Im Dauer-Übernahmeclinch mit der Mailänder Großbank Unicredit hat die Commerzbank das jüngste Übernahmeangebot der Italiener zurückgewiesen. Vorstand und Aufsichtsrat erklärten in einer Mitteilung, die Offerte enthalte „keine angemessene Prämie“ und spiegele den Wert des Geldhauses nicht wider. Damit geht der Machtkampf um die Frankfurter Bank in die nächste Runde. Welche drei Möglichkeiten es jetzt gibt.

Unicredit und Commerzbank im Streit: Szenario 1 – die Übernahme gelingt

Mittelfristig würde der Mailänder Übernehmer davon profitieren, dass es im deutschen Markt nach der Einverleibung der Frankfurter Konkurrentin weniger Wettbewerb gäbe. „Im Kreditgeschäft – vor allem mit Firmenkunden – könnte Unicredit nach einer Übernahme vermutlich höhere Preise durchsetzen“, glauben manche Experten wie Hans-Peter Burghof, Finanzprofessor an der Universität Hohenheim. Allerdings könnte der Aktienkurs deutlich fallen, sobald er nicht mehr von Übernahmefantasien profitiert.

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Die Commerzbank und ihre seit Herbst 2024 amtierende Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp sind jedenfalls weit davon entfernt, ihre Gegenwehr aufzugeben: Unter dem ständigen Druck der Mailänder Konkurrentin befindet sich die Commerzbank in einer Art Dauer-Strategie-Check und legt in Bezug auf Effizienz und Profitabilität für die Jahre bis 2030 noch einmal nach: Laut aktualisierter Planung soll die Cost-Income-Ratio – die Kennziffer, die misst, wie effizient eine Bank arbeitet – in zwei Jahren 48 Prozent erreichen, 2030 sogar 43 Prozent. Die Eigenkapitalrendite soll bis 2028 auf 17 Prozent steigen. Beide Vorgaben gelten auch im europäischen Vergleich als sportlich.

Anfang Mai hatte Unicredit-Chef Andrea Orcel ein angekündigtes Übernahmeangebot durch Aktientausch im Verhältnis von 0,485 eigenen Aktien für ein Commerzbank-Papier offiziell gemacht. Damit lag der Angebotspreis aber unter dem Wert der Commerzbank-Aktien am Markt. Offenbar rechnet Orcel selbst nicht damit, dass dieses Angebot auf breites Interesse stößt. Vielmehr möchte er sich die Möglichkeit eröffnen, weitere Aktien zuzukaufen, auch jenseits einer aktienrechtlichen Schwelle von 30 Prozent.

Ob das funktioniert, hängt wesentlich davon ab, ob die Anteilseigner die auf beiden Seiten ehrgeizigen Pläne der Bankenchefs für glaubhaft halten. Orlopp argumentiert, die erkennbaren Eckpfeiler des Übernahmeplans zeigten für die Aktionäre der Commerzbank kein ausreichendes Wertschöpfungspotenzial: „Sämtliche vermeintlichen Vorteile eines Zusammenschlusses bleiben vage und liegen weit in der Zukunft“. Sie betont die grundsätzlich unterschiedlichen Vorstellungen beider Unternehmen zur Zukunft der Commerzbank: Die habe im Geschäftsjahr 2025 das beste operative Ergebnis ihrer Geschichte erzielt – „ohne den Abbau der internationalen Präsenz und Umsetzungsrisiken, die mit einer grenzüberschreitenden Bankfusion verbunden wären“.

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Szenario 2 für Commerzbank-Übernahme: Unicredit gibt auf

Die Alt-Aktionäre beißen nicht an, der Widerstand von Bundesregierung und Belegschaft macht einen Deal unattraktiv. Politik und Belegschaften kommt im italienischen Übernahme-Marathon eine entscheidende Rolle zu: Orcel möchte die Commerzbank im Falle einer Übernahme vollständig integrieren, verschlanken und mit der Münchner HypoVereinsbank (HVB) verzahnen, die Unicredit bereits gehört.

Unicredit war im September 2024 bei der Konkurrentin eingestiegen. Seither baut sie die Beteiligung direkt und über Finanzinstrumente sukzessive aus und löste schließlich den deutschen Staat als größte Aktionärin ab. Bislang hat die Bundesregierung das Werben der Italiener immer zurückgewiesen. Die Commerzbank zählt zu den wichtigsten Mittelstandsfinanzierern im Land. In Berlin kursierten sogar Gerüchte, die Bundesregierung denke darüber nach, das bundeseigene Aktienpaket aufzustocken, um eine vollständige Übernahme zu verhindern. Mit dem bestehenden Anteil von gut 12 Prozent könnte der Bund immerhin noch verhindern, dass Unicredit den Frankfurter Dax-Wert von der Börse nimmt.

