• Gesundheitsministerin Nina Warken verspricht, dass die Zusatzbeiträge nicht steigen
  • Kritiker verweisen auf ein „milliardenschweres Loch“
  • Ein Expertin sagt, was Versicherte wissen müssen, die eventuell die Kasse wechseln wollen

Lehnt sich Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mit diesem Versprechen zu weit aus dem Fenster? Die CDU-Ministerin versprach am Mittwoch, dass die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im kommenden Jahr nicht steigen werden. Doch ausgemacht ist das nicht. Wichtige Fragen und Antworten.

Was sagte Warken genau?

Die Ministerin verwies auf die Beschlüsse des Kabinetts, mit denen sich die Kassenlage der GKV stabilisiere. „Damit halten wir unser politisches Versprechen an Beitragszahler sowie die Unternehmen und durchbrechen die zur Gewohnheit gewordene Routine der Erhöhung der Zusatzbeiträge zum Jahresende. Im Ergebnis dürfte der durchschnittliche ausgabendeckende Zusatzbeitrag damit auf dem heutigen Niveau stabilisiert werden“, betonte die Ministerin in Berlin.

Maßnahmen der Bundesregierung seien Warken zufolge noch so rechtzeitig gekommen, dass sie der sogenannte Schätzerkreis noch für seine Berechnungen der finanziellen Rahmenbedingungen der GKV im kommenden Jahr berücksichtigen konnte. Das Gremium prognostizierte am Mittwoch einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent. Zweifel, ob die Beiträge tatsächlich nicht ansteigen werden, bleiben.

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Denn 2025 lag der empfohlene durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 2,5 Prozent, tatsächlich nehmen die Kassen aber im Schnitt laut GKV-Spitzenverband 2,9 Prozent. „Jetzt kommt es darauf an, wie die einzelnen Krankenkassen mit dem Geld wirtschaften und welchen Zusatzbeitrag sie dann auch für sich als nötig erachten“, sagte Warken und verwies auf den Wettbewerb zwischen TK, AOK & Co. um die Versicherten. Da werde sich zeigen, welche Krankenkasse mit dem Zusatzbeitrag zurechtkomme und welche nicht. Warken aber scheint wegen der Kurzfrist-Maßnahmen der Bundesregierung zuversichtlich zu sein, dass die Abweichungen zwischen empfohlenem und tatsächlichem durchschnittlichem Zusatzbeitrag 2026 nicht so hoch ausfallen werden, wie noch in diesem Jahr.

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Versicherte können darauf hoffen, dass sie im kommenden Jahr nicht mehr für ihre Krankenversicherung zahlen müssen.© Getty Images | Peakstock

Grundsätzlich teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den GKV-Beitrag, der sich aus dem allgemeinen Beitragssatz (14,6 Prozent des Bruttoeinkommens) und eben dem individuellen Zusatzbeitrag zusammensetzt.

Wo liegt das Problem bei der Krankenversicherung?

Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen. Im ersten Halbjahr 2025 gingen die Ausgaben um acht Prozent auf 154 Milliarden Euro hoch, die Einnahmen wuchsen „nur“ um 5,5 Prozent. Die Bundesregierung steuert jetzt kurzfristig gegen: Am Mittwoch beschloss das Kabinett, den Anstieg der Vergütungen für die Kliniken zu begrenzen. 1,7 Milliarden Euro müssen deshalb nicht ausgegeben werden. Gespart werden sollen außerdem 100 Millionen Euro bei Verwaltungsausgaben der Krankenkassen. Und noch einmal 100 Millionen Euro durch eine gekappte Einzahlung aus Kassenmitteln in einen „Innovationsfonds“ für die Versorgungsforschung. Doch stets nur weiter Löcher zu stopfen, reicht eigentlich nicht mehr aus.

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Warum kommen nicht schneller grundlegende Reformen?

