- Mailand wird zunehmend beliebt bei Superreichen
- Neben gutem Wetter lockt die Metropole auch mit Steuervorteilen
- Doch der Zuzug bringt auch Schattenseiten mit sich
Ein exklusives Leben bei gutem Wetter, zwischen Luxuswohnungen und historischen Palazzi, am Puls der Mode, Finanzwelt und Kultur – Mailand gilt als Stadt, die Superreichen immer mehr als Zufluchtsort dient. Die Anziehungskraft der italienischen Finanzmetropole wächst rapide: Immer mehr Millionäre kehren London und anderen Finanzzentren den Rücken und entscheiden sich für einen Neuanfang südlich der Alpen.
Laut dem Jahresbericht der Londoner Beratungsfirma Henley & Partners kommt in der lombardischen Finanzmetropole ein Millionär auf zwölf Einwohner – mehr als in New York (1:22), London (1:41) oder Rom (1:54). Allein im Jahr 2025 zogen rund 3.600 neue Millionäre nach Italien, die meisten davon nach Mailand. Sie brachten laut Bericht liquide Mittel von insgesamt etwa 20,7 Milliarden Euro mit, wie aus der Studie hervorgeht. Unter den Superreichen in Mailand besitzen 182 Personen mehr als 100 Millionen Euro.
Zu den Krösussen, die sich inzwischen in Mailand niedergelassen haben, zählt Tennislegende Boris Becker. Sein fünftes Kind, Töchterchen Zoë Vittoria, kam im November in Mailand zur Welt. Als Zugezogene gelten auch Nassef Sawiris, der reichste Mann Ägyptens und Miteigentümer des Fußballklubs Aston Villa, zudem der Banker Richard Gnodde von Goldman Sachs, sowie Rolly van Rappard, Mitgründer der Private-Equity-Gruppe CVC Capital Partners.
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Steuervorteile ziehen vermögende Investoren nach Mailand
Aber was macht Mailand so attraktiv für die globale Elite? Experten führen den Reiz auf mehrere Faktoren zurück: die zentrale Rolle als globales Zentrum für Business, Mode und Finanzen, attraktive steuerliche Rahmenbedingungen, sowie eine Erbschaftssteuer von vier Prozent und hohe Lebensqualität. Denn: Seit 2017 gilt in Italien die sogenannte „CR7-Regel“, benannt nach dem Starfußballer Cristiano Ronaldo, der dank dieser Bestimmung zum Fußballklub Juventus Turin wechselte und auf seine Auslandseinkünfte – etwa auf Bildrechte oder Sponsoring – eine symbolische Pauschalsteuer entrichtete.
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Dieses Sondersteuermodell erlaubt es Personen, die ihren Wohnsitz nach Italien verlegen, für 15 Jahre eine Pauschalsteuer von 200.000 Euro jährlich auf alle im Ausland erzielten Einkommen zu zahlen. Betroffen sind etwa Zinserträge, Dividenden, Veräußerungsgewinne, Erbschaften oder Schenkungen, sofern sie im Ausland anfallen. Für Einkommen aus italienischer Quelle gelten hingegen die normalen Steuersätze.
Superreiche treiben Immobilienpreise in Mailand nach oben
Die Zuwanderung von Superreichen treibt den Mailänder Immobilienmarkt in die Höhe, der ohnehin exklusiv ist: In Vierteln wie Brera, dem Quadrilatero della Moda oder CityLife gibt es luxuriöse Wohnungen, historische Palazzi und Penthouse-Suiten, die als Statussymbole dienen und gezielt Millionäre anziehen. Die Stadt ist zudem das wirtschaftliche Herz Italiens, Sitz von Banken, Börse und internationalen Unternehmen. Das erleichtert nicht nur Investitionen, sondern bietet auch die Möglichkeit, Geschäftspartner auf höchstem Niveau zu treffen.
Hinzu kommt das reiche kulturelle Angebot: Opernhäuser wie die Scala, renommierte Museen, Design-Events und ein exklusives Nachtleben machen Mailand besonders für Menschen attraktiv, die ein luxuriöses Leben mit Kultur verbinden möchten. Auch die Lage spielt eine Rolle: Die Nähe zu den italienischen Seen wie Como oder Garda, zu den Alpen und die gute internationale Anbindung über die Flughäfen Malpensa und Linate machen Mailand ideal für Jetsetter. Große Events wie die Mailänder Modewoche oder die bekannte Möbelmesse „Salone del Mobile“ zieht ein globales Publikum an und machen die Präsenz in der Stadt zu einem Prestigezeichen.
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Hohe Mieten verdrängen einheimische Bewohner
Mailand profitiert auch stark von der politischen Stabilität Italiens. Im Vergleich zu den Spitzenleuten in Spanien, Polen und insbesondere Frankreich kann sich die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni auf solidem Fundament bewegen. Ihr dürfte es gelingen, eine ganze fünfjährige Legislatur bis 2027 im Amt zu bleiben, was bisher nur ihr Vorgänger Silvio Berlusconi geschafft hatte. Seit 1946 waren in Italien fast 70 Regierungen an der Macht, im Schnitt hielten sie sich nur 14 Monate. Meloni regiert inzwischen seit mehr als drei Jahren.
Mailands Erfolg als elitäre Stadt für Reiche hat jedoch auch Schattenseiten, vor allem für seine weniger wohlhabenden Bürger. Gerade Wohnen ist für viele Einheimische schwierig geworden. Viele Einwohner sind wegen der teuren Mieten gezwungen, sich in Gemeinden um Mailand niederzulassen, was sie zu einem anstrengenden Pendlerleben zwingt. Der boomende Tourismus und die zunehmende Zahl von Kurzzeitmieten verdrängen viele Menschen aus dem Zentrum. Der Unterschied zwischen schicken Vierteln und Randbezirken wächst.

Gegenden um den Hauptbahnhof oder einige Außenbezirke können nachts unangenehm werden. Das hat auch der deutsche Nationalspieler Niclas Füllkrug zu spüren bekommen, der kurz nach seinem Wechsel vom englischen Premier-League-Verein West Ham zum Erstligisten AC Mailand an seinem neuen Wohnort ausgeraubt wurde. Aus dem Hotelzimmer, in dem der Neuzugang des AC Mailand wohnte, entwendeten Diebe nach Angaben der italienischen Polizei Uhren und Schmuck im Wert von etwa 500.000 Euro. Besonders Uhren-Raub bei Promis findet in Mailand immer wieder statt. Dahinter steckt das Werk organisierter Kriminellenbanden.







