Ein Bankbetrug in den USA hat ein teures Nachspiel – allerdings nicht für die Betrüger, sondern für das Geldinstitut selbst, in diesem Fall die Citibank. Die muss ihrer Kundin Leileth Faye Graham nun satte 3,5 Millionen Euro zahlen, weil das Konto der 80-Jährigen nicht ausreichend geschützt wurde und Beweismittel in dem Gerichtsverfahren, das den Diebstahl aufdeckte, verheimlicht wurden. Zuerst hatte die „New York Post“ berichtet.
So fuhr die Bank seit 2023 eine Verzögerungstaktik und hielt Beweise immer wieder zurück, wie aus den Gerichtsakten hervorgeht. Ein vermeintliches Schuldeingeständnis par excellence. Denn nachdem mehr als 770.000 Euro von Grahams Konto gestohlen wurde, passierte seitens der Bank rein gar nichts. Die Bank hatte es versäumt, „die ohne Zustimmung oder Befugnis von [ihrem] Konto abgehobenen Gelder zu untersuchen oder zurückzuerstatten“, wie es weiter heißt. Die Richterin belegte die Citibank außerdem mit einem dreifachem Schadenersatz – und einer Geldstrafe von 10.000 Euro wegen des Zurückhaltens von Beweisen.
Bankbetrug: Mehr als 200 verdächtige Abhebungen, aber Citibank unterninmmt nichts
Die Citibank soll demnach nichts unternommen haben, nachdem die Nichte der Frau unrechtsmäßig mehr als 200 Abhebungen an einem Geldautomaten in Massachusetts vorgenommen hatte. Etwa 135.000 Dollar wurden durch diese Abhebungen gestohlen, weitere 638.000 Dollar gingen durch 15 Überweisungen verloren. Die Nichte soll das Geld für Urlaubsreisen und Immobilien ausgegeben haben.
„Hätte Citibank nach den Geldautomatenabhebungen ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen für die Citibank-Konten ordnungsgemäß getroffen, wäre das Konto markiert worden, wodurch die nachfolgenden Überweisungen verhindert worden wären“, stellte das Gericht fest. Die Citibank soll versucht haben, Graham telefonisch zu erreichen. Als die Kundin nicht erreicht werden konnte, wurden die verdächtigen Transaktionen einfach fortgesetzt.
Ausgerechnet: Opfer war auch noch Rechtsanwaltsgehilfin
Der Fall erhält einen weiteren kuriosen Beigeschmack, da Graham, die 2020 einen Schlaganfall erlitt und seitdem pflegebedürftig ist, als Rechtsanwaltsgehilfin ausgerechnet für die Anwaltskanzlei Shearman & Sterling arbeitete – jene Kanzlei, die jahrzehntelang die Citibank vertrat.
Auch in Deutschland regelt ein Gesetz die Haftung des Zahlungsdienstleisters bei nicht nicht autorisierten Zahlungsvorgängen. Banken hierzulande müssen grobe Fahrlässigkeit ihrer Kunden und Kundinnen vorweisen, um eine Erstattung zu verweigern.


