In ganz Deutschland stöhnen Kommunen seit Jahren über einen steigenden Mangel an finanziellen Zuwendungen vom Bund – Kürzungen von Geldmitteln und Leistungen in vielen Bereichen sind die bitteren Folgen.

Die Dokumentation „Kassensturz – Kommunen vor dem Kollaps“ aus der Reihe „ARD Story“ hat ein Jahr lang vier Orte exemplarisch für viele deutsche Städte durch die aktuelle Misere begleitet. Am Beispiel Kiel, Karlsruhe und Ludwigshafen verdeutlicht der Film die Ursachen und stellt Gera als gutes Gegenbeispiel vor.

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Für einen positiven Einstieg in das Negativ-Thema sorgt Gera. Denn in der ostthüringischen Stadt ist Geld da fürs Schwimmbad, für Feuerwehr und Kultur. Eine Ausnahme. Denn im letzten Jahr verbuchten die deutschen Städte das größte finanzielle Defizit der bundesdeutschen Geschichte, heißt es im Film.

Deshalb sparen jetzt viele Kommunen, was das Zeug hält: Kürzungen an Straßen, Sportstätten und Kultur, Erhöhungen der Gebühren für Kitas und Nahverkehr.

Personalkosten und Inflation

Die finanzielle Schieflage erklärt der Verwaltungswissenschaftler René Geißler von der Technischen Universität Wildau bei Berlin. Gründe für die klammen kommunalen Kassen seien unter anderem steigende Personalkosten und Inflation. Die Dokumentation möchte zeigen, warum so viel Geld fehlt – und welche Auswirkungen das für die Menschen und am Ende für die Demokratie haben kann.

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Um einen menschlichen Blick auf das Finanzdebakel zu bekommen, hat die Mainzer Journalistin Katharina Singer für ihre Doku deutsche Kommunen durch die Krise begleitet. Dafür hat sie 196 Städte mit über 50.000 Einwohnern angeschrieben, bis auf sechs haben alle geantwortet.

Anhand einer Tabelle mit Schuldenständen und Haushaltszahlen seit 2022 sowie Prognosen bis 2027 hat die SWR-Reporterin exemplarisch Städte für die Doku ausgewählt. Auch eine Bürgerumfrage hat Singer eigens in den Städten durchgeführt.

Unmut weckt Kampfgeist

Kommunale Kürzungen sorgen für Unmut bei der Bevölkerung, wecken aber den Kampfgeist. Menschen wie die jungen Eltern Laura und Benedict etwa gehen gegen Kürzungen im Kulturbereich und bei Familien in Karlsruhe auf die Straße. Andere wie die Kieler Erzieherin Letitia Masson und ihre Kolleginnen leisten oft ehrenamtlich Mehrarbeit.

Gerabilder
Das Hofwiesenbad in Gera. © Funkemedien | Lutz Prager

Singer befragt auch die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin sowie die Oberbürgermeister von Karlsruhe, Kiel und Gera, was deren Herausforderungen veranschaulicht. „Man merkt allen auch im persönlichen Gespräch die Verzweiflung und Ratlosigkeit über die aktuelle Lage deutlich an“, erklärt die Journalistin. Alle kommunalen Vertreter seien sehr dankbar gewesen, „dass sie mal offen über ihre Lage und ihre Ängste sprechen konnten“.

Ernüchternde Einschätzung

Die Verantwortung und die Stellschraube zu einer Verbesserung sehen alle Beteiligten beim Bund. Singer sprach darauf CDU-Politiker Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramtes, an. Ihr ernüchterndes Fazit: Bei diesem Gespräch sei sehr deutlich geworden, „dass es auch in Berlin keine Lösung aktuell gibt für diese Krise“.

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Die Doku zeigt die Spannung auf zwischen Sparplänen und Hoffnungsschimmer. Das vielschichtige, komplexe Thema war laut Singer auch während der filmischen Umsetzung im Fluss. Ihr ging es darum, das eher trockene Thema Finanznot auf die menschliche Seite herunterzubrechen und die Konsequenzen der Finanzkrise im Alltag aufzuzeigen.

Jeder kann etwas im Kleinen tun

Singers Resümee: „Leider sind wir erst am Anfang der Krise“, und leider gebe es auch nicht „die“ eine Lösung. Was sie aber gelernt habe: „Jeder ist gefordert, sich in der heutigen Gesellschaft einzubringen, damit wir auch durch Krisen wie diese kommen. Es gibt vieles im Kleinen, was wir tun können.“

So verbreiten im Film die „Stay in Gera“-Influencer Jeremias und Fabio bei der Eröffnung vom Hofwiesenbad mehr Hoffnung, als Bundespolitiker Frei aus Berlin.

Ein großes Glück am Rande der aufwendigen Doku war für Regisseurin Singer die angenehm begleitende Stimme von Anna Thalbach. „Die Schauspielerin war meine absolute Wunsch-Sprecherin.“

Das Erste sendet den Beitrag am 16. Juni von 22.50 bis 23.35 Uhr.

kna