Wer arbeitslos und auf Jobsuche ist, hat derzeit so geringe Chancen wie nie, eine Stelle zu finden. Das sagte Andreas Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, kurz nach den Weihnachtsfeiertagen dem Nachrichtenportal web.de. Nun zeigt sich: Die triste Lage auf dem Arbeitsmarkt macht auch vor Führungskräften nicht Halt. Ganz im Gegenteil. So sind derzeit so viele Manager ohne Job wie seit zehn Jahren nicht mehr – satte 49.000. Das zeigt eine Analyse der Agentur für Arbeit, über die das „Handelsblatt“ berichtet.

Die Zahl der arbeitslosen Führungskrädte ist demnach binnen eines Jahres um 14 Prozent gestiegen, ein Höchststand seit Beginn dieser spezifischen Datenerfassung 2015. Neben Geschäftsführern sind es vor allem Abteilungs- und Bereichsleiter, die immer öfter gekündigt werden. Im Vergleich zu anderen Beschäftigungsgruppen ist der prozentuale Anstieg bei arbeitslosen Führungskräften deutlich höher.

Rigoroser Personalabbau erreicht Leitungsebene: Ganze Abteilungen werden reihenweise geschlossen

Traf Personalabbau früher häufig den Arbeiter und Angestellten, hat die Einspar-Welle in Unternehmen nun mit voller Wucht die Leitungsebene erreicht. So werden oft ganze Hierarchiebenen und Abteilungen gestrichen. Für Experten sind die Zahlen nicht überraschend. „Eine Umstrukturierungs- und Entlassungswelle wie 2025 habe ich noch nicht erlebt“, sagt etwa Nils Schmidt, Vorstand des Deutschen Verbands für Fach- und Führungskräfte (DFK), gegenüber dem „Handelsblatt“.

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Flachere Hierarchien, weniger Bürokratie und Kosten einsparen: Viele Unternehmen haben sich diesem Credo verschrieben. Ein gutes Beispiel ist Mercedes-Benz und sein Sparprogramm „Next Level Performance“. Der Autobauer will bis 2027 etwa fünf Milliarden Euro einsparen – eine Milliarde davon durch geringere Personalausgaben.

Und die Kürzungen sollen vor allem auf Leitungsebene sichtbar werden. So will Mercedes im Management besonders viele Jobs abbauen, vorrangig in Deutschland. Bereits in einem „Handelsblatt“-Interview Ende 2025 hatte Seeger bestätigt, ganze Hierarchieebenen streichen zu wollen. Bislang sollen insgesamt zwischen 4000 und 5000 Angestellte den Konzern in Deutschland verlassen haben.

VW, Bayer und Mercedes fahren Sparprogramme

Auch Volkswagen will bis 2025 rund 35.000 Stellen abbauen, darunter zahlreiche Beschäftigte auf Leitungsebene. Im Juni 2025 wurde bekannt, dass Europas größter Autobauer bereits mit mehr als 20.000 Mitarbeitern Verträge zum Ausscheiden abgeschlossen hat.

Der Chemiekonzern Bayer geht einen besonders rigorosen Weg, wenn es darum geht, Stellen auf Führungsebene zu streichen. Weltweit strich das Dax-Unternehmen rund 13.500 Stellen. 70 Prozent davon entfallen auf die Management-Ebene. CEO Bill Anderson hat seit 2023 zahlreiche Abteilungen geschlossen und fährt eine extreme Sparpolitik, um den Konzern für die Zukunft aufzustellen.

Experten vermuten, dass die Dunkelziffer zu arbeitslosen Führungskräften in Deutschland für 2025 noch weitaus höher ist. So werden viele Stellenstreichungen auf Management-Ebene diskret abgewickelt, inklusive hoher Abfindungen. Auch Manager, die in den Vorruhestand gehen, werden nicht in der Statistik erfasst.

rk