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Die für den Mittelstand so wichtigen Auslandsvertretungen der Commerzbank möchte Orcel erklärtermaßen reduzieren. Davor warnt Orlopp eindringlich: Das Mittelstandsgeschäft sei Teil der Commerzbank-DNA. Mehr als die Hälfte der Erträge im Firmenkundengeschäft entstünden mit Kunden, die die internationale Präsenz und die Begleitung ihrer Hausbank in wichtige Märkte wollen.

Um ihre Unabhängigkeit zu verteidigen, trimmt die Commerzbank-Chefin ihr Haus seit zwei Jahren auf Rendite. Auch der Belegschaft hatte sie zuvor schon Opfer abverlangt. Trotz guter Gewinne verkündete sie 2024 die Streichung von rund 3900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Weil sie im Falle einer Übernahme einen Kahlschlag fürchten, hat Orlopp Mitarbeiter und Gewerkschaften bislang aber auf ihrer Seite.

Das zunehmend öffentlich ausgetragene Ringen hat den Ton derweil rau werden lassen: Zuletzt hatte sich sogar die Bankenaufsicht Bafin eingeschaltet und den Mailändern Negativwerbung untersagt. In Onlineanzeigen hatte Unicredit die Commerzbank als „vernachlässigt“, „unsicher“ und „kurzfristig orientiert“ beschrieben. Dagegen sprang die Europäische Zentralbank (EZB) den Italienern zur Seite: Der Widerstand der Bundesregierung stehe im Widerspruch zur geplanten europäischen Spar- und Investmentunion, kritisierte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos. Eine echte europäische Großbank sei international konkurrenzfähiger.

Commerzbank
Schon länger ist die deutsche Commerzbank im Visier der Mailänder Großbank Unicredit. Doch die geplante Übernahme zieht sich hin. Kommt es jetzt ganz anders?© Helmut Fricke/dpa | Helmut Fricke

Commerzbank-Übernahme: Szenario 3 – abwarten

Unicredit bleibt noch eine Weile in Lauerstellung, ohne ein konkurrenzfähiges Angebot vorzulegen. Diese Zermürbungsstrategie wäre gefährlich für die Commerzbank, befürchten Beobachter: Firmenkunden könnten sich umorientieren, ebenso wie wichtige Mitarbeiter.

Im europäischen Wettbewerb schlösse auch ein italienisch-deutsches Gemeinschaftsunternehmen gemessen am Bilanzvolumen nicht automatisch auf. Zu den führenden Häusern bestünde ein gehöriger Abstand. Zudem: In wichtigen Geschäftsfeldern, wie dem Investmentbanking, wäre eine Unicredit auch nach einer Übernahme nach Meinung von Analysten nicht wirklich auf Augenhöhe. Ein Patt, sagen Marktbeobachter, werde nicht ewig halten: Stimmt der Preis, würden die Alt-Aktionäre irgendwann zuschlagen.

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Kriegt der Kanzler die Kurve?
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Für sie werde am Ende der Kaufpreis zum entscheidenden Faktor, erwartet Burghof. Getrieben durch den öffentlichen Übernahmekampf und Orcels Rentabilitätskurs hat sich der Aktienkurs der Commerzbank in den vergangenen 18 Monaten verdoppelt. Davon profitiert auch die Unicredit als Aktionärin. Allerdings macht die hohe Bewertung die Akquisition auch teurer. Würde Orcel mit seinen Übernahmeplänen scheitern, säße er auf einem großen Aktienpaket fest, sagt Burghof: „Er müsste versuchen, dieses mit möglichst wenig Abstrichen beim Preis am Markt zu platzieren – mit ungewissem Ausgang für die Unicredit.“

Starke Zahlen geliefert

Im ersten Quartal konnte die Commerzbank operatives Ergebnis und Überschuss gegenüber dem Vorjahresquartal um zehn Prozent verbessern und damit die Erwartungen von Analysten übertreffen. Für 2026 plant die Commerzbank einen Gewinn von mindestens 3,4 Mrd. Euro, das sind 200 Mio. Euro mehr als bislang angepeilt. 2028 soll plangemäß ein Ergebnis von 4,6 Mrd. Euro und 2030 sogar 5,9 Mrd. Euro erreicht sein.