„Bis zu 90 % weniger Material als herkömmliche Windkraftanlagen“ – damit werben neue chinesische Windkraftsysteme, die komplett anders funktionieren als das, was bislang bekannt ist. Fliegende Windräder klingen nach Science-Fiction, könnten in China aber bald Wirklichkeit werden: Dort hat laut einem Bericht von CNN eine Initiative aus Wissenschaft und Wirtschaft Prototypen großflächiger, schwebender Turbinen entwickelt. Doch wie funktioniert das überhaupt?
Auch interessant
Fliegende Windkraft: SAWES S2000 erreicht 3 Megawatt Leistung
Die Turbinen sind mit Helium gefüllt und werden über ein Verbindungskabel mit dem Boden verankert und mit Strom versorgt. Zudem können sie mehrere Tausend Meter hoch in der Luft schweben – mobil und deutlich umweltschonender als herkömmliche Windkraftwerke. Entwickelt wird das Projekt von der Tsinghua-Universität in Peking in Zusammenarbeit mit der Firma Beijing SAWES Energy Technology Co., Ltd. Der erste Prototyp wurde im Oktober 2024 vorgestellt. Das neueste Modell, der SAWES Typ S2000, ist das erste fliegende Windkraftsystem im Megawatt-Bereich.

Der S2000 misst 60 Meter in der Länge sowie 40 Meter in Höhe und Breite. Mit zwölf Turbinen an Bord erreicht er laut Hersteller eine Gesamtleistung von drei Megawatt. Im Januar gelang ein erfolgreicher Testlauf in 2000 Metern Höhe. Zum Vergleich: Die aktuell stärkste Windkraftanlage der Welt von Dongfang Electric ist 340 Meter hoch und leistet 26 Megawatt.
Mehr zum Thema Energie
Schwebende Windturbinen: KI-gestützte Technik schützt Vögel und Umwelt
„Wir benötigen keine massiven Betonfundamente oder einen Stahlturm und stören auch nicht das Bodenökosystem“, betont Jianxiao Wang, Professor an der Peking-Universität, der an dem Projekt beteiligt war, gegenüber CNN.
Neben ökologischen Vorteilen seien die schwebenden Turbinen besonders vogelfreundlich, nahezu geräuschlos und optisch wenig störend. Gerade in Regionen mit wenig freier Fläche könnten die Anlagen zum Einsatz kommen, etwa auf einer Naturschutzinsel in der Provinz Guangdong.
Auch interessant
Saubere Energie auch für abgelegene Regionen
Nach Angaben des Forschungsteams ermöglichen neue Verbundmaterialien ein geringes Gewicht der Turbinen und reduzieren den Heliumverlust beträchtlich. Intelligente Steuerung per KI und Atmosphärenmodellierung sorgen dafür, dass das System automatisch steigt oder sinkt – je nach optimaler Windgeschwindigkeit. Bis Ende 2025 seien laut SAWES bereits 51 Patente angemeldet worden.
Firmensprecherin Wang Lei sieht große Chancen für den Einsatz in abgelegenen Regionen, bei Notstromversorgung oder Naturkatastrophen. Zumal das System im entleerten Zustand einfach transportiert werden kann. Langfristig wolle SAWES mit den fliegenden Turbinen saubere Energie für das Stromnetz liefern und fossile Energieträger im Energiemix ersetzen.








