Mit Luxusmarken kennt Michael Leiters sich aus. Knapp drei Jahre lang arbeitete der 54-Jährige zuletzt bei McLaren, brachte den nach der Corona-Pandemie angeschlagenen Luxus-Sportwagenhersteller zurück auf Kurs. Zuvor war der promovierte deutsche Ingenieur acht Jahre Technikvorstand bei Ferrari. Nun soll Leiters neuer Chef von Porsche werden. Er stehe als „möglicher Nachfolger“ zur Verfügung, hieß es am Freitag aus Stuttgart-Zuffenhausen. Die Verhandlungen würden aufgenommen. Damit steht auch fest: Für Oliver Blume ist absehbar Schluss mit der Doppelrolle als Volkswagen- und Porsche-Chef.
Als vor zehn Jahren der damalige Porsche-Chef Matthias Müller als neuer Volkswagen-Chef auf den im Zuge des Dieselskandal zurückgetretenen Martin Winterkorn folgte, rückte Oliver Blume nach. Er schlug einen durchaus erfolgreichen Weg ein. Porsche konnte unter seiner Führung deutlich mehr Fahrzeuge verkaufen, steigerte Umsatz und Gewinn.
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2022 stand für Blume die Krönung seiner Erfolgsgeschichte mit dem Sportwagenbauer an: Der Börsengang war von langer Hand geplant worden. Doch als am Frankfurter Börsenparkett die Glocke läutete, fand sich Blume plötzlich in einer Doppelrolle wieder. Wenige Wochen zuvor war er als Nachfolger von Herbert Diess neuer Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns geworden. Trotzdem hielt er am Chefposten bei Porsche fest. „Die strategische Führung des Konzerns unterscheidet sich deutlich von der operativen Leitung einer Marke“, hatte Blume damals im Antrittsinterview mit der „Braunschweiger Zeitung“ und dieser Redaktion gesagt. „Beides ergänzt sich aber ideal.“
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Das sahen längst nicht alle so. Von Aktionärsschützern gab es früh Kritik und die Forderung, Blume solle sich für einen CEO-Posten entscheiden. Blume aber hielt an beiden Posten fest – und musste fortan viele Krisen managen. In China preschten Konkurrenten wie BYD oder Xiaomi vor und machten den deutschen Autobauern Marktanteile streitig. Und die von US-Präsident Donald Trump verhangenen Strafzölle trafen Porsche besonders hart, weil Porsche kein eigenes US-Werk hat. Hinzu kam ein Machtkampf bei Porsche mit Finanzvorstand Lutz Meschke. Blume setzte sich durch, Meschke musste gehen. „Das hat zu viel Zeit gekostet“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) im Gespräch mit dieser Redaktion. „Viel früher hätte der Aufsichtsrat hier gegensteuern müssen, um einen neuen Porsche-CEO zu präsentieren.“

Neuer Porsche-Chef war früher bereits bei Porsche tätig
Nun soll Leiters es bei Porsche richten. Die Aufgaben sind groß. Der Sportwagenbauer flog unlängst aus dem Dax, im zweiten Quartal stand ein Gewinneinbruch von 91 Prozent zu Buche. Immerhin: Leiters kennt Porsche gut, arbeitete vor seiner Zeit bei Ferrari 13 Jahre lang in verschiedenen Positionen für den deutschen Sportwagenbauer. „Aber zuletzt hatte er bei Ferrari und McLaren andere Anforderungen“, gibt Dudenhöffer zu bedenken. „Beide Marken produzieren nur sehr kleine Stückzahlen, man kennt die Käufer persönlich. Bei Porsche muss er 400.000 Fahrzeuge im Jahr verkaufen.“


Gut sei der Schritt für Volkswagen, auf den Konzern könne sich Blume nun 100-prozentig konzentrieren, sagte Dudenhöffer. Das sieht auch Ingo Speich von der Deka Investment so: „Die Fokussierung auf Volkswagen ist in Zeiten der Krise der einzig richtige Schritt. Nun kann Blume beide Hände am Steuer bei VW haben, was auch dringend nötig ist.“ Blume müsse die Restrukturierungen vorantreiben und Vertrauen am Kapitalmarkt zurückgewinnen.




