist die Industrie, die unter schwacher Nachfrage, hohen Arbeits- und Energiekosten sowie bürokratischen Auflagen leidet. Auch die Bauwirtschaft steht angesichts des nahenden Winters unter Druck. Im Einzelhandel bleibt die Kaufzurückhaltung trotz des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts spürbar.

„Unsere Unternehmen nehmen eine Aufbruchstimmung wahr, doch im unternehmerischen Alltag sind die Maßnahmen noch wenig spürbar“, kritisiert Haase-Lerch. Sie fordert eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen, etwa durch bezahlbare Energie und schnellere Genehmigungsverfahren. Nur so könnten Unternehmen ihr Vertrauen in die Politik zurückgewinnen und das Wachstum in der Region wieder ankurbeln

nb