Gesundheitsministerin Warken hat zunächst eine Kommission eingesetzt, die strukturelle Vorschläge unterbreiten soll. Dabei gebe es keine Denkverbote, betonte die Politikerin stets. Grundsätzlich arbeitet man an einer besseren Steuerung der Patienten, um Ärzte zu entlasten und die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren. Um unnötige Arztbesuche zu vermeiden, schlug der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Mittwoch vor, dass sich Kranke erst nach zwei Wochen beim Arzt melden müssen. Denkbar ist auch, dass Versicherte mehr belastet werden als bislang, zum Beispiel über höhere Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente oder bestimmte Behandlungen. Bis März soll die Kommission erste Vorschläge zur Stabilisierung der Beitragssätze ab 2027 machen. Bis Ende 2026 sollen weitere Ideen folgen.

Wie fallen Reaktionen mit Blick auf Warken Äußerungen aus?

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrüßte die versprochene Beitragsstabilität, aber forderte grundlegende Reformen. „Denn die Wahrheit ist, dass die GKV ein milliardenschweres Loch hat, das bekämpft werden muss“, sagte die SoVD-Chefin Michaela Engelmeier dieser Redaktion. Nötig seien „endlich richtige Reformen – und zwar schnell“.

Christos Pantazis, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, kommentierte gegenüber unserer Redaktion: „Unser Ziel bleibt klar: Die Beitragszahlenden sollen nicht zusätzlich belastet werden, und das hohe Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung muss gesichert bleiben“. Die am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen seien „eine Brücke“, bis anstehende Strukturreformen griffen.

Was bedeutet das für Versicherte?

Der Schätzerkreis rechnet jedes Jahr durch, wie viel Geld in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im kommenden Jahr voraussichtlich reinkommt und ausgegeben wird. Auf Grundlage der Zahlen legt das Bundesgesundheitsministerium bis 1. November einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2026 fest. Der gilt aber nur als eine amtliche Orientierungsmarke. „Der tatsächliche Zusatzbeitrag kann von Kasse zu Kasse unterschiedlich ausfallen – je nachdem, wie groß ihre Ausgaben sind und wie sich diese entwickeln, etwa durch steigende Kosten für Medikamente, Kliniken oder zusätzliche Leistungen“, sagte die Krankenversicherungsexpertin beim Geldratgeber Finanztip, Barbara Weber, dieser Redaktion.

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Wie sollten sich Krankenversicherte jetzt verhalten?

Wenn die eigene Kasse den Zusatzbeitrag erhöht, kann sich ein Wechsel durchaus lohnen. Expertin Weber zufolge sollten Versicherte aber nicht nur den Beitrag in den Blick nehmen, sondern auch bestimmte Zusatzleistungen. Viele Kassen zahlen Zuschüsse zum Beispiel für professionelle Zahnreinigung (PZR), Sportkurse oder Osteopathie. „Wer solche Extras gezielt nutzt, sollte zu einer Krankenkasse wechseln, die diese bezahlt“, ergänzte Weber. Grundsätzlich gilt auch: Viele Kassen passen ihre Beiträge zwar zum 1. Januar an, aber auch unterjährig sind Erhöhungen möglich.

Wie wechselt man die Krankenkasse?

Zunächst sollten sich Versicherte einen Überblick verschaffen, welche Krankenkassen gute Leistungen zu einem günstigen Zusatzbeitrag bieten. „Wer sich entschieden hat, stellt einfach online einen Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse – das dauert nur wenige Minuten. Die neue Krankenkasse übernimmt anschließend die Kündigung bei der alten“, so die Finanztip-Expertin. Nach zwei vollen Monaten ist man dann automatisch Mitglied der neuen Kasse. Ein eigenes Kündigungsschreiben ist nicht mehr nötig, denn die Kassen erledigen alle Formalitäten untereinander.

Gibt es Fallstricke für Versicherte?

Der Versicherungskennerin zufolge ja. Grundsätzlich ist man nach einem Wechsel mindestens 12 Monate an die neue Kasse gebunden, außer, sie erhöht in dieser Zeit ihren Zusatzbeitrag. Dann gilt ein Sonderkündigungsrecht, so Weber. Für den Fall, dass man als Versicherter Leistungen wie Reha oder eine Psychotherapie beantragt hat, empfiehlt die Expertin zudem, sich direkt an die neue Kasse zu wenden, sodass die Bearbeitung nahtlos weiterläuft. Beim Krankengeld könne ein Wechsel unter Umständen die Zahlung verzögern. „Hier also lieber mit dem Wechsel warten, bis der Bezug abgeschlossen ist“, sagte die Insiderin.