Das Tanken ist mit dem neuen Jahr deutlich teurer geworden: Um durchschnittlich rund neun Cent sind die Preise für Benzin und Diesel nach dem Jahreswechsel angestiegen, teilte das Bundeskartellamt mit. Am Donnerstag kostete Benzin E 10 an den meisten Tankstellen im Ruhrgebiet zwischen 1,72 und 1,79 Euro, Diesel rund zehn Cent weniger. Das Kartellamt führt diese Aufschläge „im Kern auf Steigerungen beim CO2-Preis“ zum 1. Januar und weitere gesetzliche Änderungen zurück. Sie allein können die neun Cent aber nicht erklären.
Das Kartellamt werde die Preisentwicklung weiterhin „engmaschig“ beobachten, betonte sein Präsident Andreas Mundt. Die Markttransparenzstelle bei der Bonner Wettbewerbsbehörde erfasst laufend und bundesweit die Spritpreise. „Das Durchreichen von Kostensteigerungen ist kein Automatismus“, erklärt Mundt – und appelliert an die Autofahrerinnen und -fahrer, vor dem Tanken die Preise an den Zapfsäulen in der Nähe zu vergleichen und so den Wettbewerbsdruck zu erhöhen. Die Tankstellen ändern ihre Preise inzwischen an jedem Tag 20 Mal und noch öfter.
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Auktionen für CO2-Abgabe im Verkehr starten erst im Juli
Ein Automatismus ist der Anstieg der CO2-Aufschläge an den Tankstellen noch nicht, den auch die Mineralölkonzerne als einen Grund für die Preisanhebungen nennen. Im vergangenen Jahr zahlten die Bochumer BP-Tochter Aral und alle anderen Tankstellenketten in Deutschland eine feste Abgabe von 13,2 Cent auf jeden Liter Benzin und 14,7 Cent auf Diesel. Der ergab sich daraus, dass die Konzerne für den Ausstoß einer Tonne CO2 pauschal 55 Euro zahlen mussten. In diesem Jahr werden die entsprechenden Zertifikate für die Tonne CO2 erstmals in diesem Bereich versteigert, sollen aber in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro bleiben. Daraus ergäbe sich laut Umweltbundesamt eine maximale Verteuerung um 2,8 Cent für Benzin und 3,2 Cent für Diesel.

Allerdings starten die Auktionen an der Leipziger Energiebörse EEX erst im Juli, sie haben demnach noch keinen direkten Einfluss auf die Preise. Jedoch können die Unternehmen bis dahin selbst den CO2-Preis kalkulieren und auf die Preise umlegen - bis zu den genannten Maximalaufschlägen.
Im Herbst dürfte es noch einmal teurer werden. Denn wer im Sommer bei den Versteigerungen der Verschmutzungsrechte nicht zum Zuge kommt, muss dann übrigens 68 Euro je Tonne zahlen. Das würde Benzin um 3,7 Cent und Diesel um 4,1 Cent verteuern. Sind keine Zertifikate mehr zu ersteigern, werden sie laut Emissionshandelsstelle anschließend für alle zum Festpreis von 68 Euro verkauft. Das dürfte im Herbst Standard werden - mit entsprechenden Folgen an den Zapfsäulen.
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Mehr Biosprit verteuert Benzin und Diesel zusätzlich
Eine noch größere Rolle spielen vor allem zum Jahresstart Branchenangaben zufolge andere gesetzliche Änderungen. Die wichtigste ist die Erhöhung der Treibhausminderungsquote (THG). Um den CO2-Ausstoß auch im Verkehr zu senken, was Deutschland bisher im Gegensatz zu Industrie und Gebäuden nicht gelungen ist, müssen Aral, Esso & Co. die Mineralölunternehmen ihre Emissionen jedes Jahr weiter senken - in diesem gegenüber der Einführung dieser Quote um 12,1 Prozent statt um 10,6 Prozent im vergangenen Jahr.
Wie stark sich das auf die Preise niederschlägt, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Klar ist aber, dass in der Herstellung mehr Biosprit beigemischt werden muss, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Und Biosprit ist laut dem Wirtschaftsverband Fuels und Energie teurer geworden, was auch die Endpreise an den Zapfsäulen zum Jahresbeginn erhöht habe.
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Hinzu kommen dem Verband zufolge weitere Regeländerungen. Davon die wichtigste ist die so genannte „Mehrfachanrechnung“ von Biokraftstoffen, die Benzin und Diesel beigemischt werden. Um den Anreiz für die Beimischung zu erhöhen, wurde bisher ein Liter Biokraftsoff doppelt angerechnet, das gilt seit 1. Januar nicht mehr. Entsprechend muss mehr Biokraftstoff zugekauft und beigemischt werden, was Benzin und Diesel zusätzlich verteuert.
Der in Bochum sitzende deutsche Marktführer Aral wollte sich aus Wettbewerbsgründen nicht zu den jüngsten Erhöhungen äußern und verwies auf den Verband. Dessen Hauptgeschäftsführer Christian Küchen führt die THG-Quote und die CO-Abgabe als Preistreiber an. „Die Klimaziele im Verkehr sind ohne einen Zuwachs an alternativen Kraftstoffen nicht zu erreichen. Dass daher die Anforderungen schrittweise angehoben werden, ist nachvollziehbar“, erklärte er. Erhöhte Beimischungen erneuerbarer Kraftstoff-Komponenten und steigende CO2-Kosten führten aber auch zu steigenden Spritpreisen.




