Beim Einkaufen die Plastikverpackung meiden, das Fahrrad statt das Auto nutzen, saisonales Gemüse wählen – nachhaltige Entscheidungen gehören für viele inzwischen zum Alltag. Aber wie nachhaltig ist das eigene Geld? Hier setzen Ethikbanken an: Sie versprechen, dass es nicht in Projekte fließt, die der Umwelt oder der Gesellschaft schaden. Auf dem hart umkämpften Bankenmarkt bewegen sie sich zwar in einer Nische, doch der Wettbewerb wächst.
„Während wir Bio-Gemüse kaufen und grünen Strom nutzen, liegt unser Geld auf der Bank und finanziert vielleicht gerade ein neues Kohlekraftwerk“, unkt die dem Nachhaltigkeitsversprechen verpflichtete Geldanlageplattform Tomorrow auf ihrer Website. Die Banking-App ohne eigene Banklizenz, die die Verwahrung von Kundengeldern über den Berliner Kooperationspartner Solarisbank anbietet, betreut nach eigenen Angaben rund 125.000 Kunden.
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Finanzen: Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst rasant
Das 2018 gegründete Finanz-Start-up gilt in der Szene als erfolgreich. Vor allem die junge Öko-Zielgruppe fühlt sich von der aktivistischen Optik, Mobile Banking und Versprechen wie „Kein Cent fließt in Dinge, die dem Planeten schaden“ angesprochen. Auf Tagesgeld gibt es bis zu 2,5 Prozent Zinsen, wer möchte, kann Windenergie-Anleihen zeichnen oder in grünen Wasserstoff investieren.

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst und erreichte nach Branchenangaben im vergangenen Jahr ein Volumen von knapp 600 Milliarden Euro – ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2024. Das Umweltbundesamt registriert eine Verzehnfachung innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Transparenter werde das Angebot durch den rasanten Zuwachs allerdings nicht, monieren Kritiker. Manche Finanzprodukte würden überdies als nachhaltiger dargestellt, als sie sind.
Ethikbanken vergeben Kredite mit Fokus auf Nachhaltigkeit
Ethikbanken betrachten sich grundsätzlich als Gegenmodell zu konventionellen Kreditinstituten. Ihre Kunden erwarten Abstinenz von aus ihrer Sicht moralisch fragwürdigen Geschäften, die Vergabe von Krediten nach Umweltgesichtspunkten und Investitionen in soziale Anliegen.

Das Spektrum hat sich in den vergangenen Jahren erweitert – von Nachhaltigkeitsveteranen wie der niederländischen Triodos oder der Bochumer GLS-Bank mit Filialen von Freiburg bis Hamburg über die Smartphone-App Tomorrow bis hin zu oft genossenschaftlich organisierten Kirchenbanken. Sie alle versprechen strenge Ausschlusskriterien für Investments bei sozialer Unverträglichkeit. Der Fokus liegt auf gesellschaftlich und ökologisch unbedenklichen Firmen und Projekten.
Zum moralischen Konflikt geriet für die kirchlich orientierten Institute jüngst die im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg aufkeimende Debatte darüber, ob Investitionen in die Verteidigung als nachhaltig gelten könnten. „Waffen und Rüstungsgüter zerstörten Leben, Zivilgesellschaft, Umwelt und Infrastrukturen“, empörte sich die GLS-Bank in einem Positionspapier. „Rüstungsgüter bleiben auf der Ausschlussliste kirchlicher Investoren.“
Grüne Anleihen: Banken entdecken Nachhaltigkeit als Wachstumsfeld
Ungemütlicher wird es in der grünen Nische zudem, weil etablierte Geschäftsbanken mit eigenen Angeboten hineindrängen. So brachte das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ-Bank unlängst einen weiteren Green Bond an den Markt. Die Anleihe mit einem Volumen von 300 Millionen Euro wurde nach Angaben der Emittentin 2,6-fach überzeichnet. Das Portfolio bestehe hauptsächlich aus Onshore-Windprojekten in Deutschland.
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Nachhaltigkeit habe sich in der Kapitalanlage fest etabliert, bewertete Kapitalmarktvorständin Souâd Benkredda. Laut aktuellem Bankenreport der Wirtschaftsprüfer und Berater von EY sehen 71 Prozent der befragten Finanzinstitute Erlöspotenziale in der Finanzierung von Transformationsprojekten. „Alternative Anlagen“, analysieren die Branchenexperten, „gewinnen an Gewicht.“
Zunehmende Regulierung belastet kleine Institute
Druck entsteht durch zunehmende Regulierung. Zwar unterstützen gerade EU‑Offenlegungsvorschriften und Taxonomie die Abgrenzung von konventionellen Anlageprodukten. Aber Compliance und deren Dokumentation sind teuer und belasten vor allem kleine Institute. Vergleichbare Standards für soziale Investments fehlen. Branchenbeobachter erwarten daher auch im kleinen Ethikbankensegment Übernahmen und Zusammenschlüsse.
Die Institute blickten mit steigender Besorgnis auf globale politische Unsicherheiten, formuliert der Branchenverband Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) im jüngsten Marktbericht, für den 89 Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Liechtenstein) befragt worden waren. Teilnehmer waren Asset-Manager, Banken mit Nachhaltigkeitsfokus, Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen und öffentliche Einrichtungen. Der Anteil derer, die von einer Stagnation ausgehen, sei im laufenden Jahr auf 37 Prozent gestiegen, gegenüber 16 Prozent im Jahr davor.
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Greenwashing: Neues Gesetz soll irreführende Versprechen stoppen
Auch das Münchener Institut für nachhaltige Kapitalanlagen registriert Gegenwind: Viele Gesetzesvorhaben wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU, die Richtlinien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen formuliert, oder das EU-Lieferkettengesetz standen auf dem Prüfstand. Die maue Konjunktur hemmt allgemein die Investitionsbereitschaft.
Immerhin: Der Bundestag hat kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das sogenanntes Greenwashing unterbinden soll. Wer seine Produkte fälschlich als klima- oder umweltfreundlich deklariert, muss mit Abmahnung oder Schadenersatz rechnen.




