Es zeichnet sich die erste satte Erhöhung der Rentenbeiträge ab. 2028 werden sie wohl auf 19,8 Prozent ansteigen. Das macht bei einem Bruttoeinkommen von 3000 Euro für Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur je 16 Euro netto weniger. Diese Mehrausgabe bringt kaum jemanden in Existenznot. Auf den ersten Blick scheint das wie kein besonderes Ereignis.
Auf den zweiten Blick aber ist es ein Alarmzeichen. Denn dabei wird es nicht bleiben. Ohne Reformen steigt die Beitragssatz ab dem Ende des Jahrzehnts weiter und weiter an. Das macht vor allem den jungen Leuten und den Unternehmen Angst. Erstere befürchten, dass sie nur viel einzahlen müssen, aber am Ende ihres Berufslebens nichts mehr herausbekommen. Letztere sehen bei steigenden Arbeitskosten ihre Wettbewerbsfähigkeit schwinden.
Rente: Regierung muss Vertrauen schaffen
Das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit ist zumindest in diesen Teilen der Gesellschaft geschwunden. Dabei ist das deutsche Rentensystem durchaus dauerhaft stabil. Es muss nur immer wieder an sich ändernde Realitäten angepasst werden, sei es durch Änderungen an der Altersgrenze, den Beitragssätzen oder auch staatlichen Zuschüsse. Und es kann und muss durch zusätzliche Vorsorge ergänzt werden. Dann haben auch künftige Generationen im Alter ein gutes Auskommen.

Dazu gehört aber ein neues Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Rente und Klarheit über die künftige Ausgestaltung des Systems. Je schneller dies geschieht, desto eher können sich die Menschen darauf einstellen und entsprechend privat vorsorgen. Die Einsetzung einer Rentenkommission ist ein unnötiges Spiel auf Zeit, denn die Vorschläge für Reformen sind längst bekannt. Es fehlt nur der Mut zu sicher unpopulären Entscheidungen.


